Ladeverbund „Franken+“ führt SMS-Zahlungssystem ein

Strom für Elektroautos gibt es jetzt nicht mehr kostenlos

Um Strom an den 160 Ladesäulen von „Franken+“ – hier die Station an der Rückersdorfer Hauptstraße – zu zapfen, reicht künftig eine SMS. Abgerechnet wird über die Mobilfunkrechnung, auf Wunsch auch per Kreditkarte. | Foto: Sichelstiel2017/09/ladestation-stromtankstelle-sms-bezahlenb.jpg

NÜRNBERGER LAND — Die Zeit, in der Fahrer von Elektroautos kostenlos Strom tanken konnten, ist vorbei: Der Ladeverband „Franken+“, zu dem nach eigenen Angaben rund 160 Ladesäulen in ganz Nordbayern gehören, hat zum 1. September ein einheitliches Zugangs- und Bezahlungssystem eingeführt. Nur in Lauf greift es noch nicht, hier müssen die drei Stromtankstellen der Stadtwerke erst umgerüstet werden.

„Das Bezahlsystem hat eine steuernde Wirkung und soll die Verfügbarkeit der Ladestationen erhöhen“, erklärt der Koordinator des Ladeverbunds, Markus Rützel von der Solid GmbH. Denn die Säulen seien oft von Wagen mit vollem Akku blockiert. Bisher war das Laden kostenlos, „um den Erwerb von Elektrofahrzeugen auch ohne staatliche Förderung in der Region voranzutreiben“.

Das neue System wurde in einer mehrmonatigen Pilotphase seit Jahresbeginn getestet und weiterentwickelt. Der Zugang erfolgt über den Versand einer SMS. Die Kosten für den Ladevorgang werden in der Regel mit der Mobilfunkrechnung, auf Wunsch auch über Kreditkarte oder Lastschriftverfahren abgebucht. Zusätzlich zum SMS-Laden, das dem unter anderem in Lauf angebotenen SMS-Parken ähnelt, bietet „Franken+“ weitere Zugangsmöglichkeiten an. So können auch die Nutzer von Ladekarten und Apps anderer Anbieter ihre Akkus aufladen.

Abgerechnet wird nach Zeit

Die Nutzer zahlen pro begonnener Viertelstunde. Die durchschnittliche Ladeleistung bestimmt den Tarif. „Damit werden auch externe Einflüsse wie Witterung, Akkuladezustand des Fahrzeugs und Ladeschwankungen berücksichtigt“, sagt Rützel. Und noch ein Problem soll mit Hilfe dreier Tarife und Klassen gelöst werden: die verschiedenen Ladeleistungen der angeschlossenen Fahrzeuge. Damit wird berücksichtigt, dass die meisten E-Auto-Modelle die zur Verfügung stehenden 22 Kilowatt nicht ausschöpfen können. „Die Spanne reicht von drei bis 22 Kilowatt“, weiß der Projektkoordinator.

Stromkunden der Energieversorger, die Mitglied bei „Franken+“ sind, können ihr Fahrzeug zum ermäßigten Tarif laden.

Ein Rechenbeispiel: Ein Kunde der Röthenbacher Stadtwerke, der mit einem neuen VW e-Golf mit 7,2 Kilowatt Ladeleistung unterwegs ist, zahlt 70 Cent pro Viertelstunde. Ein Nichtkunde muss im gleichen Zeitraum einen Euro hinlegen. Voll ist die Batterie nach rund fünf Stunden, macht für den Stadtwerke-Kunden 14 Euro, für den Nichtkunden 20 Euro. Damit kommt der Golf – je nach Fahrweise – zwischen 180 und 300 Kilometer weit. Fährt der Kunde hingegen einen Renault Zoe mit 22 kWh-Akku, muss er diesen zwar bei 22 Kilowatt nur eineinhalb Stunden lang laden, das kostet ihn aber 1,35 Euro pro Viertelstunde, also 8,10 Euro für eine volle Batterie. Diese hält zwischen 130 und 200 Kilometer. Der Nichtkunde wird mit 10,80 Euro zu Kasse gebeten.

„Der Normaltarif ist günstiger als der Wettbewerb und der ermäßigte Tarif ist ungefähr mit dem Laden zu Hause vergleichbar“, sagt der Koordinator des Ladeverbunds.

Eine Besonderheit ist der „Nicht-Laden-Tarif“: Mit der Gebühr für das Blockieren einer Ladesäule mit einem bereits geladenen Auto sollen die Fahrer dazu motiviert werden, ihren Platz für andere freizugeben. Rützel: „Die Preise hierfür orientieren sich an den ortsüblichen Parktarifen.“

Lauf hat andere Technik

Die drei Stromtankstellen der Laufer Stadtwerke gehören zwar seit vergangenem Jahr zu „Franken+“, auf der Karte aller Ladestationen unter www.ladeverbund-frankenplus.de sind sie aktuell jedoch nicht aufgeführt. Das hat einen einfachen Grund: An ihnen kann man derzeit noch kostenlos Strom beziehen. „Wir müssen unsere Säulen erst umrüsten“, sagt Harald Keßner von den Stadtwerken. 2011 wurde die erste Station in Lauf eingeweiht – die damals angeschaffte Technik ist mit dem neuen Bezahlsystem nicht kompatibel. Bis die neuen Säulen stehen, können ein paar Monate vergehen. Bis dahin lohnt sich für E-Auto-Fahrer der Umweg in die Pegnitzstadt.

Was ist der Ladeverbund „Franken+“?

Der Ladeverbund wurde 2012 von vier Energieversorgern aus der Region gegründet, der N-Ergie, der Fürther Infra sowie den Stadtwerken Ansbach und Schwabach. Inzwischen hat „Franken+“ 44 Mitglieder, darunter die kommunalen Versorgungsunternehmen von Röthenbach, Rückersdorf und Lauf. Gemeinsam wollen sie eine einheitliche und flächendeckende Ladestruktur für Elektroautos in Nordbayern aufbauen.

Das Netz besteht eigenen Angaben zufolge schon aus rund 160 Ladestationen zwischen Lichtenfels im Norden und Kipfenberg im Süden. Die Säulen werden möglichst nur im öffentlichen Raum installiert, sie sollen so vielen Benutzern wie möglich zur Verfügung stehen. Deshalb sind sie auch technisch frei zugänglich. Der Strom stammt ausschließlich aus regenerativen Quellen, es handelt sich um zertifizierten Ökostrom. Unter www.ladeverbund-frankenplus.de findet sich eine Übersicht aller vom Verbund betriebenen Stromtankstellen.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung