Benefizfahrt in Hüttenbach

Höchster Berg der Welt als Herausforderung

8848 Höhenmeter will der inkomplett querschnittsgelähmte Wolfgang Kössler in 24 Stunden mit dem Rad fahren. 75 mal nimmt er dafür die Strecke vom Hüttenbacher Feuerwehrhaus nach Kaltenhof unter die Räder. | Foto: Kössler2018/08/Radsport-Wolfgang-Kossler-2504.jpg

HÜTTENBACH — Der höchste Berg der Welt steht für einen Tag in Hüttenbach – zumindest gefühlt. Morgen will der Radsportler Wolfgang Kössler den Anstieg hinauf nach Kaltenhof 75 mal in 24 Stunden bewältigen – insgesamt 8848 Höhenmeter und damit genau so viele, wie der Mount Everest zu bieten hat. Mit der Aktion will Kössler Spenden für die Rückenmarksforschung sammeln, damit irgendwann vielleicht Querschnittslähmung heilbar sein wird. Ein Schicksal, von dem der 43-Jährige selbst betroffen ist.

Der 23. April 1988 war der Tag, an dem sich das Leben von Wolfgang Kössler für immer verändert hat. An diesem Tag hat der damals 13-Jährige in der Nähe des elterlichen Hofs einen folgenschweren Unfall mit dem Traktor, bei dem drei seiner Halswirbel zertrümmert werden; auch das Rückenmark wird gequetscht. Diagnose: inkomplette Querschnittslähmung. Erst nach eineinhalb Jahren voller Reha-Maßnahmen kann er den Rollstuhl verlassen und sagt: „Da will ich nie wieder hin“. Seitdem ist viel Bewegung für ihn nicht nur Therapie, sondern die Hauptsache im Leben.

Dabei ist das Radfahren seine große Leidenschaft. Etwa 20 000 Kilometer legt er im Jahr auf zwei Rädern zurück; im Training, bei Wettkämpfen oder bei Radreisen im Urlaub. Dazu kommen rund 40 000 Kilometer im Auto bei seiner Arbeit als selbstständiger Kurierfahrer für Apotheken. Nicht zu vergessen die fast täglichen Fahrten zu Physiotherapie oder Fitness-Studio, die seit 30 Jahren nötig sind. Ganz klar; der Mann ist ständig unterwegs. Kein Wunder also, dass es ihm die extremeren Formen des Zweiradsports angetan haben, besonders der Radmarathon „ist genau mein Ding“, sagt Wolfgang Kössler.

Rennen nicht nur Selbstzweck

So ist er seit zwölf Jahren Stammgast beim 24-Stunden-Rennen in Kelheim oder fährt Ausdauerrennen in den Alpen wie den Ötztaler Radmarathon. Dabei sind die sportlichen Herausforderungen nicht nur Selbstzweck; schon seit langem bringt Kössler seine Leistungen auch für den guten Zweck. So hat er bereits 1997 bei der „Beneflizz-Tour“ von Hubert Schwarz einen Rekord aufgestellt, als er in 24 Stunden 630 Kilometer zurückgelegt hat; zugunsten einer Spendensammlung für krebskranke Kinder.

Spenden für jeden Höhenmeter

Logisch also, dass nun auch sein Projekt in Hüttenbach, dass den Namen „Everesting – gemeinsam Berge versetzen“ trägt, anderen helfen soll. Wenn er sich am 4. August mittags um 12 auf den Weg macht, um innerhalb von 24 Stunden die rund zwei Kilometer hinauf nach Kaltenhof 75 mal am Stück zu kurbeln, erhofft er sich Spenden für jeden gefahrenen Höhenmeter zugunsten der Stiftung für Rückenmarksforschung „Wings for Life“. So hat er eine ganze Reihe von Spendenboxen in Nürnberg und Umgebung aufgestellt; eine davon steht beispielsweise bei der Metzgerei Regler in Simmelsdorf. Kösslers Ziel ist es, mehr Aufmerksamkeit für diese Forschung zu generieren, damit vielleicht einmal durch dabei gemachte Fortschritte anderen mit einem ähnlichen Schicksal wie ihm ein lebenswerteres Dasein ermöglicht wird.

Qual auf schöner Strecke

Den gefühlten Mount Everest hat Wolfgang Kössler nicht zufällig nach Hüttenbach gebracht. Seit über zwanzig Jahren fährt der in Nürnberg lebende Sportler auf seinen Touren kreuz und quer durch das Nürnberger Land und die Strecke vom Feuerwehrhaus in Hüttenbach hinauf nach Kaltenhof gefällt ihm einfach. „Wenn ich mich schon quäle, dann wenigstens auf einer schönen Strecke“, grinst der 43-Jährige, befragt nach den Hintergründen seiner Routenwahl. Dazu kommt, dass durch die schattigen Passagen die Tour auch an einem heißen Sommerwochenende machbar ist. Als Ausweichtermin hat Kössler notfalls noch das Wochenende vom 11. und 12. August in petto.

Wenn der 43-Jährige die Herausforderung meistert, wäre er vermutlich sogar Weltrekordler – wenn denn jemand diesen anerkennen würde. Die Verantwortlichen für das „Guinessbuch der Rekorde“ haben auf Kösslers Nachfrage abgewunken: Bestleistungen von Menschen mit Handicap seien zu schwer einzuordnen.

N-Land Patrick Baer
Patrick Baer