„Lagrimosa beltà“ in Rückersdorf

Von der Schönheit der Tränen

Traumhaftes Duo: Kammersängerin Frances Pappas dringt in die Tiefen der Seele europäischer Lieder – begleitet von der kongenialen Gitarristin Laura Young. | Foto: Spieß2018/05/Lagrimosa-belta-Ausschnitt.jpg

RÜCKERSDORF — Ein feines Händchen hatte Hans von der Goltz, als er das Programm mit Frances Pappas und Laura Young besetzte. Mezzosopranistin Pappas und Gitarristin Young zelebrierten in Rückersdorf die innere Schönheit traditioneller südeuropäische Lieder in bezaubernd-lebendigen Arrangements.

Beide Künstlerinnen haben sich seit Jahren einen international renommierten Namen als Solistinnen gemacht, begeisterten aber auch als Duo unter anderem in Barcelona und Ottawa. Frances Pappas, Kanadierin griechischer Herkunft, feierte große Erfolge im klassischen Opern- und Konzertrepertoire, widmete sich aber stets auch der zeitgenössischen Musik, vor allem der südeuropäischen Volksmusik. Im Jahr 2008 wurde sie von der Bayerischen Staatsregierung zur Kammersängerin ernannt und ist seit 2010 festes Ensemblemitglied am Landestheater Salzburg.

Gitarristin Laura Young, Kanadierin mit irisch-russischen Wurzeln, war künstlerische Leiterin des Internationalen Amsterdamer Gitarrenfestivals, unterrichtete seit 2003 an der Escuela Superior de Musica en Catalunya in Barcelona und ist derzeit Professorin an der Universität Mozarteum in Salzburg.

Mit dem Duo „Lagrimosa Beltà“, dem Titel eines Liedes aus dem 17. Jahrhundert von Giovanni Felice Sances, machten sie, nach ihren eigenen Worten, einen gemeinsamen Traum wahr. Und lassen damit nicht nur Hildegard Knef, sondern sogar eherne algebraische Gesetzte ins Leere laufen: Denn eins und eins ergeben bei diesen Künstlerinnen eben weit mehr als zwei.

Ob bei griechischen Volksliedern in der modernen Bearbeitung von Stefan Hakenberg, ob mit anatolischen Weisen in der Klangsprache des Italieners Carlo Domeniconi oder bei den berühmten Freiheitsgesängen des großen Mikis Theodorakis – Pappas und Young sind die sprichwörtliche Symbiose von Stimme und Instrument. Dabei stehen sie auf dem Fundament der archaisch-ernsten Volksweisen vor allem mit den großen Themen Trauer und Verlust, beleben dies mit energiegeladenem, südlichen Temperament und zelebrieren dazu, immer fein abgestimmt, musikalisch-lebendige Avantgarde.

Leidenschaft und Anmut

Die unterschiedlichen Arrangements bewahren in ihrer Interpretation aber stets die innere Schönheit der Lieder und schaffen dabei ganz behutsam einen neuen musikalischen Kontext: Die tränenreiche Schönheit, so lautet übersetzt der Name des Duos, wird bei den ausdrucksstarken Künstlerinnen, ganz im Sinn der Romantik, auch zur Schönheit der Tränen.

Was beide ausmacht, ist ihre Leidenschaft, die stets im Vortrag präsent ist und dadurch eine Authentizität ausstrahlt, die das Publikum auf eine besondere Weise in seinen Bann zieht.

Das mag daran liegen, dass Pappas und Young zum einen auf hohem musikalischen Niveau unterwegs sind, zum anderen verbindet sie auch eine langjährige Leidenschaft für Folk-Melodien und deren Poesie.

Tiefe Empathie bestimmen die Lieder von Mikis Theodorakis, die Pappas, ganz in der Tradition der griechischen Sängerin Maria Farantouri, mit ihrem weichen, vollen Mezzosopran zum besonderen Erlebnis macht: Wunderbar elegisch und mit viel Sehnsucht in der Stimme das „Xamos apo agapi“.

Traurig-schön die jüdisch-iberischen Nummern und melancholisch-dramatisch die spanischen Titel, bei denen es dann auch einmal rhythmisch, flott und euphorisch wird.

Laura Young ist dabei eine kongeniale Gitarristin, die nicht nur mit beeindruckender Technik glänzt, sondern gerade mit ihrer sensiblen Zurückhaltung in den Übergängen der Sängerin Raum gibt.

Nach einem Ausflug in die Welt der Derwische und die orientalische, fremd anmutende Klangwelt Anatoliens mündet die Reise wieder voll Trauer, Verlust und Schmerz in der griechischen Heimat des Großvaters von Frances Pappas, die dieser verlassen musste: Theodorakis` Hymne an die Freiheit „To yelasto pädi“ setzt einen ergreifenden Schlusspunkt.

Für alle, die das Konzert verpasst haben: Hier gibt es einen kurzen Videozusammenschnitt des Konzertes in Barcelona.

N-Land Erich W. Spieß
Erich W. Spieß