Biotop im Baugebiet

Warten auf das Gutachten

Bereits im Sommer formierte sich Protest gegen das geplante Baugebiet. Bürger fürchten um das Biotop und den alten Baumbestand auf dem 11 000 Quadratmeter großen Areal. | Foto: Spandler2018/01/lindelburg-biotop.jpg

LINDELBURG – Obwohl Bürgermeister Bernd Ernstberger zu Beginn der Januar-Sitzung des Gemeinderats erläuterte, dass Wortmeldungen von Zuhörern zu laufenden Diskussionen der Tagesordnung nicht zugelassen sind, erlaubte er dieses Mal dennoch Anregungen und Nachfragen zum Thema Bebauungsplan Lindelburg Süd, der Wohnbebauung auf dem Areal vorsieht.

Im Rahmen des Aufstellungsverfahrens zu diesem Bebauungsplan hat die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und sonstiger Träger öffentlicher Belange stattgefunden. Da aber ein Gutachten zur speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung mit Bodenuntersuchung noch aussteht, das sich auf das Biotop auf den betreffenden 11 000 Quadratmetern bezieht, schlug der Bürgermeister vor, die Stellungnahmen der Behörden erst dann zu behandeln, wenn die Unterlagen komplett sind. Mehrheitlich entschieden sich die Gemeinderäte für diesen Weg.

Zur Vorgeschichte: In Lindelburg wurden im vergangenen Sommer Unterschriften gegen das Baugebiet gesammelt, unter anderem weil sich auf dem Grundstück an der Brunnenstraße im Oberdorf ein Biotop befindet. Der Verdacht wurde laut, die Bürger und auch die Gemeinderäte seien von der Verwaltung und dem Planungsbüro bewusst getäuscht und über die Existenz des Biotops im Unklaren gelassen worden. Außerdem befürchtet man eine zu massive Bebauung und Verkehrsprobleme. Bürgermeister Ernstberger setzte sich zur Wehr und versicherte, dass noch nichts entschieden sei. Außerdem könnten auch Biotope in einem Bebauungsplan enthalten sein. Unterstützung erhielten die Anlieger auch vom Bund Naturschutz.

Helga Schiel (Bündnis 90/Grüne) versicherte in der anschließenden kurzen Aussprache, dass der Plan nie so aufgestellt worden wäre, wenn man im Gemeinderat rechtzeitig erfahren hätte, dass sich auf dem Grund ein Biotop befindet. Ein Bürger wollte wissen, wieso denn dieses Gutachten überhaupt noch nötig sei, schließlich hätte sich doch auch die Untere Naturschutzbehörde gegen die Bebauung in der geplanten Form ausgesprochen, und ein anderer stellte fest, dass das Biotop schließlich kartiert sei.

In Kontakt mit Behörden

Der Bürgermeister erklärte, dass man mit der Unteren und auch der Höheren Naturschutzbehörde in Kontakt stehe und nun erst einmal sehen müsse, wie sich der Bereich entwickelt hat: „Es kann ja sein, dass das Biotop jetzt aus der Kartierung herausfällt oder aber sich auch vergrößert hat. Wir werden uns auf das Gutachten verlassen müssen.

Zur Sprache kam auch noch einmal die Pflegemaßnahme im Sommer. Da war die Wiese gemäht und gemulcht worden, widerrechtlich nach Ansicht der Bürger, zumindest mit einem viel zu schweren Fahrzeug, die Spuren könne man heute noch sehen. Zwei Mal im Jahr müsse das Areal gepflegt werden, so verlange das die Untere Naturschutzbehörde, konterte der Bürgermeister.

Bedenken des Bund Naturschutz

Die erste Vorsitzende des Bund Naturschutz, Ursula Siebenlist, äußerte ihre Bedenken, was eine Bebauung angeht, sollte das Biotop noch bestehen. Man müsse unbedingt einen gebührenden Abstand zwischen dem Rand des Biotops und den Wohnhäusern einhalten, mahnte sie, weil auch die Randzonen wichtig für den Erhalt der Arten sind.

Bürgermeister Ernstberger versicherte abschließend, man werde sich mit beiden Naturschutzbehörden zusammensetzen, wenn das Gutachten vorhanden ist. Außerdem verwies er auf die Bürgerversammlung in Lindelburg am Montag, 29. Januar, um 19.30 Uhr im Gasthaus „Zur Linde“.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler