Eindrücke aus Russland

WM-Leichtigkeit und Gebäude der Superlative

Manfred Keilholz vor der Brücke der westlichen Umgehungsautobahn, die am WM-Stadion vorbeiführt, im Hintergrund die Landungsbrücken für die Kreuzfahrtschiffe. | Foto: Keilholz2018/07/Fussball-WM-Keilholz-Brucke.jpg

ST. PETERSBURG — Auch wenn für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Traum von der Titelverteidigung in der Vorrunde geplatzt war, begab sich PZ-Mitarbeiter Manfred Keilholz auf „seinen“ WM-Trip nach St. Petersburg. Eigentlich hatte er damit gerechnet, dort die deutsche Elf im Achtelfinale zu sehen. Stattdessen liefen im Achtelfinale im WM-Stadion von St. Petersburg, das 68 000 Zuschauern Platz bietet, die Schweizer gegen die Schweden auf. Hier seine Eindrücke aus der russischen Metropole:

„St. Petersburg empfängt mich bei Nacht. Ich komme um 1.30 Uhr am Flughafen Pulkovo im Süden der Stadt an. Im Norden zeigt sich hell die Mittsommernacht und am Himmel über Karelien dämmert bereits der neue Tag. Die Nächte in St. Petersburg dauern Ende Juni nur etwas länger als vier Stunden. Den ersten Eindruck, den ich von der rund fünf Millionen Einwohner zählenden Stadt bekomme, ist, dass die Brücken über die Newa alle hochgeklappt sind. Bei der Fahrt auf der Ringautobahn erklärt mir der Taxifahrer – wir verständigen uns so gut es geht in Englisch und mit „Gebärdensprache“ –, dass die Klappbrücken zwischen ein und etwa vier Uhr für den Schiffsverkehr geöffnet sind und der Autoverkehr zwischen den südlichen und nördlichen Stadtteilen unterbrochen ist.

Mt 140 km/h über die Ringautobahn

Im Taxi geht es im Tempo von 120 bis 140 km/h – offiziell darf 80 km/h gefahren werden; aber niemand hält sich daran – über die Ringautobahn um die Stadt herum. Russland ist stolz drauf, diese WM ausrichten zu dürfen, und zeigt sich in einer Leichtigkeit, die vergleichbar ist mit dem deutschen „Sommermärchen“ 2006. Fans aus der ganzen Welt in ihren bunten Trikots, Flaggen und sonstigen Fanutensilien haben St. Petersburg in eine bunte Stadt verwandelt.

Ausgelassene Stimmung – hier der Auftritt einer Folkloregruppe – in den Straßen von St. Petersburg. | Foto: Keilholz2018/07/Fussball-WM-Keilholz-russische-Fans.jpg

Die Menschen sind alle sehr freundlich und ehrlich bemüht, auch bei Sprachbarrieren weiterzuhelfen. Deutsch sprechen die wenigsten, aber mit meinem „Schulenglisch“ komme ich ganz gut durch. Eine Fahrt mit der Metro kostet 45 Rubel; umgerechnet 70 Cent. An allen Metrostationen sind die Ein- und Ausgänge mit Absperrungen strikt voneinander getrennt. Ist man mal in einer Richtung unterwegs, gibt es kein Zurück.

Von St. Petersburg folgt noch ein Abstecher in die 715 Kilometer entfernte Hauptstadt Moskau, in der rund 12,5 Millionen Menschen leben. Der Hochgeschwindigkeitszug Sapsan rast mit bis zu 220 km/h durch die Weiten Russlands, um nach weniger als vier Stunden pünktlich in Moskau anzukommen. Mein erster Eindruck, als wir uns der russischen Hauptstadt nähern, sind die unzähligen Hochhaussiedlungen in unvorstellbarer Größe. Moskau ist auch, was die Regierungsgebäude, den Kreml, die Duma (Parlament) und weitere betrifft, gigantisch. Das Endspiel steigt hier am Sonntag im Luschniki-Stadion.“

N-Land Manfred Keilholz
Manfred Keilholz