Laufer Literaturtage: Lucas Grimm und Leslie Malton

Über Waffengeschäfte und Rache

Spannung bei den Literaturtagen: Der Autor Lucas Grimm las in der Aula der Bertleinschule zusammen mit der Schauspielerin Leslie Malton aus seinem Roman „In den Tod“. | Foto: Cichon2018/11/Literaturtage-Lauf-Lucas-Grimm-Leslie-Malton-ci.jpg

LAUF — Illegale Waffengeschäfte mit dem IS und ein blutiger Rachefeldzug – und mittendrin ist der Journalist David Berkoff. Darum geht es in Lucas Grimms Roman „In den Tod“, den der Autor bei den Laufer Literaturtagen vorstellte. Zusammen mit der Schauspielerin Leslie Malton las er in der Bertleinaula Passagen aus dem Thriller.

Dass Lucas Grimm eigentlich ein Pseudonym ist, verrät Renate Grabmeier von der Stadtbücherei gleich zu Beginn der Lesung. Eigentlich heißt der gebürtige Hesse Uwe Wilhelm und tanzte schon auf ganz vielen Hochzeiten, bevor er anfing, Romane zu schreiben. So stand er auf Theaterbühnen, schrieb Theaterstücke und Drehbücher und war als Filmproduzent tätig.

Bei Lesungen zu seinem zweitem Thriller über den Journalisten David Berkoff tritt Grimm häufig zusammen mit der Schauspielerin Leslie Malton auf, die dem Fernsehpublikum durch zahlreiche Serien- und Filmauftritte bekannt sein dürfte („Der große Bellheim“). Eine gute Wahl, wie sich während der knapp zweistündigen Veranstaltung zeigte. Versteht es die gebürtige US-Amerikanerin doch sehr gut, Nadja Arkadin, eine der Hauptfiguren des Romans, nur mit Hilfe ihrer Stimme zum Leben zu erwecken. So lässt sie Nadja abfällig über ihren Mann Gregori reden, ihn säuselnd verführen oder mit schwermütiger, ruhiger Stimme die Briefe an ihre Schwester lesen.

Nadja ist die Frau des Waffenhändlers Gregori Arkadin, der dem Journalisten Berkoff als Informant für einen Artikel über illegale Waffengeschäfte der Bundesregierung mit dem Islamischen Staat (IS) dient. Nadja verfolgt aber ein anderes Ziel: Rache nehmen am Tod ihrer Familie. Als sie ihren Mann umbringt, durchkreuzt sie damit zugleich die Pläne Berkoffs.

Missliche Lage

Die Gespräche, etwa zwischen Nadja und ihrem Mann oder Berkoff und seinem Sohn, die Grimm und Malton zusammen lesen, lässt die Zuhörer direkt in die Geschichte eintauchen. So ist es spannend, zu verfolgen, wie sich Nadja, mit Handschellen an die Bettpfosten gefesselt, aus ihrer misslichen Lage befreit. Denn zuvor verschluckte ihr Mann, nachdem er das tödliche Glas Sekt getrunken hatte, kurz vor seinem Ableben noch den Schlüssel für die Handschellen, weil er Nadjas Pläne durchschaute.

Dass in Grimms Roman mehr als nur eine spannende Geschichte erzählt wird, wird in der Lesung ebenfalls deutlich. Diente doch das Buch „Ich bin eure Stimme“ der Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, die vom IS versklavt wurde, als Recherchegrundlage für den Roman, wie Grimm verrät. Denn genauso wie Murad ist auch Nadja eine Jesidin, die ihre Familie durch den IS verloren hat.

Charaktere mit Tiefe

Ohne zu viel vom Inhalt des Buchs zu verraten, verleihen die ausgewählten Textpassagen den Charakteren Tiefe: Nadja, die mit dem Verlust ihrer Familie kämpft, aber immer die starke Frau bleibt, die nie aufgibt. Und Berkoff, der regelmäßig zu tief ins Glas schaut, sich eine bessere Beziehung zu seinem Sohn wünscht und dessen Arbeit als Kriegsreporter einem geregelten Familienleben im Weg steht.

Bei der Fragerunde am Ende klärte sich dann auch, warum der Autor seine beiden Berkoff-Romane unter einem Pseudonym veröffentlicht hat. Der Verlag habe es so gewollt, erklärt er. Weil er aus Hanau stammt, die Heimat der Gebrüder Grimm, habe er sich diesen Nachnamen ausgesucht. Und Lucas sei ein Verwandter der Brüder gewesen.

N-Land Anne Cichon
Anne Cichon