Umgangsformen für ein besseres Miteinander

Was Höflichkeit mit Bruce Springsteens nächstem Song zu tun hat

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Einer der großen Hits von Bruce Springsteen war der Hit „Glory Days“ (ruhmreiche Tage) in den 1980er-Jahren. Darin singt „The Boss“ unter anderem von einem Mann, der während der Highschool ein fantastischer Baseballspieler war und jetzt nur noch von den guten alten Zeiten in Erinnerungen schwelgt.
Wer kennt das nicht: Da erzählen ältere Menschen von früher, und der jüngere Zuhörer rollt innerlich die Augen. Warum? Nur weil die Geschichten nicht gestern passiert sind, sollen sie weniger spannend sein? Oder andersherum: Sind die aktuellen Geschehnisse wichtiger, spannender, überlegener als die von damals? Obschon: War es damals wirklich besser, wie es oft heißt? Wie fast immer kann hier ein Dialog helfen, dass sich Alt und Jung wörtlich besser verstehen. Wer sich Zeit nimmt und den Senioren zuhört, bekommt dabei oft fantastische geschichtliche Schätze mit auf den Weg, die, nicht erzählt, irgendwann für immer vergraben sein werden.
Neben der inneren Haltung, für andere (Geschichten) offen zu sein, unterstützen auch Werte wie Höflichkeit und Wertschätzung ein harmonisches Miteinander. Beim Stichwort Höflichkeit kommt um diesen Herrn hier keiner herum: Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge. Auch wenn er für die Benimmregeln gar nicht zuständig war, vermuten ihn die meisten Menschen als deren Urheber. Wer auch immer dahintersteckt: Rufen wir uns ein paar Umgangsformen ins Gedächtnis. Wer in einen Raum oder Fahrstuhl kommt, grüßt. Ebenso derjenige, der den anderen zuerst sieht. Bei der Wahl der Begrüßung wie Hand geben oder Umarmung sieht es anders aus; hier entscheidet der Ranghöhere, also der Ältere oder im Berufsleben der Vorgesetzte, wie die Begrüßung erfolgt.
Und wie ist das mit dem Aufstehen im Bus? Hier sagt die alte Schule der Höflichkeit: Den eigenen Platz anbieten, wenn die Situation es verlangt. Das muss nicht zwangsläufig mit dem Alter des anderen zu tun haben, sondern auch eine schwangere Frau kann sich über die Sitzgelegenheit freuen oder ein 20-Jähriger mit Krücken. Empathie hilft bei der Vorgehensweise. Sieht derjenige so aus, als ob er einen Sitzplatz brauchen könnte? Wenn er sich fit genug zum Stehen fühlt, muss der Gefragte es ja nicht annehmen – Hauptsache, die Entscheidung wird ihm überlassen. Das Angebot kann dabei altersunabhängig formuliert werden, so dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt; zum Beispiel: „Ich sehe, Sie haben viele Einkaufstaschen. Darf ich Ihnen meinen Platz anbieten?“
Und wenn wir alle wieder höflicher und respektvoller miteinander umgehen, braucht auch keiner mehr die „Glory Days“ von damals zu romantisieren, sondern Bruce Springsteen singt dann vielleicht von „Young and Old happy together“ (Jung und Alt glücklich vereint).

„Well time slips away and leaves you with nothing Mister but boring Stories of glory Days.“
(Nun, die Zeit verrinnt und lässt dich mit nichts zurück, mein Lieber, als mit langweiligen Geschichten von ruhmreichen Tagen.)
Aus „Glory Days“, Bruce Springsteen

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin