Feuerwehreinsatz im Katastrophengebiet

„Schier unglaubliche Schneemassen“

Meterhoch türmen sich die Schneemassen im Berchtesgadener Ortsteil Buchenhöhe. Feuerwehrleute aus dem Nürnberger Land waren in den vergangenen Tagen pausenlos auf den Dächern im Einsatz, um die Gebäude von den Schneelasten zu befreien. Foto: Feuerwehr Ezelsdorf2019/01/Schnee5.jpg

BERCHTESGADEN/SCHWARZENBRUCK – 135 Feuerwehrleute aus dem Nürnberger Land sind im Berchtesgadener Land im Einsatz und helfen bei der Räumung von Dächern und beim Fällen von Bäumen, darunter auch 13 Kameraden aus Schwarzenbruck. Jan Endlein berichtet aus dem Berchtesgadener Ortsteil Buchenhöhe. Dort arbeiten die Helfer auf den meterhoch mit Schnee bedeckten Gebäuden. Weil in den vergangenen Tagen sehr viel Nassschnee fiel, ist das auf den Dächern lastende Gewicht binnen kurzem um ein vielfaches angewachsen. Die Zeit drängt.

„Das sind hier schier unglaubliche Schneemassen“, schildert Endlein die Situation im Telefongespräch mit dem Boten. Bevor die Schwarzenbrucker Feuerwehrleute und ihre Kameraden aus dem Nürnberger Land von Berchtesgaden aus mit ihren Einsatzfahrzeugen in den kleinen Ortsteil Buchenhöhe hinauf fahren konnten, räumte die Bundeswehr mit Panzern die einzige durch einen Wald führende Zufahrt zu dem Ort.

Dort sind die Feuerwehrleute nun in Kooperation mit Gebirgsjägern pausenlos dabei, gewaltige Schneemassen von den Dächern der Häuser, Pensionen und von den Gebäuden eines Kurzentrums im Ort zu schaffen. Das Problem dabei: Der auf den Dächern lagernde nasse Schnee, ohnehin schon besonders schwer, friert in den kalten Gebirgsnächten und legt damit nochmals an Gewicht zu. Für die Räummannschaften wird die Arbeit immer schwerer. „Wir müssen den Schnee regelrecht abstechen“, erzählt Endlein, „den kann man nicht einfach vom Dach herunter schieben.“

Arbeit mit Sicherungsseil

Ohne Sicherung geht da auf dem Dach gar nichts. Alle Männer sind bei den schweißtreibenden Arbeiten angeseilt. Ist ein Gebäude von der Last befreit, geht es zum nächsten. In welcher Reihenfolge das geschieht, welche Häuser Priorität haben, das bestimmt die Einsatzleitung.

Bis zum Dienstagmorgen hatte es noch beinahe ununterbrochen geschneit. Dann hörte der Schneefall auf, die Einsatzkräfte und die Buchenhöher konnten gemeinsam aufatmen. Immer wieder kommen Helfer und Dorfbewohner ins Gespräch. Sehr dankbar seien die Leute im Dorf, erzählt Endlein. „Die bieten uns Kaffee an und erfüllen uns jede Bitte.“

Untergebracht sind die Schwarzenbrucker Feuerwehrleute in einer Turnhalle. Dort schlafen sie auf Feldbetten, die von den Feuerwehren Lauf und Hersbruck und vom Roten Kreuz mitgebracht wurden. Verpflegung gibt es für die Feuerwehrleute über die Küche der Buchenhöher Kurklinik. „Das klappt ganz hervorragend“, lobt Endlein. Duschen können sich die Männer am Ende eines langen Einsatztags im Hallenbad des Kurzentrums. Und danach? „Dann sind wir so müde, dass wir nur noch schlafen wollen“, sagt Endlein.

Zufahrt wieder frei

Zwischenzeitlich ist der Berchtesgadener Ortsteil wieder mit Pkw zu erreichen, die brauchen allerdings Schneeketten. Im Ort selbst gibt es noch eine Reihe von Dächern, die abgeräumt werden müssen, wie lange das noch dauert, ist offen. Der Einsatz der Feuerwehrmänner aus dem Nürnberger Land ist vorläufig für drei Tage geplant. Ob er möglicherweise verlängert wird, steht derzeit noch nicht fest. Da müsse man die weitere Entwicklung einfach einmal abwarten, heißt es aus dem Koordinationszentrum im Landratsamt.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten