Ausgebüxtes Rind von Alfalter

Tierschützer wollen Stier retten

Um ihn geht es: Tierschützer nennen den Bullen Jonathan. | Foto: privat2017/07/stier-2.jpg

HOHENSTADT/ALFALTER – Der am Freitag ausgebüxte und dann wieder eingefangene Stier aus Alfalter (wir berichteten) beschäftigt Tierschützer in ganz Deutschland. Zumindest in den sozialen Netzwerken im Internet geht es hoch her. Fakt ist dabei, dass der Besitzer am Wochenende ein Kaufangebot des Vereins „Rüsselheim e. V.“ aus Augsburg erhalten hat. Vorsitzende Doris Rauh will verhindern, dass das Tier beim Schlachter landet.

Die Flucht des 700-Kilo-Rinds von Alfalter bis nach Hohenstadt, war spektakulär. Hohenstädter, die den Koloss leibhaftig im Wohngebiet vor ihrer Haustür sahen, waren von dem Erlebten, einschließlich der Betäubungsaktion, so bewegt, dass sie laut Rauh einen Gnadenhof in der Fränkischen Schweiz einschalteten.

Dieser rief dann den Verein „Rüsselheim“ zu Hilfe, der in ganz Bayern Tiere vor dem Schlachter freikauft und auf verschiedenen Bauernhöfen unterbringt, die dafür monatlich Geld erhalten. Einer davon befindet sich in Schnaittach. Auf die Frage, wie sie das finanziert, antwortet die Vorsitzende: „Wir haben zwar nur 75 Mitglieder, aber 2000 bis 3000 Tierpaten. Sie sind das Herzstück des Vereins.“

Seit 2005 pflegt Rauh, die im Vertrieb einer Firma arbeitet, dieses Hobby fürs Tierwohl. Aktuell schütze sie 400 Schweine, 300 Rinder und 100 Schafe auf diese Weise, erzählt sie. Der Bullenbesitzer war am Sonntag nicht zu erreichen, aber Rauh ist guter Dinge. Sie weiß: Letztlich „muss das Angebot passen“, ein Landwirt wolle sich ja nicht verschlechtern.

Die HZ erhielt über Facebook über 80 Zuschriften von Tierschützern aus ganz Deutschland, die dazu auffordern, das Tier vor dem Schlachter zu retten. Möglich ist dies durch die Gruppe „Wimp“, auf der ein Mitglied einen Link zu dem HZ-Artikel gepostet hatte. „Hier kann man auch gut hinschreiben. Baut Druck auf!“, schreibt dort eine Aktivistin mit einem Verweis auf die Hersbrucker Zeitung. Der Beitrag wurde dort über 1000 Mal geteilt, auf der HZ-Seite immerhin über 80 Mal. Gesehen haben ihn über 20.000 Facebook-Nutzer. Die Tierschützer haben dem (O-Ton auf Wimp) „Heldenbullen“ im Übrigen einfach einen Namen gegeben: Jonathan.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz