Am heutigen Weltflüchtlingstag: Gesellenprüfung zum Bäcker

Kriegt‘s Abdullah gebacken?

Ist das Brot fertig gebacken, holt Abdullah Hussain es aus dem Ofen. | Foto: Claudia Kestler2017/06/Abdullah-Hussain_Brot-neu.jpg

RUMMELSBERG – Heute ist Welttag der Migranten und Flüchtlinge oder auch „Weltflüchtlingstag“. Neben der Abwägung, ob Migranten ein Bleiberecht haben, sind die Bereitstellung von Wohnraum und vor allem Ausbildung und Beschäftigung zentrale Probleme. Der Bürgerkriegsflüchtling Abdullah Hussain in Rummelsberg hat es beinahe geschafft. Er hat eine Bäckerlehre absolviert und just am heutigen Weltflüchtlingstag legt er seine Gesellenprüfung ab.

Jeden Morgen um 2.30 Uhr steht Abdullah Hussain in der Backstube der Rummelsberger Bäckerei. „Ich komme immer zehn Minuten früher, damit ich mich noch umziehen und pünktlich beginnen kann“, sagt der 19-Jährige. Dann wiegt er den Brotteig ab, den ein Kollege bereits vorbereitet hat. Sind alle Brote geformt, schieben die Männer die Brote in den Backofen.
Abdullah Hussain macht eine Ausbildung zum Bäcker. Heute nun steht seine Gesellenprüfung an.

Blätterteig, Weizenkleingebäck, Brot, belegte Brötchen – das sind einige Dinge, die der 19-Jährige bei seiner praktischen Prüfung backen muss. Neben ihm prüft die Bäcker-Innung Nürnberg Stadt und Land zehn weitere Bäckerlehrlinge. Die Aufgaben und Fragen stellt der Landesinnungsverband, sie sind bayernweit einheitlich. Die Rezepte hat Abdullah Hussain bereits vor einigen Wochen erhalten und schon ausprobiert. Das meiste sitzt. Nur Stangen zu rollen musste er lang üben. „Die wurden bei mir nicht so gerade“, sagt Hussain. Deshalb nutzte er jede freie Minute in der Backstube und übte.

„Ich bin aufgeregt“

Viel mehr als vor dem praktischen Teil zittert Abdullah Hussain vor der Theorieprüfung am 5. Juli. Besonders Mathematik und Fachtheorie machen ihm Sorgen. „Ich bin aufgeregt“, sagt Abdullah Hussain, „aber ich will zeigen, dass ich es kann.“ Deshalb hat er sich in den vergangenen Wochen mit seinem Lehrer in der Berufsschule in Rummelsberg intensiv vorbereitet. Auch sein Ausbilder in der Bäckerei stand ihm bei Fragen zur Seite. „Ich denke, dass er im praktischen Teil der Prüfung keine Probleme haben wird“, sagt Helmut Seitz, Bäckermeister und Betriebsleiter der Rummelsberger Bäckerei.

Den Großteil seiner Arbeitszeit verbringt Abdullah Hussain in der Konditorei der Bäckerei. Marmorkuchen, Zitronenkuchen oder Nussecken – die Rezepte kennt der 19-Jährige auswendig. Er arbeitet selbstständig. Die Aufgaben in der Konditorei haben ihm von Anfang an Spaß gemacht. Für den Ausbildungsberuf hat er sich nach einem Praktikum entschieden.

„Es ist schwierig, Auszubildende zu finden“, sagt Seitz. Er und sein Team würden gerne noch mehr junge Menschen ausbilden, doch die Arbeitszeiten schrecken ab. „Feierabend um 12 Uhr hört sich erst mal gut an, aber Aufstehen um 3 Uhr nicht mehr“, sagt Seitz. Der Bäckermeister arbeitet seit mehr als 40 Jahren in dem Beruf und hat seinen Tagesrhythmus angepasst. „Ich schlafe nachmittags zwei Stunden und gehe dann abends mit meiner Frau zu Bett“, sagt Seitz.

Auch Abdullah Hussain hat sich längst an das frühe Aufstehen gewöhnt. In etwa vier Wochen erfährt er, ob er die Abschlussprüfung bestanden hat. Dann will er als Bäckergeselle arbeiten. Dafür sucht er noch eine Stelle. Sein Ausbilder drückt ihm die Daumen. „Er ist fleißig und zuverlässig“, sagt Seitz. „Ich kann ihn guten Gewissens an andere Bäcker empfehlen.“

Die Rummelsberger Bäckerei hat acht Ausbildungsplätze zum Bäcker bzw. zur Bäckerin. Die Ausbildung erfolgt über das Berufsbildungswerk (BBW) Rummelsberg.

Berufsbildungswerke qualifizieren junge Menschen mit speziellem Unterstützungsbedarf für ihre berufliche Zukunft. Sie unterstützen sie durch gezielte und individuell abgestimmte Angebote. Die Ausbildung erfolgt nach dem jeweils geltenden Berufsbild und in enger Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Handwerkskammer (HWK) sowie dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

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