Wolfgang Krebs im DHT

Typen wie Stoiber

Wolfgang Krebs ist viele, auch Edmund Stoiber. Den kann Krebs perfekt, wie er im DHT bewies. | Foto: Dorn2017/11/Krebs-als-StoiberDHT.jpg

DEHNBERG — Es darf ungeniert gesagt werden: Wolfgang Krebs ist einer der stimmlich flexibelsten High-Scorer am Gaudi-Lukas. Er parodiert und pointiert mittlerweile etwa 20 Persönlichkeiten, darunter schon einmal drei bayerische Pränistermisidenten äh Semesterdissidenten – pardon! Ministerpräsidenten und deren mehr oder weniger ambitionierte Nachfolgehoffnungen. Seine „Watschenbaum-Gala“, im Dehnberger Hoftheater (DHT), vom Bayerischen Rundfunk für das Fernsehen aufgezeichnet, ließ Krebs zu ganz großer Form auflaufen.

Wenn Wolfgang Krebs, die variabelste Perücke unter den Komödianten, auf die Bühne stoibert, ist ihm der erste Lachsturm schon sicher. Sobald er in diese Rolle schlüpft, ist er mehr Edmund als dieser selbst. Stoibers Hang zum Verbuchen von Stabwechseln äh Wechsstabenverbuchseln – pardon! Buchstabenverwechseln treibt er auf eine zugspitzhohe Spitzhöhe, und das in einer Geschwindigkeit, dass das durchschnittliche Ohr die Schallwellen des einen Gags noch nicht gänzlich ans Gehirn weitergeleitet hat, wenn schon der nächste Knaller an-rollt. Die Pointen sitzen präzise und punktgenau, und wenn er bei dieser Gelegenheit die fränkische Seele streichelt, wirkt das völlig natürlich, ohne Hintersinn, ehrlich.

In der Watschenbaum-Gala, wo der rote Teppich der schlimmsten Blamage für alle daran teilnehmen müssenden Prominenten ausgerollt wird, soll durch das Klatschometer des Publikums festgestellt werden, wer freiwillig oder unfreiwillig den größten Blödsinn verzapft.

Der erste Kandidat ist Markus Söder, und Söder scheint leibhaftig anwesend zu sein, leicht süffisant, leicht belehrend, fränkisch frotzelnde Watschen austeilend gegen die anderen Kronprinzen des bayerischen Kabinetts und wiederkehrende Deutschamerikaner mit zwölf Vornamen. Und erneut treten die Lachtränen im Sekundentakt in die Augen.

Seehofers Eigendarstellung gipfelt in einem Selbstlob auf die Melodie von „Fürstenfeld“, wo er das DHT-Publikum sogar zum Mitsingen des Refrains „Ich hab den Söder satt“ motivieren kann. Als nächster Kandidat ist Joachim Herrmann dran, und – so gern es mir leid tut – diese Rolle vergeigt Wolfgang Krebs. Er schafft es nämlich nur drei Sätze so gesetzt wie dieser zu formulieren. Dann hält sein Temperament das Schneckentempo nicht mehr durch und er blödelt mit mindestens achteinhalbfacher Herrmann-Geschwindigkeit weiter. Gauck, Aiwanger, Beckstein, Christian Ude und Wolfgang Krebs höchstselbst haben ihren Auftritt und dürfen für die Watschenbaum-Gala aufdefilieren. Das kichergeplagte Auditorium bittet beinahe schon um Gnade, da ist endlich Pause.

Gag-Feuerwerk aus der Krebs‘schen Schnellfeuergoschen

Doch die Schonfrist ist kurz. Kaum verschnauft, knattert das Gag-Feuerwerk aus der Krebs‘schen Schnellfeuergoschen wieder unerbittlich auf den bereits sehr strapazierten Musculus Sanguinicus, vulgo Lachmuskel, ein. Stoibers Transrapid-Schnulze gibt den Zuhörern Etappenpausen, wofür sie aber den Refrain „In zehn Minuten“ mitsingen müssen. Das Gelernte dürfen sie sofort wieder anwenden, als Meggie Montana den Intellekt mit „Wenn die Marimba weint in Wernigerode“ auf das Höchste fordert.

Grausamkeiten zum Lachen, das gelingt Wolfgang Krebs, wie es scheint mühelos. Er verpackt die kompliziertesten und peinlichsten Momente der jüngeren deutschen Geschichte in derart verquere Zusammenhänge und Wortspielereien, dass die Lachmuskelschmerzen das Fremdschämen locker ausmerzen. Hier bewahrheitet sich der Spruch „Lachen ist die beste Medizin“ augenfällig. Da ist ein Profi am Werk, das ist in jeder Minute zu spüren.

In diesem Zusammenhang – und da zeigt sich das wohldurchdachte Arrangement – darf die Kunstfigur Schorsch Heberl darstellen, wie schwer es ist, Menschen für ein Ehrenamt zu rekrutieren und überhaupt was es für vertrackter Überlegungen bedarf, um der Landflucht ein Ende zu bereiten. Reden wir da bitte nicht über Leberschäden oder Führerscheinentzug!

Als „maximale Protagonistin der bayerischen Raute“ nimmt sodann Angela Merkel in der vierten Klasse einer bayerischen Grundschule Platz und formuliert einen geschliffenen Aufsatz über einen Urlaub in Bayern, der wegen mangelnder Sprachkenntnisse der Autorin allerdings die Bestnote deutlich verpasst.

Dann, als Finale furioso, reistrichtert äh preisrichtert Edmund „der Stoiber“ schließlich den goldenen Watschenbaum. Als Sympathiekundgeber fungiert das inzwischen lachmatte Publikum, welches nun mittels Klatschen, von Stoiber nur leicht subjektiv gemessen, über die illustre Reihe der Kandidaten abstimmt.
Aber es ist auch für das fast abgeschwatzte Ohr relativ eindeutig zu erkennen, dass der weder anwesende noch überhaupt vorgestellte Donald Trump den „Goldenen Watschenbaum“ redlich verdient hat. Silber wird der ebenso abwesenden Beatrix von Storch zuerkannt.

Mit einem launigen Abgesang auf die SPD im Allgemeinen und die bayerische im Speziellen findet der mit tiefgründigem Humor vorgebrachte wortgewaltige Nonsens, in dem viel Wahrheit und Gott sei Dank reichlich Spaß steckt, ein würziges äh würdiges Ende.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn