Thilo Wolf-Trio in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle

Lied der Franken als Liebeslied

Pianist, Arrangeur und Bandleader Thilo Wolf am Flügel, Bassist Jean-Phillip Wadle und Schlagzeuger Dominik Raab, vorne: Sängerin Caroline Kiesewetter. | Foto: Krätzer2018/11/Schwarzenbruck-Thilo-Wolf-Friends.jpg

SCHWARZENBRUCK – Es sich bequem machen und erstklassige Musik genießen – schöner und entspannter kann man einen Abend nicht verbringen, als jetzt beim Konzert mit Thilo Wolf und seinen Freunden in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle.

Melodiösen Jazz hatte der bekannte Pianist, Komponist, Arrangeur und Bigband-Leader Wolf für dieses Konzert im Gepäck. Ihn begleiteten seine Musikerkollegen, Bassist Jean-Philippe Wadle und am Schlagzeug Dominik Raab, zusammen mit Sängerin Caroline Kiesewetter aus Hamburg. Musiker und Sängerin seien extra für den Abend angereist, so Wolf, der zudem „viele Standards und auch einige eigene Kompositionen“ in seiner Moderation ankündigte. Also einfach zurücklehnen und lauschen, sich einfangen und bezaubern lassen von fröhlich-beschwingter Musik, von bekannten Ohrwürmern und neuen Ohrschmeichlern.

Dass die Bürgerhalle zudem eine anheimelnde, gemütliche Atmosphäre bot, war den vielen fleißigen Händen von Veranstalter Kulturnetzwerk Schwarzenbruck zu verdanken: Sie hatten den Raum mit kleinen Tischgruppen und Lichtern gemütlich vorbereitet.

Standards und Eigenes

Gleich die ersten beiden Lieder vermittelten deutlich, was noch folgen würde. „Stompin‘ at Savoy“ und danach „Tessa‘s Waltz“ stehen für Jazzstandard und Eigenkomposition. Vor allem Wolfs Jazz-Walzer hatte es mit seinem verspielten Thema, zu dem einem nur Attribute wie verträumt, weich und zart einfallen, in sich. Dazu mischte sich eine Leichtigkeit, die gleich in Bann zog, die mitschwingen und innerlich mitsingen ließ.

Auch Wolfs Variationen passten großartig zu diesem Grundtenor, zu dem Schlagzeug und Bass genau die richtigen Impulse beisteuerten. Mit Raab, der unter anderem in Nürnberg studierte und mit Wadle – er spielte auch mit Emil Mangelsdorf – begleiteten ihn zwei hervorragende Instrumentalisten. Neben ihrem einfühlsamen Spiel als Rhythmusgruppe konnte man sich bei jedem Stück auf ihre kreativen und spannenden Soli freuen. Großartig auch Wolf, der seine Finger über die Tastatur tanzen ließ, wobei er jede Stimmung gekonnt interpretierte.

Ansatzlos wechselte er dabei von heiter-beschwingt und temperamentvoll ins Melancholisch-Nachdenkliche. Genial seine Version des bekannten Frankenliedes, dessen Melodie von Valentin Eduard Becker stammt. Er sei immer auf der Suche nach Musik, verriet der vielseitige Musiker einleitend dazu, und dass er es in „Franka’s Love Song“ umgetauft habe: ein ruhiges Liebeslied, dessen Rhythmisierung und Harmonien das Frankenlied neu entdecken lässt. Spaß machte zudem, immer wieder bekannte Phrasen bei den Variationen heraus zu hören.

Am Strand von Övelgönne

Mit Liedern wie „Just Friends“ (Musik John Klenner), dem „Girl from Ipanema“ mit deutschem Text („Am Strand von Övelgönne“) und der Ballade „Moonriver“ („Für immer“) sang sich Kiesewetter in die Herzen des Publikums. Mit ihrer vollen, tiefen und leicht rauchigen Stimme bringt die sympathische Schauspielerin und Sängerin beste Voraussetzungen für diese Art von Musik mit. Schade, dass sie nur die bekannten Melodien ihrer Lieder interpretierte und die Variationen allein den Musikern überließ.

Ein Duett mit Wolf – er begleitete sie äußerst sensibel am Flügel – wäre schön gewesen, vielleicht eine Improvisation oder eine Art Wechselgesang zwischen Bass und Stimme. So blieb es beim Bekannten, das beim Publikum bestens ankam.

Großer Beifall und Zugaben – unter anderem ein mitreißender Boogie am Flügel – beendeten diesen gelungenen Abend in der Bürgerhalle.

N-Land Dorothée Krätzer
Dorothée Krätzer