Vor 25 Jahren starb ein Winkelhaider an der S2-Strecke

Tödlicher Stromschlag am Bahnsteig

25 Jahre nach der Eröffnung ist die S2 aus dem ÖPNV nicht mehr wegzudenken und damals wie heute eine umweltfreundliche Alternative zum Auto. Und ab kommendem Jahr soll die Bahn nicht mehr, wie seit 25 Jahren, alle 40 Minuten, sondern im 20-Minuten-Takt fahren.Tod durch 15 000 Volt: So titelte der Bote vor 25 Jahren. | Foto: Geist2017/11/Feucht-S-Bahn-Unfall.jpg

FEUCHT – Seit 25 Jahren existiert die direkte Bahnverbindung der S2 von Altdorf nach Nürnberg. Im November 1992 hatte die neue Bahn ihre Jungfernfahrt, die die Bürger mit großen Festen zelebriert haben. Doch ein tödlicher Unfall am Winkelhaider Bahngleis überschattete die Festlichkeiten.

Bewohner aus Altdorf, Winkelhaid oder Feucht mussten vor der Eröffnung der neuen Bahnstrecke entweder mit dem Auto oder dem Bus nach Nürnberg fahren. Ab dem 21. November 1992 sollte sich das ändern. Nach fünf Jahren Bauzeit und 500 Millionen D-Mark war die fast 25 Kilometer lange Strecke fertig. Für den Bau benötigte man 66.000 Meter Schienen, 130.000 Tonnen Schotter, außerdem mussten 16 neue Brücken gebaut werden.

30.000 Fahrgäste pro Tag

Die neue elektrisch betriebene S-Bahn, die die alte Lokalbahn von Feucht nach Altdorf ersetzten sollte, bekam viel Zuspruch: Nachdem der Altdorfer Bürgermeister Graefenhain schon im Jahr 1852 den König um eine Eisenbahn nach Nürnberg gebeten hatte, bekamen die Bürger 140 Jahre später endlich ihre Bahnverbindung. Die war auch dringend nötig, denn die Bundesbahn rechnete mit über 30.000 Fahrgästen pro Tag. Die knapp 30-minütige Fahrt der S2 nach Nürnberg kostete vor 25 Jahren gerade einmal 6,60 D-Mark; heute ist der Preis mit 5,75 Euro fast doppelt so hoch.

Festzelte an jedem Halt

Das Jahrhundertereignis des örtlichen Nahverkehrs gab allen Bürgern Anlass zu feiern. So wurde die Eröffnungsfahrt zu einem Spektakel mit Festzelten an fast jeder Haltestelle. Am 21. November fuhr die Bahn pünktlich um 10.15 Uhr ihre ersten Meter aus dem Altdorfer Bahnhof. Der damalige Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Peter Schönlein setzte den Startschuss der S-Bahn, stilecht mit roter Schaffnermütze und Trillerpfeife. Doch so euphorisch und ausgelassen die Festlichkeiten auch waren, der tödliche Unfall von Siegfried O. überschattete diese.

Tödlicher Unfall beim Abbau

Am 24. November, drei Tage nach der Einweihung der Bahnstrecke, arbeitete Siegfried O. vom Bauhof zusammen mit seinen Kollegen an der Beseitigung der letzten Spuren des Festes am Winkelhaider Bahnhof. Beim Abbau der Fahnenstangen löste sich eine der Aluminiumstangen aus der Verankerung. Als der 38-jährige Siegfried O. den Fall des Mastes verhindern wollte, geriet die Spitze der Stange an eine der Bahnoberleitungen. 15.000 Volt durchströmten seinen Körper. Der Arbeiter geriet sofort in Brand und war augenblicklich tot. Unverzüglich alarmierten seine Kollegen den Notruf, jedoch für Siegfried O. kam jede Hilfe zu spät.

Robin Walter

N-Land Der Bote
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