Raiba-Weihnachten

Neuer Treffpunkt für Alleinerziehende in Feucht

Einzelkämpfer beim Organisieren des Familienalltags

Larissa und Liane Krause (2.u.3.v.l.) wurden im Ernestine-Melzer-Haus für 10- und 20-jährige Tätigkeit für das Diakonische Werk Nürnberger Land/Neumarkt ausgezeichnet, links dessen Vorsitzender Detlef Edelmann, neben Liane Krause der Winkelhaider Bürgermeister Michael Schmidt, die Ehrenamtskoordinatorin des Diakonischen Werks, Babette Brokmeier, Landrat Armin Kroder und Pfarrer Roland Thie. | Foto: Blinten2017/10/Alleinerziehende1.jpg

FEUCHT – Seit über 20 Jahren gibt es nun den Treffpunkt für Alleinerziehende im Nürnberger Land, neuerdings im Ernestine-Melzer-Haus in Feucht, nachdem die Gruppe aus Platzgründen ihren Stützpunkt im Winkelhaider Kindergarten aufgeben musste. Zeit also für die Verantwortlichen, zu einer Feier einzuladen und Rückschau zu halten, was man gemeinsam in den vergangenen Jahrzehnten erreicht hat.

Die Verantwortlichen – das sind zuerst einmal Liane Krause und Cornelie Fritz, die mit kurzen Unterbrechungen seit 1995 dabei sind, als der Treffpunkt in Altdorf gegründet wurde. Damals wie heute sind Schwierigkeiten mit Arbeitgebern, Probleme bei der Wohnungssuche oder die dringende Suche nach Kinderbetreuung einige der Motive für alleinerziehende Mütter, sich zu treffen und auszutauschen.

Forderung an Arbeitgeber

Die mit der Erziehung ihrer Kinder allein stehenden Mütter wollen nicht bedauert werden, stellte Liane Krause fest, sie haben aber ein Anrecht auf Respekt für die Leistung, die sie erbringen. Wer heutzutage Kinder ohne einen Partner erzieht, ist froh, wenn er einen verständnisvollen Arbeitgeber hat, der umsichtig reagiert, wenn ein Kind einmal krank wird und nicht umgehend eine Betreuung organisiert werden kann. Eine alleinerziehende Mutter ist auch froh, wenn sie beim Gang aufs Rathaus auf Mitarbeiter trifft, die sie nicht von oben herab behandeln, sondern offen und freundlich. „Damit ich mich nicht wie eine Bittstellerin fühlen muss“, wie es eine betroffene Mutter im Ernestine-Melzer-Haus formulierte.

Alleinerziehende wollen auch deshalb nicht bedauert werden, weil ihr Status ja auch Vorteile hat. So können sie alle Entscheidungen alleine treffen, ohne sich mit einem Partner abstimmen zu müssen. Ob diese Vorteile freilich am Ende die Probleme aufwiegen, die der Mangel an Unterstützung im Familienalltag mit sich bringt, muss jeder für sich entscheiden.

Ein Quälgeist

Liane Krause beschreibt sich selbst als Quälgeist im Umgang mit Behörden. Das griff Landrat Armin Kroder auf: „In diesem Fall sind wir für die Quälerei ja dankbar.“ Alleinerziehende müssen nach Kroders Überzeugung alle Unterstützung bekommen, die möglich ist – auch vor dem Hintergrund, dass inzwischen jede fünfte Familie in Deutschland eine Familie mit nur noch einem Elternteil ist. Es gibt bundesweit 1,5 Millionen alleinerziehende Mütter und 180 000 alleinerziehende Väter. Zahlen für den Landkreis Nürnberger Land liegen derzeit nicht vor.

Als Chef des Landratsamts versicherte Kroder, dass alleinzerziehende Mütter selbstverständlich nicht als Bittstellerinnen in die Behörde kommen dürfen. Außerdem betont der Landkreischef, dass das Landratsamt beim Umgang mit Mitarbeitern, deren Kinder krank werden, immer fair und angemessen reagiere.

Dem schloss sich Winkelhaids Bürgermeister Michael Schmidt an. Die Ämter seien immer um einen offenen und fairen Umgang mit den Bürgern bemüht, bei diesen dürfe nie der Eindruck entstehen, dass sie als Bittsteller ins Rathaus kommen müssten. Hausherr im Ernestine-Melzer-Haus ist Pfarrer Roland Thie. „Wir haben unsere Räume gerne zur Verfügung gestellt, nachdem im Winkelhaider Kindergarten kein Platz mehr war“, betont er.

zwangloses Zusammenkommen

Nachdem das Ernestine-Melzer-Haus ein Haus für Familien ist, passe der monatliche Treffpunkt für Alleinerziehende „wunderbar ins Portfolio“, sagt der Feuchter Pfarrer.

Liane Krause und Cornelie Fritz ist es über die vergangenen Jahrzehnte gelungen, den Treffpunkt für Alleinerziehende immer weiter zu entwickeln – von einem zunächst zwanglosen Zusammenkommen mit gemeinsamen Kaffeetrinken bis zum strukturierten Treff mit Kinderbetreuung, angebotenen Büchern zu mannigfaltigen Themen, aktuellen Informationen, Workshops und regelmäßigen Vorträgen von kompetenten Fachleuten.

Einen Fachvortrag im Ernestine-Melzer-Haus über das Thema Alleinerziehende hielt Ulrike Frings, die Leiterin der Erziehungs- und Jugendberatungsstelle im Nürnberger Land. Die typische Familie, in der der Vater arbeitet und die Mutter sich daheim um die Kinder kümmert, gibt es noch, aber lange nicht mehr so häufig wie noch in den 70er oder 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Was brauchen Kinder am nötigsten?

Was brauchen eigentlich Kinder am nötigsten, wenn sie nur von Papa oder Mama erzogen werden? Kinder brauchen beide Eltern, darüber müssen sich Väter und Mütter klar sein, sie müssen klare Absprachen treffen und dürfen Kinder nie in ihre Konflikte hineinziehen, erläutert Frings. Wenn der Umgang mit den Kindern offen und in gegenseitigem Einverständnis geregelt ist, gibt es keine Probleme. Kinder leiden aber, so Frings, wenn sie spüren, dass die Eltern über den Umgang mit ihnen streiten.

Die Trägerschaft über den Alleinerziehendentreff im Nürnberger Land, der zwischenzeitlich um einen Stützpunkt in Lauf erweitert wurde, hat das Diakonische Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt, dessen Ehrenamtskoordinatorin Babette Brokmeier Liane Krause und deren Tocher Larissa für 20-jährige und 10-jährige Mitarbeit auszeichnete.

Unter den Gästen waren auch Barbara Christian, Geschäftsführerin der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für alleinerziehende Mütter und Väter, und Detlef Edelmann, Vorsitzender der Diakonie Nürnberger Land/Neumarkt.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten