Jahresempfang der Gemeinde Winkelhaid

Reich an Engagement

Im Mittelpunkt des Jahresempfangs in Winkelhaid: Die Geehrten, die stolz auf ihre Leistungen sein können. | Foto: Hornung2017/03/Winkelhaid-Jahresempfang-2017.jpg

WINKELHAID – Im Mittelpunkt des traditionellen Jahresempfangs der Gemeinde Winkelhaid standen Menschen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich in Gemeinde und Landkreis einbringen. Ihre Geschichten bildeten den bewegenden und spannenden Höhepunkt des Abends.

Winkelhaid ist eine reiche Gemeinde, denn sie ist reich an Engagement“, waren sich Landrat Armin Kroder und Bürgermeister Michael Schmidt einig. Kroder freute sich, dass er wieder eingeladen war, denn beim Jahresempfang erfahre man, was sich in Gemeinde und Landkreis tut. Von diesem vielgestaltigen und wertvollen ehrenamtlichen Engagement erzählte Bürgermeister Schmidt in seiner Laudatio.

Die erste Geschichte handelt von Mut und Herzlichkeit, von Lebensqualität und Selbstbestimmung. Sie spielt in einem Bereich des Lebens, den viele Menschen gerne so lange wie möglich fern von sich halten. Nicht so Hildburg Müller. Seit 1999 engagiert Müller sich als Besuchsdienst und Sterbebegleiterin im „Hospizverein Rummelsberg“. Wöchentlich besucht sie schwerstkranke und sterbende Menschen und spendet mit viel Empathie und Einfühlungsvermögen Nähe und Trost. „Sterben gehört zum Leben dazu“, dieser Satz klinge einfach und sei doch so schwer zu praktizieren, gab Bürgermeister Schmidt zu bedenken. Müller lässt kranke Menschen nicht allein. Sie gehöre zu denjenigen, die im Stillen wirken und dabei eine echte Kraftquelle sind.

Sicherheit im Verkehr

Von einem zur Bildung berufenen Polizeibeamten handelt die zweite Geschichte. Unzähligen Kindern brachte Hauptkommissar Günter Lugert sicheres Verhalten im Verkehr näher. Seit 1978 ist Lugert bei der Altdorfer Polizei und übernahm seit 1998 den Verkehrsbereich. Sein Name ist untrennbar mit dem Verkehrsübungsplatz in Altdorf verbunden, der letztes Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feierte. 15.000 Kinder haben dort seit 1986 ihre Radfahr-Ausbildung durchlaufen. Auch für die Ausbildung der Schulweghelfer der Gemeinde war der Verkehrswachtler Lugert zuständig. „Es war immer eine hervorragende und freundschaftliche Zusammenarbeit“, resümiert Schmidt. Daran, dass Lugert sich vor einigen Wochen in den verdienten Ruhestand verabschiedete, müsse er sich noch gewöhnen.

Einer jener Schulweghelfer ist der Geehrte Kurt Munker. 15 Jahre lang stand Munker jeden Morgen eines Schultags bei jedem Wetter für die Sicherheit von Schülerinnen und Schülern bereit. Wo Schulweghelfer im Einsatz sind, kommen Kinder sicher zur Schule und sicher nach Hause. „Besonders lobenswert ist dieses Engagement, wenn die eigenen Kinder schon seit Jahren aus der Schule heraus sind“, sagte Schmidt. Wer Munker kennt, weiß dass er nicht nur als Lotse, sondern auch in vielen anderen Bereichen aktiv ist, etwa bei der Freiwilligen Feuerwehr. Zum Jahresende 2016 beendete er seine Tätigkeit als Schulweghelfer. Sicher werden viele Menschen den Sichernden in der Früh an „seinem Straßenübergang“ vermissen.

Gleich drei Geehrte bat Bürgermeister Schmidt im Anschluss nach vorne. Ihre Geschichte handelt von der gemeinsamen Lust am Singen und der Hingabe an einen Verein, der eine Institution in Winkelhaid war. Stellvertretend für die Damen und Herren des Gesangvereins Liederkranz nahmen die erste Vorsitzende Ingrid Schad, Chorleiterin Ingrid Spratek und Marga Schäfer, Managerin und guter Geist des Vereins, Glückwünsche entgegen. Entschuldigt waren die zweite Vorsitzende Inge Traum und Gisella Brandes, die stets ihre Scheune für Feste zur Verfügung stellte.

Eine über 100 Jahre währende Ära geht mit der Auflösung des Liederkranzes zu Ende. Wie viele Gesangvereine litt er unter Nachwuchsmangel. Bürgermeister Schmidt dankte für die musikalische Unterstützung zahlreicher Veranstaltungen von Bürgerfest bis Christkindlesmarkt. Der Dreigesang, der auch beim Jahresempfang zu hören war, bleibt weiterhin bestehen.

Alles hat seine Zeit

Die nächste Geschichte handelt von Zeit, einer fröhlichen Zeit – genau genommen der „fröhlichen Kinderstunde“, die Gerlinde Burkhardt in Ungelstetten organisierte. 110 Kinder besuchten die Kinderstunde in den vergangenen 20 Jahren. Es war eine spaßige Zeit, aber auch eine Zeit tiefgründiger Gespräche. Aber, so kommentierte Burkhardt selbst ihre Entscheidung aufzuhören: „Alles hat seine Zeit.“ Für Burkhardt ist es nach zwanzig Jahren nun an der Zeit aufzuhören. Schmidt dankte ihre für ihr wertvolles Engagement, auf das sie stolz sein könne. Alle Kinder seien in ihrer Unterschiedlichkeit willkommen gewesen und ernst genommen worden.

Noch nicht ans Aufhören denkt die abschließend Geehrte dieses Abends und das dürfte zahlreiche Radler, vor allem aber eine Stiftung und unzählige kranke Kinder freuen. Um das Engagement der Hildegard Betscher nachvollziehen zu können, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte ihres Wirkens. Gemeinsam mit ihrem Mann Harald Betscher organisiert sie seit 1999 die jährlich stattfindenden Radtouren der International Police Association (IPA), deren Erlöse für verschiedene gute Zwecke und seit 2010 der Isabell-Zachert-Stiftung zu Gute kommen. Die Zachert-Stiftung unterstützt das „Waldpiratencamp“ bei Heidelberg, in dem sich krebskranke Kinder erholen können. Mit 350.000 Euro konnte die Stiftung die Camps dank IPA-Radtouren seit 2010 unterstützen. Ob sie nicht Interesse an einer Tätigkeit in der Kämmerei der Gemeinde habe, fragte Schmidt mit einem Augenzwinkern. In Winkelhaid engagiert sich Betscher als „Allroundkraft“ in der Mediathek, wo sie zudem einmal monatlich eine Bastel- und Vorlesestunde organisiert, zu der mittlerweile 30 Kinder kommen. Für ihre Leistungen erhielt Betscher im Februar das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten, die höchste Auszeichnung für Verdienste im Ehrenamt.

Ein zünftiges Essen bot Gelegenheit sich über die tollen Verdienste auszutauschen. Auffallend in diesem Jahr war die hohe Frauenquote im Kreise der Geehrten. Umso deplatzierter wirkte die Liedauswahl des Dreigesangs. Sicher gut gemeint, lösten die eigenwilligen Texte, zumal einen Tag nach dem Weltfrauentag, doch eher betretene Blicke aus.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung