Kirchen kritisieren Asyldebatte

„Weder christlich noch sozial“

Oktober 2015: Flüchtlinge ziehen in eine Notunterkunft in einer früheren Schwaiger Druckerei ein.
Oktober 2015: Flüchtlinge ziehen in eine Notunterkunft in einer früheren Schwaiger Druckerei ein. | Foto: PZ-Archiv/Braun2015/09/asylbewerber_ankunft_notfallunterkunft_schwaig_01.jpg

NÜRNBERGER LAND — Mit deutlichen Worten kritisieren hochrangige Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen und Wohlfahrtsverbände im Nürnberger Land die Debatte um einen schärferen Kurs in der Asylpolitik. Sie sei „weder christlich noch sozial“.

Damit formulieren die Unterzeichner der Erklärung, die am Freitag als Leserbrief an die Zeitungsredaktionen im Landkreis versandt wurde, Kritik an der Position, die vor allem die CSU vertritt – auch wenn die Christsozialen allenfalls indirekt angesprochen werden. Man wolle „keine Parteipolitik“ betreiben, sondern den christlichen Standpunkt verdeutlichen, sagt Caritasvorstand Michael Groß im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung.

Er, sein Diakonie-Kollege Detlef Edelmann, Stefan Alexander, der katholische Dekan aus Lauf, und die evangelischen Dekane Werner Thiessen (Hersbruck) und Jörg Breu (Altdorf) lehnen insbesondere den von Innenminister Horst Seehofer vorangetriebenen Plan ab, Asylbewerber in sogenannten Ankerzentren unterzubringen. Deutsche Geschichte und Christsein seien eine Verpflichtung dazu, „keine Lager mehr einzurichten“, so die Unterzeichner.

„Wehret den Anfängen“

Das sei ausdrücklich kein Vergleich mit den NS-Konzentrationslagern, sagt Groß, es sei vielmehr als Warnung gedacht: „Wehret den Anfängen!“ Für ihn und seine Mitstreiter sei der Punkt gekommen, an dem Schweigen keine Option mehr sei, „denn wir sehen uns als Christen gefordert“.

2018/06/Bildschirmfoto-2018-06-22-um-22.44.46.png

Die Asyldebatte, heißt es in der Erklärung, sei durch eine „erschreckende Verrohung der Sprache“ geprägt, asyl- und damit hilfesuchende Menschen würden „grundsätzlich als Schmarotzer, potentielle Kriminelle und Terroristen dargestellt“. Statt sachlichen Argumenten dominiere inzwischen populistischer Stimmenfang. „Da wird vieles vermischt“, sagt auch der Laufer Dekan Stefan Alexander.

Ehrenamtliche sind frustriert

Caritas und Diakonie, die gemeinsam die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit im Nürnberger Land leisten, spürten das veränderte Klima genauso wie die vielen Ehrenamtlichen. Groß: „Die Zahl der Helfer geht zurück, die Motivationslage wird immer schlechter.“ Das habe unter anderem mit Fällen zu tun, in denen „zwar Integrationsarbeit geleistet wurde, dann aber trotzdem abgeschoben wird“.

Von der Politik wünschen sich die Kirchenvertreter eine ehrliche Debatte um das richtige Maß an Migration und entsprechend klare Regelungen, vor allem aber eine „humane Sprache“. Caritasvorstand Groß: „Wer das Kreuz vor sich herträgt, von dem erwarten wir auch inhaltlich eine christliche Politik.“

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel