Handaufzucht nur im Notfall

Wie Gartenbesitzer Igel unterstützen können

Dieses Igelbaby hat PZ-Mitarbeiter Daniel Decombe in seinem Garten in Beerbach fotografiert. Eine Igelmutter und ihre Jungen kommen regelmäßig zur Nahrungssuche vorbei und vertilgen schon mal ein liegengebliebenes Ei aus dem Hühnerstall, wie er berichtet. | Foto: Decombe2018/09/babyigel-beerbach-kugelDaniel-Decombe6.jpg

NÜRNBERGER LAND — Im Spätsommer und Herbst streifen durch viele Gärten im Nürnberger Land wieder die Igelmütter auf der Suche nach Nahrung für ihren Nachwuchs. Die lange Trockenperiode im Sommer hat den kleinen Säugetieren besonders zugesetzt und ihre Futtersuche erschwert. Auf was Gartenbesitzer jetzt achten sollten und wie sie den Igeln helfen können, erklärt Martina Gehret, die Igelexpertin des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) Bayern.

Die meisten Igelkinder werden im Spätsommer, im August und September, geboren. Nach 35 Tagen Tragzeit bringt eine Igelmutter im Schnitt vier bis sechs Säuglinge mit gerade mal zwölf Gramm Körpergewicht zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Leichtgewichte noch blind und taub und werden von der Mutter beschützt und gesäugt.

„Die Entwicklung der Igelbabys kostet die Igelmutter viel Kraft“, so Gehret. Ständig sind die Jungen auf der Suche nach den Zitzen der Mutter und wollen gesäugt werden. Auch die Igelmutter hat während der Jungenaufzucht einen riesigen Hunger und geht nachts selbst auf Beutefang.

Der Regen der vergangenen Tage kommt ihnen dabei höchst gelegen. Denn die lange Trockenperiode im Sommer hat den Tieren die Nahrungssuche schwer gemacht. So mangelte es nicht nur an Wasser, sondern auch an kleinen Tierchen am Boden und Würmern, der bevorzugten Nahrung der stacheligen Säuger. Denn Regenwurm und Co. verzogen sich in tiefere und feuchtere Erdschichten und der Boden war und ist teils immer noch zu hart, um nach Nahrung zu scharren. Und so müssen die Igelmütter oft weite Strecken laufen, um ihren Durst zu stillen, die Babys zu versorgen und sich nebenbei noch den dringend nötigen Speck für den Winterschlaf anzufuttern.

Wasser und Futter für die Igel

Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, den Igelmüttern im heimischen Garten zu helfen, rät die Igelexpertin. So können Gartenbesitzer zum Beispiel frisches Wasser in einer flachen Schüssel bereitstellen und kurzfristig auch Futter. Geeignet sind zum Beispiel Katzenfutter, aber auch ein gekochtes Ei oder angebratenes, ungewürztes und ungesalzenes Hackfleisch. Ist der Igel sehr geschwächt, kann man ihm mit einer Einweg­spritze (ohne Nadel) warmes Wasser, Fenchel- oder Kamillentee ins Maul tröpfeln. Offensichtlich kranke Tiere sollten aber sofort zu einem Tierarzt gebracht werden.

Eine weitere Gefahr für die Tiere ist die Gartenarbeit der Menschen, bei der immer wieder Igelnester zerstört werden. Dann flüchtet die Mutter oft und kehrt später zurück, um ihren Nachwuchs umzuquartieren.

Wer also ein Nest mit Igelbabys aber ohne Mutter entdeckt, braucht sich noch lange keine Sorgen machen, wie Gehret betont. „Es gibt viele Gründe, warum eine Igelmutter das Nest verlässt. So lässt sie beispielsweise ihre Jungen im geschützten Nest zurück, solange sie auf Nahrungssuche geht“, weiß die Expertin. „Wichtig ist nur, zu wissen, wann ein Nest wirklich verlassen ist“.

Frisch geborene Igelkinder können ohne Probleme zwei Stunden ohne Mutter überstehen, ältere kommen sogar sechs Stunden ohne Nahrung aus. Erst wenn die Mutter nach dieser Zeit nicht zurückkommt, gelten die Igelkinder als verwaist und brauchen Schutz, Wärme und Nahrung sowie eine artgerechte Versorgung.

Die Aufzucht verwaister Igelsäuglinge ist allerdings ein 24-Stunden-Job und sehr anstrengend. Niemand kann das besser als die Igelmama. Die Aufzucht sollte daher nur übernommen werden, wenn definitiv feststeht, dass die Mutter nicht zurückkommt. „Am besten wendet man sich an einen Tierarzt oder eine Igelstation“, empfiehlt Gehret.

Mehr Info zur Aufzucht von Igelsäuglingen sind unter www.igel-in-bayern.de im Internet zu finden.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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