Bürgerversammlung in Schwaig

Sorgen wegen Schießübungen im Wald

Vor allem das künftige Einsatztrainingszentrum der Polizei beschäftigt die Schwaiger Bürger. Es soll auf dem Gelände an der Diepersdorfer Straße gegenüber des Einkaufszentrums (im Bild hinter dem Kreisverkehr) entstehen. | Foto: Cichon2018/11/Burgerversammlung-Schwaig-Grundstuck-Trainingszentrum-Polizei-ci.jpg

SCHWAIG — Das für 2023 geplante Einsatztrainingszentrum der Polizei an der Diepersdorfer Straße in ­Schwaig war das beherrschende Thema auf der Bürgerversammlung der Gemeinde. Mehrere Bürger befürchten, dass die Schießübungen zu laut werden.

In ihrem Rechenschaftsbericht vor den rund 100 Anwesenden im Bürgersaal in Behringersdorf streifte Bürgermeisterin Ruth Thurner das Thema zunächst nur. Sie erklärte, dass auf dem Gebiet zwischen der Diepersdorfer und der Alten Die­persdorfer Straße die 3000 Polizeikräfte des Präsidiums Mittelfranken „für vielschichtige Einsatzlagen“ geschult werden sollen (die PZ berichtete). Dies geschehe in Kleingruppen. Deshalb sei in diesem Gebiet nicht mit mehr Verkehr zu rechnen. Dort soll auch eine Schießanlage mit zwei Außenschießbahnen entstehen. „Die geltenden Lärmschutzwerte sind dort aber einzuhalten“, versicherte Thurner.

Wieviel Lärm macht die Polizei?

Dennoch waren für mehrere Zuhörer noch nicht alle Fragen beantwortet: Ein Anwohner in der Reichswaldstraße wollte wissen, wie laut genau es auf der Schießanlage werden kann. Konkret könne sie das noch nicht sagen, antwortete die Bürgermeisterin. Es werde aber Lärmschutzeinrichtungen geben. Vielleicht werden beim Schießtraining auch Schalldämpfer verwendet, sagte Thurner. „Heute müssen sich die Polizisten ganz neuen Herausforderungen stellen, um uns zu schützen“, fuhr sie fort. Deshalb müsse auch außen und unter allen Witterungsbedingungen trainiert werden.

Kindergärten in der Nähe

Eine Anwohnerin in der Dreihöhenstraße machte sich besonders darüber Sorgen, weil sich in unmittelbarer Nähe zu dem Trainingsgelände mehrere Kitas befinden. Es werde größter Wert auf den Schutz der Bürger gelegt, wiederholte Thurner. Eine Anwohnerin in der Reichswaldstraße hakte daraufhin nach, wer darüber informiert, wie oft geschossen und wie laut es wird. Dazu gebe es derzeit noch keine Erkenntnisse, so die Bürgermeisterin.

„Ich finde es gruselig, dass Polizisten schießend durch die Wälder laufen. Muss das wirklich sein?“, warf eine Frau ein. Thurner erklärte ihr, dass in mehreren Gemeinden nach passenden Grundstücken gesucht worden sei. In Schwaig hätten die Bedingungen gepasst: Das Grundstück gehört dem Staat und es gibt eine gute Verkehrs­anbindung. Außerdem würden nicht alle Polizisten schießend durch den Wald laufen, entgegnete die Bürgermeisterin abschließend.

Ob Baumbestattungen wie auf dem Schwaiger Friedhof (im Bild) auch in Behringersdorf möglich sind, wollte ein Bürger wissen. Aktuell gehe das aus Platzgründen nicht, so Bürgermeisterin Ruth Thurner. | Foto: Cichon2018/11/Burgerversammlung-Schwaig-Baumbestattungen-Friedhof-Schwaig-ci.jpg

Neben den Fragen zum Einsatztrainingszen­trum der Polizei gab es noch weitere Wortmeldungen. So fragte ein Mann, ob es in Behrin­gersdorf auch Baumbestattungen wie in Schwaig geben wird. Das sei aus Platzgründen derzeit nicht möglich, antwortete Thurner.

Trinkwasser in Gefahr?

Auch PFOS war ein Thema auf der Bürgerversammlung. Die PZ berichtete mehrfach darüber, dass unter anderem der Birkensee mit dem giftigen Stoff belastet ist. Da dieser nicht weit von der Gemeinde entfernt liegt, wollte eine Frau wissen, ob das Schwaiger Trinkwasser in Gefahr sei. Thurner erklärte, dass die Gemeinde genauso wie Nürnberg einen Großteil des Trinkwassers aus der Rannaleitung bezieht. Das Wasser werde regelmäßig getestet und die Werte seien im Internet nachlesbar.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte die Bürgermeisterin über die aktuelle Situation in ihrer Gemeinde berichtet. Schwaig ist mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 30 Cent nahezu schuldenfrei, berichtete sie. Aktuelle Investitionen könne die Gemeinde ohne die Aufnahme von Krediten bewältigen. Dabei steckt Schwaig vor allem Geld in die Kinderbetreuung, um auf die steigende Nachfrage nach Betreuungsplätzen zu reagieren. So wurde etwa die Kinderkrippe am Hasnbuckl neu gebaut und vor Kurzem mit der Generalsanierung des Kindergartens „Unterm Regenbogen“ begonnen.

Die Betreuung von Schülern nach dem Unterricht sei zwar keine Pflichtaufgabe der Gemeinde, Schwaig wolle trotzdem einen Beitrag leisten, damit Eltern Arbeit und Familie besser unter einen Hut bringen können, so Thurner weiter. Deshalb baut die Kommune auf dem Gelände der Südschule einen Hort mit Mensa.

Appell für mehr Demokratie

Zum Abschluss ihres Berichts forderte Ruth Thurner die Bürger auf, sich in das Gemeindeleben einzubringen und Informationsangebote wahrzunehmen. „Die Kommunen sind die Keimzelle der Demokratie“, fügte sie hinzu. Die Demokratie könne aber in Gefahr geraten, denn derzeit seien autoritäre Regierungsformen auf dem Vormarsch. „Wir müssen um unsere Demokratie ringen, sie verteidigen und pflegen. Und wo sollen wir dies tun, wenn nicht hier in unserer Gemeinde.“

N-Land Anne Cichon
Anne Cichon