Freiwillige Feuerwehr Moosbach

Stellvertretende Kommandantin in der Männerdomäne

Martina Kraußer ist eine von nur zwei Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr Moosbach. Ab sofort leitet sie die 32 Mitglieder starke Truppe als stellvertretende Kommandantin. | Foto: Geist2018/01/Moosbach-Feuerwehr-Martina-Krausse_onliner.jpg

MOOSBACH – Zum Jahresende hat die Feuerwehr Moosbach eine 26-Jährige zu ihrer stellvertretenden Kommandantin gewählt. Im Interview erzählt Martina Kraußer, wie sie sich gegenüber ihren Kameraden behauptet, was sie von Gaffern hält und warum sie glaubt, dass Frauen in Zukunft eine größere Rolle in der Feuerwehr spielen werden.

In der Pressemitteilung zu Ihrer Wahl hieß es, Sie seien mit überwältigender Mehrheit gewählt worden. Wie deutlich war es denn?
Martina Kraußer: Es gab nur zwei Enthaltungen, alle anderen haben für uns gestimmt. Marco und ich haben beide das gleiche Ergebnis bekommen.

Sie spüren also auch die volle Rückendeckung Ihrer männlichen Kollegen?
Kraußer: Ja, das hätte ich so auch nicht erwartet. Mit ein paar Nein-Stimmen hatte ich schon gerechnet. Ohne dass ich sagen könnte, von wem.

Weil Sie als Frau angetreten sind?
Kraußer: Genau. Ich hätte schon gedacht, dass da nicht jeder so mit einverstanden ist. Aber man kennt sich halt doch schon seit 14 Jahren…

Gab es früher denn kritische Stimmen?
Kraußer: Ganz am Anfang, bevor die ersten Mädels beigetreten sind, gab es schon ein paar Vorbehalte von den Alteingesessenen. Aber inzwischen gibt es das gar nicht mehr. Die dachten damals, dass es mit Frauen viel Theater geben wird. Aber mittlerweile befürworten es alle, dass Frauen Teil der Feuerwehr sind.

Dennoch sind Sie eine von nur zwei Frauen in der Moosbacher Wehr. Wie ist da der Umgangston und wie behaupten Sie sich in dieser Männerwelt?
Kraußer: Ich bin das schon gewohnt, weil ich eine Lehre in einer Orthopädie-Werkstatt gemacht habe. Sie unterhalten sich, wie sich Männer halt unterhalten. Da werden Späße gemacht und Sprüche ausgeteilt, aber die gehen in alle Richtungen. Insofern werte ich da nie etwas als persönlichen Angriff.

Kennen Sie andere Frauen, die eine ähnliche hohe Position wie Sie bekleiden?
Kraußer: Nein. Im näheren Umfeld ist mir niemand bekannt.

Warum sind Frauen als Kommandanten nach wie vor eine Ausnahme?
Kraußer: So lange gibt es Frauen bei der Moosbacher Feuerwehr noch nicht und bei vielen Wehren ist das ähnlich. Als ich mit 13 Jahren eingetreten bin, war ich eine der ersten Mädels überhaupt. Unsere männlichen Kollegen sind aber seit 30 Jahren oder noch länger dabei, bringen dementsprechend Erfahrung mit und kommen eher an eine solche Position. Aber das wird sich ändern, es werden immer mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Eine Kameradin von mir zum Beispiel hat letztes Jahr bereits den Gruppenführer absolviert. Man kuckt schon, dass man weiterkommt.

Haben Sie eigentlich selbst den Hut in den Ring geworfen oder wurden Sie für Ihr neues Amt vorgeschlagen?
Kraußer: Man kann sich natürlich selbst vorschlagen, aber wir wurden von den bisherigen Kommandanten vorgeschlagen. Sie haben uns damit aber nicht überrumpelt, sondern uns schon vor einem halben Jahr gefragt, ob Marco und ich uns das prinzipiell vorstellen könnten.

Was genau reizt Sie denn an dem Amt?
Kraußer: Es ist eine neue Aufgabe, eine neue Verantwortung. Und ich habe Lust drauf, einen frischen Wind reinzubringen. Was nicht heißen soll, dass unsere vorherigen Kommandanten keine gute Arbeit gemacht haben. Ganz im Gegenteil. Aber Marco und ich werden unseren eigenen Stil finden und einbringen. Klar es ist es für uns beide vollkommenes Neuland, aber wir haben ja sechs Jahre Zeit, uns auszuprobieren.

