Jazz in Schwarzenbruck

Temperamentvoller Gig von Cuban Jazz Unit

Erstmals in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle – die Cuban Jazz Unit begeisterte mit ihrer unter anderem von Cuba und Brasilien beeinflussten Musik. | Foto: Dorothée Krätzer2019/01/Schwarzenbruck-Cuban-Jazz-Unit.jpg

SCHWARZENBRUCK – Fantastische Musiker, mitreißende Rhythmen, faszinierende Soli und Jazz vom Feinsten– so begann das musikalische Jahr 2019 in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle mit The Cuban Jazz Unit. Erstmals in einer Kooperation vereint, hatten dazu das Kulturnetzwerk Schwarzenbruck (KNW) und der Jazz- und Kulturverein Burgthann eingeladen. Es war zudem der erste Auftritt der Jazz Unit und zum ersten Mal war ein KNW-Konzert ausverkauft – sehr zur Freude von Veranstalter Fritz Schneider (KNW) sowie Jazzfreund Olaf Forkel (Burgthann).

„Klimawandel von seiner schönsten Seite“ hatte Schneider dazu bemerkt, denn die Band „werde so richtig einheizen“ – was sie auch tat. Man muss sie gehört haben, die sieben Vollblutmusiker.

Aus allen vier Himmelsrichtungen zwischen Schweiz und Norddeutschland waren sie für diesen Abend angereist – eine Formation, die es in dieser Besetzung nicht oft zu hören gibt. Alle sind international gefragte Musiker – „die Crème de la Crème kubanischer Musik“ – beispielsweise Trompeter Mario Morejon „El Indio“ aus Kuba.

Er habe lange versucht mit ihm ein gemeinsames Konzert zu spielen, jetzt habe es endlich geklappt, stellte ihn der deutsch-dänische Jazzmusiker Kim Barth (Saxophon und Querflöte) vor, der als Frontmann durch den Abend führte. Barth, gleichermaßen in Klassik wie Jazz zuhause, kennt man durch seine internationalen Musikprojekte, bei denen er die Grenzen zwischen Jazz, lateinamerikanischer und klassischer Musik überschreitet.

Ein Herz für Roots

Das Herz des Dozenten an der Nürnberger Hochschule für Musik schlägt für die ursprünglichen Formen, die „Roots“ des Jazz. Vor allem in Kuba und Lateinamerika sind sie mit ihren unverfälschten afrikanischen Rhythmen am deutlichsten zu spüren, in Bars und Jazzkellern. Man müsse sich diesen unterschiedlichen Arten des Spielens und Arrangierens aussetzen, um seinen Horizont zu erweitern, sagt Barth dazu, ungeachtet des Levels, das man glaubt erreicht zu haben.

Ihm zur Seite standen Deni Cuni (Posaune), Alberto Diaz (Piano), Eduardo „Dudu“ Penz (Bass) und Frank Durand (Schlagzeug). Dass später noch „El Indios“ Bruder Yomar „El Guajiro“ Amador Morejon (Percussion) zur Band stößt, machte den Abend perfekt. Musik wie an diesem Abend lässt sich schwer beschreiben, so vielschichtig erklingt sie, so dicht, so unterschiedliche Bilder und Klangfarben malt sie.

Leises Wehen bis tobendes Brausen

Hochkomplex wie sie ist, hat sie kaum Berührungspunkte mit den gängigen Vorstellungen von Latin Jazz, geschweige denn mit Salsa-Flair oder Buena-Vista-Stimmung. Sanfte Balladen wie „Suave Cha“ (David Torres) im Cha-Cha-Cha-Rhythmus, oder „Search for peace“ (McCoy Tyner), das Barth mit einem berührenden Solo eröffnete, erklingen, laden mit ihren ruhigen Bass- und Schlagzeugrhythmen zum Träumen ein.

Bei „Fly with the wind“ (ebenfalls von Tyner) konnte man sich alle Spielarten vom leisen Wehen bis zum tobenden Brausen vorstellen. Als Barth später zur Flöte griff, nahm zudem alles Gestalt an, was durch und mit der Luft fliegt – von wirbelnden Blättern bis jubilierenden Vögeln. Auch ohne vorherige Probe – dafür war keine Zeit mehr – klang das perfekt, ergänzten sich die Musiker großartig, ließen einander Raum zum Improvisieren.

Mehr Musiker auf der Bühne?

Es wirkte, als ob viel mehr auf der Bühne stünden. Da hätte schon die Rhythmusgruppe für sich genügt, doch verstärkt mit den Bläsern – „El Indio“ gleichermaßen virtuos wie Cuni mit seiner Posaune – verzauberten sie alle in der Bürgerhalle.

Begeistert applaudieren die Zuhörer am Ende, fordern stehend „Una mas“ – Zugabe – und zum Dank gab‘s noch das gleichnamige Stück von Kenny Dorham in unverwechselbarer Cuban Jazz Unit Version.

N-Land Dorothée Krätzer
Dorothée Krätzer