Birgit Winkler verlässt Eschenau

Seelsorgerin mit Herzblut

Pfarrerin Birgit Winkler | Foto: Privat2017/05/Pfarrerin-Birgit-Winkler.jpg

ESCHENAU – Am morgigen Sonntag, 14. Mai, 9.30 Uhr, wird die Eschenauer Pfarrerin Pfarrerin Birgit Winkler mit einem Gottesdienst verabschiedet. Fünf Jahre war Winkler Pfarrerin der St. Bartholomäus. Nun wechselt sie von Eschenau nach St. Jakobus in Stein-Oberweihersbuch. Ein Interview zum Abschied.

Frau Winkler, seit 2011 waren Sie jetzt in Eschenau tätig …

Ja, 2011 bin ich aus Lauf und Reichenschwand nach Eschenau gekommen.

Was hatte Sie damals bewogen, ins Erlanger Oberland zu gehen?

Ich habe schon in meiner Laufer Zeit in Großgeschaidt gewohnt. Nach 14 Jahren im Teildienst war ich auf der Suche nach einer ganzen Stelle. Als mich mein damaliger Kollege und Studienfreund Matthias Büttner fragte, ob ich nicht nach Eschenau, in eine lebendige und spannende Gemeinde, auf die zweite Pfarrstelle kommen wolle, erschien es mir eine gute Gelegenheit, zu wechseln. Da die zweite Stelle nur eine 75-Prozent-Stelle ist, stockte ich die fehlenden 25 Prozent zunächst mit Religionsunterricht an der Berufsschule in Lauf auf und die letzten drei Jahre dann als Klinikseelsorgerin an der Uniklinik Erlangen.

Sie waren in Eschenau auch zuständig für Ober- und Unterschöllenbach, Brand, Kleinsendelbach und Steinbach, das klingt ländlich geprägt.

Diese Sprengelorte sind nur bedingt ländlich geprägt, sie sind durchmischt mit landwirtschaftlichen Betrieben, Siedlungshäusern mit Menschen, die schon lange dort leben, Arbeitern und Angestellten, aber auch jungen Familien, die aus den Ballungszentren Nürnberg, Erlangen auf das Land ziehen. Diese bunte Mischung mag ich sehr.

Wo waren Ihre Schwerpunkte?

Die Entwicklung des Kindergottesdienstes zum Gottesdienst für Groß und Klein war anfangs ein Schwerpunkt, dazu der Aufbau des Redaktionsteams für den Gemeindebrief. Freude gemacht hat mir auch die Seniorenarbeit und die Begleitung und Fortbildung des Besuchsdienstes und der Hospizbegleiter. Dazu kam die Tätigkeit im Gottesdienst- und Kirchenmusikausschuss. Es war mir ein Anliegen, auch Gottesdienstformen zu entwickeln, die Menschen, die nicht zum „inner circle“ gehören, anzusprechen, z.B. Segnungsgottesdienst für Paare am Valentinstag. Wichtig war mir auch die ökumenische Arbeit. Ökumenische Alltagsexerzitien in der Passionszeit z.B. sind eine Frucht davon.

„Ich singe gerne und feiere gerne  feierliche und fröhliche Gottesdienste“, das haben Sie einmal in einem Gemeindebrief geschrieben, und das war ja dann auch in Eschenau so. Daneben war Ihnen aber auch Seelsorge wichtig?

Ja, die Seelsorge war für ich immer ein wichtiger Schwerpunkt in meiner Tätigkeit als Pfarrerin. Durch meine klinische Seelsorgeausbildung war mir die Fortbildung des Besuchsdienstes und der Hospizbegleiter/innen ein Anliegen, da ich auch im Vorstand des Hospizvereins Eckental mit Umgebung war.
Was wird Ihnen fehlen, wenn Sie aus Eschenau weggehen?
Natürlich die Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, und die Teams, mit denen ich vertrauensvoll, partnerschaftlich und mit viel Freude zusammengearbeitet habe.

… und was reizt Sie zu wechseln?

Ich freue mich auf die Möglichkeit, auf einer geschäftsführenden Pfarrstelle mehr gemeinsam mit dem Kirchenvorstand Gemeindeleben gestalten zu können. Ich freue mich auf die bunte und lebendige Gemeinde in St. Jakobus mit einer wunderschönen Pilgerkirche auf dem Jakobsweg in Oberweihersbuch.

Sie sind neben der Klinischen Seelsorgeausbildung auch Traumafachberaterin. Was verbirgt sich dahinter?

Gerade in der Klinik trifft man immer wieder auf traumatisierte Menschen, die z.B. aus längerem Koma erwachen, oder Angehörige, die sich mit plötzlichen Grenzerfahrungen konfrontiert sehen. Um diesen Menschen gut beistehen zu können, war mir diese Fortbildung wichtig. An der Uniklinik war ich im nichtoperativen Zentrum auf der Nephrologie und der Dermatologie eingesetzt. Dort entstand eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Ärzten und Pflegenden. Klinikseelsorge wird im Uniklinikum positiv wahrgenommen und unterstützt. Auch die Zusammenarbeit im Team mit den evangelischen und katholischen Kollegen/innen war für mich sehr bereichernd und hilfreich.

Wen haben Sie dort besucht?

Es ist ein Grundansatz der Klinikseelsorge, alle Patientinnen und Patienten, die Seelsorge wünschen, zu besuchen, unabhängig von Konfession, Religionszugehörigkeit oder Sprachfähigkeit. Auf meinen Stationen gab es auch viele chronisch kranke Patienten, die immer wieder oder auch längere Zeit auf der Station waren und wo sich dann auch eine intensivere Wegbegleitung entwickelt hat, als es sonst in einem Akutkrankenhaus möglich ist.

Sie haben auch eine künstlerische Ader …

Schon in Lauf habe ich die Workshops mit einer Künstlerin und Kunsttherapeutin zusammen begonnen. In Eschenau haben wir dann zweimal im Jahr ein Wochenende gemalt mit einem anschließenden Vernissagegottesdienst in der Bartholomäuskirche. Das Malen ist eine wunderbare spirituelle Erfahrung, die Menschen mit der Kraft Gottes in Berührung bringt. Da findet meine Hoffnung und das, was mich trägt und hält, noch einmal anders ihren Ausdruck als über das Wort allein.

Jetzt geht es ins Dekanat Fürth nach St. Jakobus in Stein in die Nähe des Palm Beach. Eine Wellnesspfarrerin?

(Winkler lächelt) Kirche und Lebensfreude gehören für mich zusammen, ohne oberflächlich zu werden oder der Tiefe auszuweichen.

Interview: Christian Düfel

N-Land Pegnitz-Zeitung
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