Adveo schließt Standort Winkelhaid

61 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz

Für die Halle in Winkelhaid muss ein Nachmieter gefunden werden. Der Mietvertrag läuft noch bis 2021. Seinen hiesigen Standort will Adveo noch in diesem Jahr aufgeben. | Foto: Hornung2018/02/Winkelhaid-Adveo.jpg

WINKELHAID – Jetzt ist es offiziell: Der Großhändler für Bürobedarf, Adveo, schließt seinen Logistikstandort in Winkelhaid. Die Schließung, durch die 61 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, soll noch in der ersten Jahreshälfte erfolgen.

„Wird endlich gut“, so endet doch eigentlich das Sprüchlein von gewissen Dingen, die lange währen. Nicht aber im Fall Adveo: 2014 schien es schon einmal so weit, als sollte der Winkelhaider Standort des Unternehmens geschlossen werden.

Seit Herbst letzten Jahres kursieren wieder Gerüchte. Es gibt keine Vertragsverlängerungen und Neueinstellungen mehr und kurz vor Weihnachten kein Weihnachtsgeld. Am Montag teilt die Geschäftsführung schließlich ihren Entschluss mit, den Standort Winkelhaid aufzugeben, und liefert den 61 Mitarbeitern damit traurige Gewissheit.

Schritt zur Effizienzsteigerung

2014 sah es schon einmal so aus, als ob Adveo den hiesigen Standort mit dem zweiten deutschen Standort in Sehnde-Höver bei Hannover zusammenlegt. Damals hat das Unternehmen davon abgesehen. Eine Überprüfung der Logistikabläufe in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut hatte ergeben, dass Höver zum damaligen Zeitpunkt die Ansprüche nicht hätte erfüllen können (wir berichteten).

Dieses mal scheinen die Dinge anders zu liegen. Seine deutschen Logistikaktivitäten will das Unternehmen nun in Niedersachsen konzentrieren. Von der Schließung des Winkelhaider Lagers erwartet sich Adveo – ein börsennotierter Konzern mit Hauptsitz im spanischen Madrid – eine bessere Nutzung von Synergien und eine der Marktentwicklung angepasste Organisationsstruktur.

Die Schließung sei ein Schritt vorwärts im Prozess zur Effizienzsteigerung, und aus wirtschaftlichen, produktiven und organisatorischen Gründen gerechtfertigt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Belegschaft schrumpft

Diesen Montag informiert Adveo den Betriebsrat. Eine halbe Stunde später treten der neue Geschäftsführer in Deutschland Sven Pelka und Personalchef Christian Gläser vor die Belegschaft. Die ist im vergangenen halben Jahr um rund ein Viertel, von 81 auf 61, geschrumpft. Seit geraumer Zeit schon hat das Unternehmen befristete Verträge auslaufen lassen und keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt. Andere ehemals Angestellte haben sich bereits nach einer anderen Stelle umgesehen und Adveo den Rücken zugekehrt.

Kurz vor Weihnachten wollte sich die Geschäftsführung noch nicht offiziell äußern, obwohl ein internes Dokument und verschiedene Aussagen mehr als eindeutig waren (wir berichteten): „From 2 to 1 warehouse“ und „Close Winkelhaid asap“ steht im Kosteneffizienzplan für Adveo Deutschland, der unserer Redaktion vorliegt. Der Belegschaft in Winkelhaid suggerierte Adveo damals noch etwas völlig anderes.

Gratifikation ausgesetzt

Einen Tag bevor das Weihnachtsgeld hätte ausgezahlt werden sollen, erfuhren die Mitarbeiter, dass die Gratifikation in diesem Jahr ausgesetzt werde. Adveo Deutschland durchlaufe „eine sehr schwierige finanzielle und wirtschaftliche Phase“. Man werde deshalb die Auszahlung des Weihnachtsgeldes auf Mitte nächsten Jahres verschieben, hieß es in einem Schreiben an die Mitarbeiter.

Mitte des Jahres: Ob Adveo dann noch Mitarbeiter in Winkelhaid beschäftigt, ist unklar. Ein Datum für die Betriebsschließung hat Pelka bei seinem Besuch in Winkelhaid nicht genannt.

Sozialplan wird ausgehandelt

In der Pressemeldung steht das erste Halbjahr als Zeitraum. Einige Mitarbeiter haben aufgrund ihrer langjährigen Betriebszugehörigkeit jedoch Kündigungsfristen von sechs oder sieben Monaten. Eine Lösung für diesen Widerspruch wird der Betriebsrat in den kommenden Wochen mit den Anwälten des Unternehmens aushandeln müssen. Ebenso wie den Sozialplan, der die Details der Schließung festlegt. Zu klären sein wird auch, ob die Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden.

Adveo baut derzeit auch in anderen Ländern seine Logistikstrukturen um: Zuletzt hat das Unternehmen in Italien und Spanien seinen Lagerbetrieb an externe Firmen ausgelagert. In Frankreich hat der Großhändler sein Lager jüngst für acht Millionen Euro an den Logistikdienstleister Idi Gazeley verkauft.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung