Orthotechnik zweimal pro Jahr in Tansania

Hilfe für Feuerkinder verdoppelt

Ein zehnjähriges Mädchen erhielt in Tansania eine Orthoprothese, da sie auf einer Seite ein um 20 cm verkürztes Bein hat. Mit dem Hilfsmittel ist es das Ziel, dass das Mädchen künftig mit nur einer Gehhilfe oder sogar ganz ohne laufen kann. | Foto: Privat2017/12/rummelsberg-feuerkind.jpg

RUMMELSBERG – Seit neun Jahren beteiligt sich Andreas Rieppel mit der Orthotechnik am Krankenhaus Rummelsberg am Projekt Feuerkinder. Im nächsten Jahr feiert dieses soziale Engagement zehnjähriges Jubiläum – und Rieppel verdoppelt seinen Einsatz.

Die Unterstützung ist für Rieppel, Technischer Betriebsleiter, eine Herzenssache. Aus diesem Grund sind ab sofort zweimal im Jahr Mitarbeiter der Orthotechnik vor Ort in Usa-River, in der von der Aktion Feuerkinder aufgebauten und mit Maschinen ausgestatteten orthopädischen Werkstatt. Heuer das erste Mal mit am Start: Peter Raab, Meister der Orthopädietechnik.

Hilfe seit 17 Jahren

Der Begriff der Feuerkinder ist in Nordbayern wohl bekannt und eng mit Dr. Annemarie Schraml und Dr. Heinz Giering verbunden. Dahinter verbirgt sich ein seit dem Jahr 2000 bestehendes Hilfsprojekt für Kinder aus Afrika, die Verbrennungen an Extremitäten erlitten haben. Der Grund? „Die Familien haben dort offene Feuerstellen, an denen gekocht wird. Die Kleinkinder krabbeln unbeabsichtigt in diese Feuerstellen und ziehen sich oft schrecklichste Brandwunden zu, so dass es zu extremen Verbrennungen kommen kann. Eine ärztliche Erst- oder Weiterversorgung dieser Notfälle gibt es praktisch nicht“, erklärt Rieppel.

Fluorid im Wasser

Behandelt werden vor allem auch Kinder mit Klumpfüßen sowie Achsabweichungen, wie X- und O-Beine. Problematisch sei der hohe Fluoridgehalt im dortigen Wasser, der im Wachstum bei Kindern Gift sei. Während Technischer Betriebsleiter Andreas Rieppel selbst im Frühjahr das Hilfsprojekt begleitete, war nun Peter Raab vor Ort, ebenfalls Orthopädietechnikermeister bei der Orthotechnik.
Bei diesem Aufenthalt wurde auch ein komplexerer Fall versorgt. Ein zehnjähriges Mädchen erhielt eine Orthoprothese, weil es auf einer Seite ein um 20 cm verkürztes Bein hatte.

Eines Tages ohne Gehhilfe

„Mit dem Hilfsmittel ist es das Ziel, dass das Mädchen mal mit nur einer Gehhilfe oder sogar ganz ohne laufen kann“, so Raab. Der 27-jährige war zwei Wochen vor Ort, dabei wurden 110 Patienten im Vorfeld medizinisch besprochen.

„Die Menschen vor Ort können sich eine Versorgung mit Hilfsmitteln nicht leisten. Durch unsere Arbeit haben sie die große Chance, am Leben mehr Teil zu nehmen. Die strahlenden Augen nach einer erfolgreichen Hilfsmittel-Anpassung bestärken einem in der eigenen Arbeit“, so Raab.
Der missionarische Charakter der Reise ist die Hilfe zur Selbsthilfe. So ist es das Ziel, Einheimische anzulernen, so dass nach einer Erstversorgung diese ebenfalls die weitere Versorgung übernehmen können.

Immer wieder Stromausfall

„Natürlich sind es andere Umstände, die man vor Ort in Usa-River vorfindet.
Das wichtigste Utensil war für mich eine Taschenlampe, da der Strom öfter mal ausfiel“, weiß Raab. Er stellte deutliche Parallelen zu seinem Arbeitsort in Rummelsberg vor Ort fest. „Auch dort ist ein Zentrum für Menschen mit Behinderung entstanden, was stark an Rummelsberg erinnert.“ Aus diesem Grund hat er dem Örtchen den Namen Klein-Rummelsberg gegeben – gut zehn Flugstunden entfernt vom eigentlichen Rummelsberg.
Der Aufenthalt in Tansania hat bei ihm Eindruck hinterlassen, so dass Raab sicherlich nicht das letzte Mal vor Ort gewesen ist.

Schließlich sieht er sich auch im Projekt Feuerkinder bei seiner Berufswahl bestätigt: „Das Besondere an der Orthopädietechnik ist die Verbindung von Handwerk und Sozialem mit einer großen Vielfalt an medizinischen Aspekten“

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