Bürgerinitiative gescheitert

Kläranlagenstandort stinkt den Gsteinachern

Absolut unzufrieden sind die Mitglieder der Gsteinacher Bürgerinitiative mit der Entscheidung des Schwarzenbrucker Gemeinderats für einen Kläranlagenstandort, der nach Überzeugung der Bürger zu nahe an der Wohnbebauung liegt.2015/07/BI_Klaeranlage_01.jpg

SCHWARZENBRUCK – Stinksauer: Treffender lässt sich der Gemütszustand vieler Gsteinacher derzeit nicht beschreiben, wenn es um das Thema Kläranlagenstandort geht. Anwohner in dem Schwarzenbrucker Ortsteil hatten sich erhofft, dass der Gemeinderat ihren Vorschlägen folgt, die neue Kläranlage weiter westlich von der Wohnbebauung zu positionieren. Jetzt wurden sie bitter enttäuscht. Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung stellten die Gemeinderäte die Weichen für einen östlich gelegenen Standort. Mit 80 Metern Distanz zur Wohnbebauung liegt der deutlich näher in der Nachbarschaft von Gsteinacher Häusern als das von den Anwohnern favorisierte Areal mit rund 200 Metern Abstand.

Die betroffenen Schwarzenbrucker Bürger haben sich zwischenzeitlich in einer Bürgerinitiative organisiert und einen Anwalt eingeschaltet. Eigentlich war man im Vorfeld der jüngsten Gemeinderatssitzung recht zuversichtlich, dass sich die Bürgervertreter von den Argumenten der BI würden überzeugen lassen, zumal die beiden Sprecher Manfred Geier und Manfred Weber Gelegenheit erhielten, die Standpunkte der Initiative in der Gemeinderatssitzung zu erläutern.

„Keine neuen Gebäude“

Weber machte dabei klar, dass für einen weiter weg gelegenen Kläranlagenstandort keine neue Zufahrt gebaut werden müsste, wie vom Planungsbüro Team 4 dargelegt, dass auch kein neues Verwaltungsgebäude und neue Garagen gebaut werden müssten, weil die bestehenden genutzt werden könnten. Er wies auch darauf hin, dass der Mindestabstand zwischen Wohnbebauung und Kläranlage in Nordrhein-Westfalen 300 Meter beträgt. In Bayern allerdings gibt es keine gesetzlich festgelegte Mindestdistanz. „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass der Zweckverband so nahe an die Wohnbebauung will“, so Weber, „vertreten Sie bitte die Interessen der Bürger und nicht die des Zweckverbands“, appellierte der Sprecher abschließend an die Schwarzenbrucker Gemeinderäte.

BN contra BI

Die hatten sich mehrheitlich allerdings entschlossen, die Bewertung der Planer von Team 4 zur Entscheidungsgrundlage zu machen. Und für die Planer ist der näher an der Wohnbebauung liegende Standort der geeignetere. Nachdem die Areale unter verschiedenen Aspekten untersucht wurden, kam Team 4 zu dem Ergebnis, den rund 80 Meter von den Häusern entfernten Standort zu empfehlen.

Unterstützt wird diese Empfehlung von der Position des Bundes Naturschutz in Schwarzenbruck, dessen Vorsitzende Ursula Siebenlist ebenfalls im Gemeinderat sprechen konnte. Das weiter von der Wohnbebauung weg liegende Waldstück sei speziell geschützt, legte Siebenlist dar. Es sei Teil eines zusammenhängenden Waldgeländes im Gegensatz zu dem näher zur Wohnbebauung liegenden Grundstück, bei dem es sich lediglich um ein Insel-Waldstück handele. Womit die Schwarzenbrucker BN-Frau sich böse Kommentare aus den Reihen der zahlreichen Zuhörer im Sitzungssaal anhören musste. Der Schutz der Natur stehe für den BN offenbar über dem Schutz der Menschen.

Die Gemeinderäte befassten sich im Rahmen der Flächennutzungsplanänderung mit den Stellungnahmen der sogenannten Träger öffentlicher Belange, etwa Landratsamt, Regierung von Mittelfranken, Forstamt, Bund Naturschutz usw., die sich zu den Kläranlagenstandorten bei Gsteinach geäußert hatten. Mit 12:9 Stimmen beschloss das Gremium am Ende, mit dem näher an der Wohnbebauung liegenden Grundstück ins weitere Flächennutzungsplanverfahren zu gehen. „Wir hatten gehofft, dass man auf die Menschen mehr Rücksicht nimmt“, so BI-Sprecher Manfred Geier nach der Sitzung. Das Waldgrundstück neben der Kläranlage, das jetzt als neuer Anlagen-Standort auserkoren ist, sei für die Gsteinacher wertvoll – als schützender Waldgürtel, der unter anderem den Lärm von der Autobahn mindert. „Die Leute wollen nicht, dass hier an der Wohnbebauung ein Waldstück wegkommt, das fast so groß ist wie zwei Fußballfelder.“

Bürgerinitiative wehrt sich

Die Bürgerinitiative will sich wehren, kann aber erst klagen, wenn es für die neue Kläranlage einen Bauantrag gibt. Dazu muss aber zunächst einmal der Schwarzenbrucker Flächennutzungsplan geändert 
werden.

Wie mehrfach berichtet, muss die Anlage des Kanalisationszweckverbands Schwarzachgruppe in Gsteinach zukunftsfest gemacht werden. Schon jetzt können von der EU vorgeschriebene Abwasserwerte teilweise nicht mehr eingehalten werden. Die alte Kläranlage kann man aber nicht mehr aufrüsten, der Zweckverband braucht ein rund 10.000 Quadratmeter großes Grundstück für eine neue Betriebsstätte.

Die nötige Flächennutzungsplanänderung kann bis Anfang nächsten Jahres durch sein, erläutert Bürgermeister Bernd Ernstberger auf Nachfrage des Boten. Dann wird der Kanalzweckverband sein Baugesuch einreichen, das vom Landratsamt geprüft wird, insbesondere auf Einhaltung der Richtwerte bei Lärm und Geruch. Im Winter 2016/17 könnte der Wald auf dem Baugrundstück gefällt, im Frühjahr 2017 dann mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Bauzeit beträgt drei Jahre, so dass die neue Kläranlage 2020 in Betrieb gehen könnte.

Warum man vor zwei Jahren den Hang unterhalb des bestehenden Faulturms der Kläranlage noch roden musste (wir berichteten), können die Gsteinacher nicht nachvollziehen, nachdem nun feststeht, dass die Anlage ohnehin aufgelassen wird. Damals argumentierte der Zweckverband, dass die großen Fichten neben dem Kläranlagenturm aus Sicherheitsgründen unbedingt beseitigt werden sollten. Die Empörung in der Bevölkerung war dann groß, als der gesamte Hang unterhalb der Kläranlage gerodet wurde.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten