„Orpheus“-Oper in Schloss Henfenfeld

Trubel bei den Göttern

Die Göttinnen im Olymp. | Foto: Johann Dechant2019/01/Die_Goettinnen_im_Olymp_8223-1.jpg

HENFENFELD – Mit „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach hat die Opernakademie am Henfenfelder Schloss einen weiteren Meilenstein in ihrer Geschichte gesetzt. Die Persiflage auf die griechische Mythologie begeistert das Premierenpublikum. Weitere Aufführungen: Freitag, 4. Januar, 19.30 Uhr, sowie 5. Januar (19.30 Uhr) und 6. Januar, 17 Uhr (Kartenvorbestellung unter Telefon 09151/9087838).

Der Rote Saal verwandelt sich in eine Wiese, als die Sopranistin Lou Denès mit der Arie der Eurydike „Ein Weib, das Lieb‘ und Sehnsucht plagen“ auftritt. Wunderschön ist der Gesang der jungen französischen Sängerin. Ein Genuss für Auge und Ohr folgt beim Streitgesang zwischen Orpheus und Eurydike. Beide haben sich auseinandergelebt und frönen ihren Liebschaften. Stimmgewaltig zeigt sich hier der Tenor Maximilian Vogt.

Einen wahrlich diabolischen Auftritt hat Tenor Dieter Doetsch, der als Schäfer Aristeus Eurydike umgarnt, in Wahrheit aber Pluto, der Herr der Unterwelt, ist. Dorthin will er die Schöne entführen. Der Verlust seiner Gattin beeindruckt Orpheus zunächst nicht, aber als ihm die „öffentliche Meinung“, vorzüglich von Jeanne Vogt in Szene gesetzt, die Leviten liest besinnt er sich anders.

Im Olymp tummeln sich die Göttinnen und Götter, pikanterweise römische. Müde sind sie, passend im Chor dazu ihr „O Seligkeit, im Schlaf zu liegen“. Das ändert sich schlagartig, als Göttervater Jupiter die Szene betritt. Bassbariton Guido Drell zeigt sich hier sehr führungsstark.

Im Wechselgesang treten die Göttinnen auf, Ann-Kathrin Meyler als Juno, Karin Friedli als Diana und Johanna Zimmermann als Venus. Als richtiger Wirbelwind zeigt sich Lucia Tumminelli in der Rolle des Cupido. Turbulent wird es, als Orpheus und die „öffentliche Meinung“ bei Jupiter vorsprechen und die Rückgabe Eurydikes verlangen. Richtig schmachtvoll singt Maximilian Vogt das berühmte „Ach, ich habe sie verloren“. Nachdem Pluto als Missetäter entlarvt ist, beschließen die Götter, sich in die Unterwelt zu begeben.

Dort langweilt sich mittlerweile Eurydike und ist sichtlich genervt von Styx. In dessen Rolle schlüpft Thomas Elble, dessen „Als ich einst Prinz war von Arkadien“ das Publikum hellauf begeistert. Sehenswert ist das Schauspiel, als Jupiter in Gestalt einer Fliege Eurydike umschwärmt. Beim „Höllentanz“ bringen die Akteure den Boden derart zum Beben, dass man auf eine gute Statik vertrauen muss.

Den Abschluss bildet der legendäre Aufstieg aus der Unterwelt, bei dem sich Orpheus nicht umdrehen darf – das Resultat ist hinreichend bekannt.

Alle Akteure zeigen hohes Niveau bei Gesang und Schauspiel, besonders hervorzuheben ist die Leistung von Jeanne Vogt, die neben ihrer Rolle auch die Violinsoli spielt. Virtuos ist der Gesang von Lou Denès, die mit Szenenbeifall belohnt wird.

Eine herrliche Aufführung.

N-Land Johann Dechant
Johann Dechant