Ihre beiden Vorgänger haben das Amt aus beruflichen Gründen aufgegeben. Was arbeiten Sie eigentlich?
Kraußer: Ich arbeite bei der Agentur für Arbeit als Telefonserviceberaterin und kann meinen Dienstplan relativ flexibel gestalten. Beruf und Feuerwehr sollte ich also weiterhin gut verbinden können.

Wie stark wird sich denn Ihr Arbeitsumfang ausdehnen?
Kraußer: Bisher haben nur die Lehrgänge richtig viel Zeit in Anspruch genommen. Und natürlich Übungen, Unterricht, Freizeiten und Einsätze. Wie viel Organisatorisches jetzt auf mich zukommt, kann ich noch gar nicht sagen. Im Prinzip leistet ja der Erste Kommandant die meiste Arbeit und ich unterstütze ihn. Außerdem unterstützen uns die ehemaligen Kommandanten und wir wollen die Gruppenführer mit einbinden und deren Ideen aufgreifen. Da haben wir schon ein paar positive Stimmen gehört, dass die das auch wollen.

Wie oft rückt die Feuerwehr Moosbach eigentlich aus und müssen Sie bei jedem Einsatz dabei sein?
Kraußer: Moosbach hat nicht mehr so viele Einsätze wie früher, da sich die Bezirke etwas geändert haben. Letztes Jahr waren es zwölf. Da ich in Nürnberg arbeite und mit der S-Bahn fahre, rücke ich natürlich nicht aus, wenn tagsüber der Alarm geht. Sollten beide Kommandanten mal verhindert sein, trägt ein Gruppenführer die volle Verantwortung.

Sie sind mit 13 Jahren zur Feuerwehr gekommen. Da wird man sicher spielerisch an das Thema herangeführt. Doch irgendwann kommt der Ernstfall. Wie haben Sie das erlebt?
Kraußer: Aufgeregt ist man immer. Auch die älteren sind nicht 100 Prozent gelassen, wenn irgendetwas ist. Aber man kann ja drüber reden – egal was passiert ist. Das geht nur mit Leuten, zu denen man eine enge Bindung hat. Man kann mit Kameraden reden, kann zusammen traurig sein, sich unterstützen und aufmuntern und sich auch mal über irgendetwas ärgern – zum Beispiel über Gaffer.

Können Sie Ihren Kameraden verstehen, der kürzlich für Schlagzeilen gesorgt hat, nachdem er mehrere Gaffer auf der A3 mit Wasser bespritzt hatte?
Kraußer: Ja, auf jeden Fall. Ich hätte mich selber wahrscheinlich nicht getraut, weil man nicht weiß, wie die Konsequenzen aussehen. Aber ich kann es absolut nachvollziehen, denn es gibt in einer solchen Situation nichts Schlimmeres als zu gaffen.

Gibt es Einsätze, an die Sie gerne zurückdenken?
Kraußer: Es gibt tatsächlich eine witzige Komponente bei manchen Einsätzen. Wenn nachts um 3 Uhr der Piepser geht, zieht man sich ja nicht um. Da schlüpft jeder in Socken und Schuhe, setzt vielleicht noch die Brille auf und rennt oder fährt vor zum Feuerwehrhaus. Wenn dann nichts Schlimmes passiert ist und man sich nach dem Einsatz umzieht, gibts schon lustige Vergleiche, wer in welchen Sachen schläft (lacht).

Heute Abend findet die offizielle Amtsübergabe statt. Wie aufgeregt sind Sie denn, verglichen mit dem Piepser nachts um 3?
Kraußer: Nur ein bisschen. Gegen den Piepser ist das nichts.

Wenn Sie gefragt worden wären: Hätten Sie auch gleich Kommandantin gemacht?
Kraußer: Nein, das hätte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht gemacht. Der Erste hat doch nochmal mehr Verantwortung. Üblicherweise kann man ja irgendwann vom zweiten zum ersten Kommandanten aufsteigen. Aber jetzt lasse ich die sechs Jahre erst mal auf mich zukommen.

N-Land Christian Geist
Christian Geist