Laufer Literaturtage: Elisabeth Herrmann

Verbrechen hautnah

Elisabeth Herrmann bei ihrer Lesung in Lauf. Die Krimiautorin begeisterte das Literaturtagepublikum. | Foto: Stegmeier2017/11/ElisabethHerrmann.jpg

LAUF — Über dreihundert Besucher lockte die Krimilesung im Rahmen der Laufer Literaturtage in die Bertleinaula. Elisabeth Herrmann ist längst kein Geheimtipp mehr. Aus ihrer Feder stammen die Joachim Vernau-Krimis mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle, und etliche ihrer Romane wurden verfilmt. Seit sechs Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben von Büchern.

Bevor die vom ungewohnt großen Auditorium spürbar überwältigte Autorin das erste Kapitel aus „Stimme der Toten“ vorlas, gab sie einen kurzen Überblick über die Vorgeschichte des Romans.

Die Protagonistin Judith Kepler, eine Tatort-Reinigerin, hat sie vor sieben Jahren als „Zeugin der Toten“ eingeführt. Engagiert schilderte Elisabeth Herrmann den Charakter Keplers, der, wie sie später sagte, auf keinem lebenden Vorbild basiert, und die sie, psychologisch stimmig, mit einer traumatischen Lebensgeschichte ausgestattet hat.

Blutiger Showdown

Die Einführung erwies sich als sinnvoll, wollte man die Zusammenhänge im neuen Thriller begreifen. Denn das erste Kapitel, das sie komplett vorlas, ist gleichzeitig der Schluss des ersten Teils der Trilogie – ein dritter Teil ist bereits in Arbeit –, in dem sie wie in einem Drehbuch den blutigen Showdown zwischen gegnerischen Agenten schildert.

In deren Schussfeld ist Judith Kepler geraten, weil sie durch Zufall an einem Tatort Akten aus ihrer eigenen DDR-Vergangenheit gefunden und in der Folge einen Stein ins Rollen gebracht hat.

Bereits bei den ersten Worten der Autorin zeigte sich ihr Vortragstalent. Gestenreich, lebhaft und mit viel Ausdruck verlieh sie ihren Helden ihre Stimme; mal erklang sie laut und bestimmend, wenn der Chef der Reinigungsfirma einen Wutanfall bekommt, zurückhaltend und brüchig, wenn die Hauptfigur in eine bedrohliche Situation gerät, oder hinterhältig und mit Akzent, wenn eine dubiose amerikanische Agentin ihren letzten Einsatz hat.

Bestens gelaunt

Zwischen die Kapitel, aus denen sie vorlas, ließ die bestens gelaunte Autorin weitere Informationen einfließen, sowohl zur Handlung, als auch zur ihrer Vorgehensweise. Um eine Szene, die auf einer Londoner Waffenmesse spielt, möglichst realitätsgetreu schildern zu können, hat sie tatsächlich an Ort und Stelle recherchiert.

Dort wird ihr „Bösewicht“ Bastide Larcan, ein internationaler Waffenhändler, in die Handlung eingeführt, hinter dem noch weit skrupellosere Drahtzieher agieren. Auch für die Passagen, die sich auf die DDR-Vergangenheit und die Agententätigkeit ihres Krimi-Personals beziehen, holt sie sich stets Rat von Fachleuten.

Was den Roman lesenswert macht, sind der schnörkellose Stil, das flotte Tempo sowie die lebendigen Dialoge. Spannend machen die Lektüre auch aktuelle politischen Bezüge: es geht im Roman um nichts weniger als die mögliche Erpressbarkeit und Manipulierbarkeit von Regierungen etwa durch Eingriffe in Datensysteme, das (Un-)gleichgewicht der Mächte und daneben auch noch um die Machenschaften einer erstarkenden nationalsozialistischen Szene mit kruden völkischen Ideen.

Man könnte sich durchaus die Autorin als Hörbuch-Sprecherin ihrer eigenen Romane vorstellen. Ihre warme und wandlungsfähige Stimme zog an dem Abend in der Bertleinaula auch die Nicht-Krimi-Fans in ihren Bann. Nach der Lesung ging sie gerne auf Fragen des Publikums ein:

Arbeit in der „Besenkammer“

So liegen ihre Helden ihr zwar sehr am Herzen, kann sie nach getaner Arbeit – sprich Abgabe des Manuskripts – jedoch gut loslassen; ihre Schreibstube befindet sich in einer ehemaligen Besenkammer, in der sie halbe Nächte verbringt, wenn Termine anstehen, und um am Stück schreiben zu können, zieht sie sich jedes Jahr im Sommer für ein paar Wochen in die Ardèche zurück.
Diejenigen, die sich anschließend ihre Bücher signieren lassen wollten, mussten etwas Geduld mitbringen, denn die Reihe der Wartenden schlängelte sich durch die ganze Aula der Bertleinschule.

N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier