Raiba-Weihnachten

Gernot Haltenorth ist bekennender Käfer-Fan

Familienmitglied auf vier Rädern

Alte Liebe rostet doch. Macht aber nichts, „dem Liebling verzeiht man vieles“, findet Gernot Haltenorth. | Foto: Gisa Spandler2017/08/Schwarzenbruck-VW3.jpg

SCHWARZENBRUCK – „Der VW Käfer ist ein Pkw Modell der unteren Mittelklasse der Marke Volkswagen mit luftgekühltem Vierzylinder-Boxermotor und Heckantrieb…“ – so wird das beliebte Automodell auf Wikipedia beschrieben. So nüchtern, so gut. Aber alle wissen: Der Käfer ist viel mehr. Er ist Kult. Er ist Legende. Er ist ein Auto mit Seele und blöderweise vom Aussterben bedroht. Dagegen wehrt sich manch einer und versucht standhaft an seiner Überzeugung festzuhalten. So einer ist Gernot Haltenorth.

„Der Wagen ist primitiv, robust, anspruchslos, verlässlich und billig“, charakterisiert der 78-Jährige sein aktuelles Vehikel und bezieht das wohl auf alle Käfer. Wie eine Liebeserklärung klingt das zunächst nicht. Doch trotz aller pragmatischer Vorzüge des VW-Modells gesteht er durchaus eine emotionale Bindung an den Wagen. „Er ist ein Familienmitglied“, präzisiert er das Verhältnis zu seinem fahrbaren Untersatz.

Seit 2005 fährt er den orangefarbenen, mit deutlichen Gebrauchs- und Reparaturspuren versehenen Oldtimer, der 1971 zum ersten Mal zugelassen wurde. 2000 Euro hat er damals gekostet, weil der Verkäufer den Vorgänger des Käfers, natürlich auch ein Käfer, in Zahlung nahm. Haltenorth weiß viel über sein Auto. Erstbesitzer war ein DDR-Rundfunkreporter mit guten Westbeziehungen.

Einmal Käfer …

Irgendwann, Jahre später ist das Vehikel bei einem Sammler in Franken gelandet, doch als der es aus Platzgründen nach Jahren verkaufen wollte, machte ein „Schrauberfreund“, ein Kfz-Mechaniker mit besonderen Fähigkeiten, Haltenorth auf das Angebot aufmerksam, und der schlug zu. Schließlich hatte er bereits vorher zwei Käfermodelle gefahren, und für ihn gilt beinahe „Einmal Käfer – immer Käfer“. Beinahe, denn es ist nicht so, dass er nie fremd gegangen wäre. Einst fuhr er einen Opel, den ihm sein Vater vor langer Zeit über Beziehungen verschaffte, einige Jahre später „hat mich der Teufel geritten“ und es musste ein flotter Alfa Romeo sein. Doch dann galt eben wieder „Alte Liebe rostet nicht“. Aber auch das ein Slogan, der nur beinahe gilt, denn Rostspuren weist der alte VW genug auf. Doch ansonsten ist er bestens in Schuss, dafür sorgt der jährliche Check bei einem gewissenhaften KFZ-Betrieb in Feucht.

Wieso Käfer?

Die Frage „Wieso Käfer?“, kann der gebürtige Berliner nicht mehr so ganz schlüssig beantworten. Ende der 70er Jahre kam er nach Franken, Weihnachten 83 nach Schwarzenbruck. Sein allererstes Fahrzeug, das er sich leistete, als er noch in der Ausbildung war, war richtig, ein Käfer. Den kaufte er 1958 und fuhr ihn 15 Jahre, bis er eben irreparabel kaputt war. Der nächste war eigentlich ein Zweitwagen für die Frau, den dritten fährt er nun seit zwölf Jahren. Zu Hause steht noch „für Notfälle“ ein uralter VW-Bus.

Ein Auto-Liebhaber, der einen besonderen Bezug zu seinem Fahrzeug hat, kennt dasselbe ganz genau, auch wenn er nicht vom Fach ist. Genau so ist es bei Gernot Haltenorth, der bei Triumph Adler technischer Redakteur war und Bedienungsanleitungen für Notebooks und Bürotechnik schrieb und übersetzen ließ. Er wirft mit fachspezifischen Ausdrücken um sich, kennt die Daten seines Wagens, weiß, wie er funktioniert und hat ein halbes Ersatzteillager stets unter der Fronthaube dabei. Wenn er wo eine Panne hat, dann muss kein neues Teil bestellt, sondern nur noch eingebaut werden. „Das beschleunigt das Verfahren“, findet der ältere Herr mit dem weißen Vollbart, den man sich auch gut auf der Kommandobrücke eiines Schiffs vorstellen könnte. Ein paar Daten gefällig? Haltenorth muss nicht nachdenken. Das Modell 1302 hat noch den Originalmotor, ist 117.000 Kilometer gefahren, verfügt über 44 PS. Er könnte auch die Reparaturen aufzählen, die Schwachstellen, weiß, dass alle 18.000 Kilometer das Kupplungsseil reißt, die Tachowelle war schon zweimal kaputt, und natürlich kennt er die alte Käfer-Krankheit, die Heizung, die man nicht mehr ausstellen kann, aus eigener Erfahrung. Aber: „Dem Liebling verzeiht man vieles.“ Aus seinem Mund klingt das nicht sentimental, sondern ehrlich.

Ganz wichtig ist für ihn – und für die Versicherung –, dass der Wagen ein technisches Gutachten erhielt, das ihn als historischen Original-Käfer ausweist. Das bestätigt, dass das Fahrzeug nicht in irgendeiner Weise aufgemotzt und mit typ-fremden Ersatzteilen repariert worden ist, sich aber in einem guten Zustand befindet. Aus diesem Grund fährt er mit einem „History-Kennzeichen“, hat einen günstigen Veteranentarif bei Versicherung und Steuer und darf auch in Städten in der grünen Zone fahren, wo sonst die Euro-Standards gelten.

Krimskrams und Nützliches

„Ich hab es gern, wenn ein Auto bewohnt aussieht“, erzählt der Käfer-Freund. Und so ist der knappe Innenraum vollgestopft mit „Krimskrams“ und nützlichen Dingen. Haltenorth zählt auf: zwei Mäuschen und ein Fliegenpilz, die Maskottchen seiner Frau, ein Plüschnashorn als sein eigener Talisman, daneben Werkzeug, Zigaretten, ein Telefonbuch für alle Fälle. „Wenn morgens eine Fahrt ansteht, dann begrüße ich den alten Käfer, abends, wenn ich die Garage abschließe, dann sag‘ ich ihm gut Nacht.“ Man hat keinen Zweifel daran.

 

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler