Schäfer-Prozess

Schäfer lässt Verhandlung platzen

Symbolfoto Amtsgericht Hersbruck | Foto: Thomas Kohl2017/03/amtsgericht_hersbruck_symbol.jpg

SCHWARZENBRUCK/HERSBRUCK – Schäfer Frank Z. muss sich vor dem Amtsgericht Hersbruck wegen Vortäuschens von Straftaten in 28 Fällen verantworten. Mittwochmittag ist er zum zweiten Mal der Verhandlung ferngeblieben. Eine letzte Chance gibt ihm Richter André Gläßl noch.

Mitte September ließ Z. den ersten Verhandlungstermin verstreichen. Damals wollte er ihn falsch in seinen Kalender eingetragen haben. Diesmal, versicherte Pflichtverteidiger Manfred Neder, habe der Schäfer den Termin genau gekannt. Dennoch warteten das Schöffengericht, mehrere Zeugen und Zuhörer vergeblich. Um das Verfahren zu beschleunigen, schlug Neder vor, einen Strafbefehl mit einer Freiheitsstrafe gegen Z. zu erlassen. Dann bekäme er zwei Wochen Zeit, zu reagieren. Ließe er die Frist verstreichen, käme dies einem „Geständnis durch die Hintertür“ gleich. So erläuterte Neder das Prozedere. Die Staatsanswaltschaft griff den Vorschlag auf und beantragte den Strafbefehl.
Nach kurzer, geheimer Beratung lehnten Gläßl und seine beiden Schöffen den Antrag jedoch ab. Den Haftbefehl gegen Z. setzte Gläßl aber auch nicht gleich in Vollzug, weil dieser seinen gerichtlichen Auflagen bis dato nachgekommen sei. „Beim nächsten Mal sollte er aber da sein. Das wäre sinnvoll für ihn“, sagte Gläßl und Neder meinte mit einem Schmunzeln: „Ich bring‘ ihn mit.“ Nächster Termin ist am Mittwoch, 12. Dezember. Erscheint Z. auch dann nicht vor dem Hersbrucker Amtsgericht, droht ihm die Untersuchungshaft.

Ärger mit Tierschutz

Z. geht nach wie vor seiner Arbeit nach, plant aber offensichtlich, die Schäferei aufzugeben. Seit September bietet er seine Herde bereits zum Kauf an. 2019 enden laut Neder vertragliche Pflichten, die ihm den Erhalt von Subventionen garantieren. Unterdessen droht Z. Ärger mit dem Tierschutz. Im Herbst waren seine Tiere erneut aus ihrem Gehege ausgebrochen. Ihnen mangelte es offenbar an Trinkwasser. Den Fall bearbeitet derzeit das Veterinäramt.

Z. hatte im Sommer 2017 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, als er mehrfach Attacken auf seine Herde anzeigte und öffentlich machte. Er berichtete immer wieder von Unbekannten, die nachts Jagd auf seine Schafe machten, Tiere quälten, Weidezäune zerstörten und ihn mit anonymen Briefen bedrohten. Etliche Lämmer sollen bei den Angriffen verendet sein. Sogar von strangulierten und erhängten Tieren war die Rede.
N-Land Christian Geist
Christian Geist