Staupe-Fälle im Oberland

Virus breitet sich unter Füchsen aus

Symbolbild | Foto: GlobalP/Thinkstock2017/09/thinkstock-foto-fuchs-staupe.jpg

SIMMELSDORF — Spaziergänger und Anwohner haben in den vergangenen Wochen in mehreren Simmelsdorfer Ortsteilen sterbende oder bereits tote Füchse entdeckt. Inzwischen wurde an einem Kadaver das Staupevirus nachgewiesen, das auch ungeimpften Hunden gefährlich werden kann. Die Ursache für den Ausbruch ist unklar.

Acht oder neun Füchse hat der Tierarzt und Jagdpächter Ralph Faltenbacher inzwischen gezählt. Die sonst so menschenscheuen Tiere lagen tot beziehungsweise dem Tod nahe in Gärten und am Straßenrand. Die noch lebenden Füchse, so Faltenbacher, hätten zum Teil stark gezittert – Symptome, die das mit den menschlichen Masern verwandte Staupevirus auslösen kann. Es greift das Nervensystem, den Magen-Darm-Trakt und den Atmungsapparat an.

Zwei Kadaver hat Faltenbacher vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen untersuchen lassen. Nur in einem Fall liegt schon ein Ergebnis vor. Das Tier hatte neben dem Fuchsbandwurm nachweislich Staupe.

Die Gemeinde Simmelsdorf hat daraufhin eine Empfehlung für Hundehalter veröffentlicht: Sie sollen den Impfstatus ihrer Vierbeiner überprüfen und diese gegebenenfalls nicht frei herumlaufen lassen. Betroffen seien die Ortsteile Unterwindsberg, Oberndorf, Hüttenbach und Winterstein.

Durchfall und Erbrechen

„Grundsätzlich schützt eine Impfung“, sagt der Tierarzt. Bei der Kombinationsimpfung, die Welpen erhalten, sei Staupe dabei. Allerdings, so Faltenbacher, gebe es auch unter den Hundehaltern zunehmend mehr Impfgegner. Ungeimpfte Hunde jedoch können sich über Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Blut anstecken. Erste Anzeichen einer Erkrankung können Durchfall und Erbrechen sein. Faltenbacher: „Da denkt man normalerweise erst sehr spät an Staupe.“

Für den Menschen kann das Virus – trotz Verwandtschaft mit den Masern – nicht gefährlich werden. Zumindest ist laut Forschern der Uni Würzburg bisher kein einziger Fall einer solchen Infektion bekannt.
Die Ursache des Staupe-Ausbruchs im Oberland ist ungeklärt. Zuletzt gab es Berichte darüber, dass das Virus mit Zuchthunden aus Osteuropa nach Deutschland eingeschleppt wird.

Hubert Utz, der Vorsitzende der Jägervereinigung Lauf, hält es für möglich, dass ein infizierter Hund Füchse angesteckt hat, will aber nicht spekulieren. In einem allerdings ist er sich sicher: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Viele Füchse würden sich zum Sterben eben nicht in die Nähe menschlicher Siedlungen zurückziehen. Ihr Tod fällt nicht auf. Utz: „Ich gehe davon aus, dass sich das Virus weiter ausbreiten wird. Füchse kennen keine Reviergrenzen.“

Es gibt keine offizielle Statistik

Eine Meldepflicht existiert nicht, es gibt deshalb keine offiziellen Zahlen. „Staupe ist keine vom Staat zu bekämpfende Tierkrankheit“, sagt Günther Linz, im Landratsamt in Lauf zuständig für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung. Weil „nur in seltenen Fällen“, nämlich wenn Hunde nicht oder nicht vollständig geimpft wurden, eine Ansteckung drohe, würden tote Füchse auch nicht routinemäßig von Amts wegen auf das Virus untersucht, anders als bei der Tollwut, die im Nürnberger Land inzwischen als ausgerottet gilt. Wollen Jagdpächter Gewissheit haben, müssen sie also für die Untersuchung selbst aufkommen.

Auch die Frage, wie viele Hunde die Impfung erhalten, lässt sich nicht klären. „Es gibt keinen Impfzwang“, sagt Linz.

Füchse werden stärker bejagt

Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, wollen die Jäger Füchse künftig stärker bejagen. „Wir werden jeden Fuchs, den wir sehen, auch schießen“, sagt Faltenbacher, dessen Revier im betroffenen Bereich liegt. Die Natur trägt ihm zufolge ihren Teil zur Bekämpfung des Virus bei, auch wenn das langsamer geht: „Meistens trifft es eine Population erst einmal recht vehement, dann stirbt die Infektion mit den betroffenen Tieren zusammen.“

Das Simmelsdorfer Rathaus bittet indes die Bevölkerung um Mithilfe: Wer einen auffälligen Fuchs bemerkt oder ein totes Tier am Straßenrand liegen sieht, soll die Polizei anrufen (Telefon 09123/94070). Die Inspektion in Lauf kennt die Namen der jeweils zuständigen Jagdpächter und kann diese verständigen.

Weil die Tiere kurz vor dem Tod mitunter die Scheu vor dem Menschen verlieren, können betroffene Füchse auch im Vorgarten auftauchen. In diesem Fall sollte man sich ihnen keinesfalls nähern, „man muss den Kontakt vermeiden“, sagt Faltenbacher. Der hinzugerufene Jagdpächter tötet auffällige Füchse. Für die Tiere ist das eine Erlösung: Staupe ist zwar nicht in allen Fällen tödlich, doch selbst nach einer überstandenen Erkrankung bleiben lebenslange Folgeschäden

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel