cittaslow Schwarzenbruck ist Geschichte

Am 28. April 2007 wurde Schwarzenbruck offiziell „cittaslow“. Damals nahm Bürgermeister Norbert Reh von Maria Grazia Lanzone, der Geschäftsführerin der Internationalen Vereinigung „cittaslow“ die Fahne mit dem Symbol der Bewegung entgegen. Mit auf dem Foto der Vorsitzende der „cittaslow“-Städte Deutschland, Wolfgang Plattmeier, damals Bürgermeister der Stadt Hersbruck. Archiv-Foto: Märtl2010/09/citaslowade2_New_1284043683.jpg

SCHWARZENBRUCK – „Wichtig scheint es, dass eine Gemeinde ein Prädikat vorweisen kann, das andere Gemeinden nicht haben und sich von jenen deutlich unterscheidet.“ So schwärmte am 28. April 2007 der damalige Schwarzenbrucker Bürgermeister Norbert Reh, als seine Gemeinde offiziell in den Kreis der „lebenswerten Städte und Gemeinden“ der cittaslow-Bewegung aufgenommen wurde. Gut drei Jahre später verzichtet die Schwarzachtalgemeinde freiwillig auf dieses Prädikat und kehrt der Bewegung den Rücken – nicht aber den Zielen und dem weiteren Ausbau des Erreichten. Dies zu bekräftigen wurde man in der Diskussion nicht müde. Was die Gemeinde in erster Linie drückt ist der jährliche Mitgliedsbeitrages von 2250 Euro. Und im nächsten Jahr wären wieder zusätzlich 600 Euro für die erneute Zertifizierung fällig geworden.

Ausschlaggebend für die Diskussion waren zwei Anlässe: zum einen die Überprüfung der diversen Mitgliedschaften der Gemeinde in Vereinen und Verbänden und der Antrag der CSU-Fraktion, aus der Vereinigung auszutreten.

2006 hatte man diese Diskussion schon einmal geführt – vor der offiziellen Aufnahme. Damals entschied man mit 12:7 Stimmen für einen Verbleib in der Bewegung. Wer damals Mitglied in der Bewegung werden wollte, der musste einiges an Vorleistungen erbringen (siehe nebenstehender Kasten) und es sprach für die im Vergleich zu den anderen Mitgliedern kleine Gemeinde Schwarzenbruck, dass man den Vergleich nicht scheuen brauchte.

Bürgermeister Bernd Ernstberger erinnerte an die schwierigen Haushaltsberatungen 2010, in deren Rahmen man nach Einsparmöglichkeiten suchte. Dabei kamen auch die Vereinsmitgliedschaften zur Sprache, mit dem Auftrag an die Verwaltung, diese unter die Lupe zu nehmen. Ergebnis war, so Ernstberger, dass es sich bei den meisten Mitgliedschaften um solche handelt, die man braucht und von denen entweder die Gemeinde direkt oder deren Bürgerinnen und Bürger profitieren. Übrig bleiben würden nur einige wenige, die nicht unbedingt notwendig sind, der jährliche Beitrag beziffert sich auf rund 400 Euro.

Als größter Brocken bleibe die Mitgliedschaft bei slowcity. Hier eine Wertung zu treffen sei nicht einfach. „Die Bewegung hat gute Ziele, die ich unterstreiche“, bekannte Ernstberger und erinnerte daran, dass man in Schwarzenbruck bereits viel umgesetzt und erreicht hatte, bevor man Mitglied wurde. Die Mitgliedschaft habe deswegen – nachdem alle Kriterien erfüllt waren – einen Status dokumentiert, „mit Prädikat und Logo“. Und um dieses Logo verwenden zu dürfen sei ein jährlicher Mitgliedsbeitrag in Höhe von 2250 Euro fällig, von dem 1000 Euro an die nationale und 1250 Euro an die internationale Vereinigung gehen. Außer dass man das Logo verwenden dürfe, profitiere man wenig davon. Aus Italien, dem internationalen Sitz der Bewegung, komme viel Material (in italienischer Sprache), aus Deutschland wenig.

Die Frage sei deshalb: ist uns deswegen die Mitgliedschaft diesen Betrag wert? Andere Städte hätten es durch Sponsoren leichter, diesen Betrag aufzubringen. Zudem stelle sich die Frage nach dem Wert des Prädikats. In einem anderen Zusammenhang habe er eine Marketingfachfrau gefragt, ob ihr slowcity ein Begriff sei, was diese verneinte. Nicht nur deswegen sei er der Ansicht, dass slowcity einen geringen Werbeeffekt habe, weil der Begriff kaum vermarktet werde.

Hans-Peter Walter war für die CSU weniger zurückhaltend. Er sprach vom „größten Flop aller Zeiten“. Was würden hehre Ziele nützen, wenn sie nichts bringen. „Ich brauche slowcity nicht.“

„Wir haben bereits einiges getan und werden weitere Bemühungen auch ohne Prädikat durchziehen“, meinte Werner Ecker (SPD) und stellte fest, dass seitens der deutschen Sektion so gut wie keine Beratung stattfinde. Und vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage könne die Gemeinde jeden eingesparten Euro gut verwenden. Deswegen sei er dafür, die Mitgliedschaft zu kündigen. Das bekräftigte auch Jürgen Hopf. Was die Bewegung anstrebe sei wichtig, das könne man aber auch ohne Mitgliedschaft umsetzen.

Monika Brandmann sah die Sache differenzierter und übte Kritik daran, dass sich ja auch die Gemeinde selbst nicht in die Bewegung eingebracht habe. „Vielleicht wäre es notwendig gewesen, auch selbst etwas zu tun.“ Dass man der Bewegung nun wegen einem Betrag von 2250 Euro den Rücken kehre, sei traurig. Vielmehr sollte man sich künftig besser präsentieren, denn schließlich sei es eine Besonderheit, dazu zu gehören. Außerdem sollte man das vorhandene Netzwerk besser pflegen. Sie schlug einen Aktionstag vor, der geeignet sei, die Gemeinde zu profilieren.

Das wollte Bürgermeister Ernstberger so nicht stehen lassen. Wer einen Beitrag in dieser Höhe bezahle, könne auch etwas erwarten. Sein Fazit: „Es passiert in der Beratung übergreifend zu wenig.“

2. Bürgermeisterin Gabi Beer (Grüne) zweifelte nicht an den Zielen von slowcity. Was man dort mache sei unterstützenswert, aber auch sie habe in der Vergangenheit Vorschläge und Unterstützung vermisst. Sie war der festen Überzeugung, dass man die Ziele auch mit dem Klimabündnis, bei dem die Gemeinde Mitglied sei und eigenen Aktionen umsetzen und verwirklichen könne. Mit Hersbruck könne man Schwarzenbruck aber nicht vergleichen, das sei von Grund auf eine ganz andere Situation.

Ruth Hardung (SPD) erinnerte daran, dass man über die Mitgliedschaft innerhalb der Fraktion sehr kontrovers diskutiert habe. Aber auch sie sei der Ansicht, die Mitgliedschaft zu beenden und sich mehr dem Klimabündnis zuzuwenden. „Wir waren schon vor der Mitgliedschaft bei slowcity Vorreiter“, war ihre Ansicht. Das eingesparte Geld könne man anderweitig ausgeben.

Dr. Günther Görz (CSU) war der Ansicht, dass slowcity ein „etwas elitärer Verein“ sei, von dem auch einige Funktionäre profitieren würden. Schwarzenbruck brauche die Mitgliedschaft nicht. „Wir können uns auch anderweitig profilieren.“

FW-Gemeinderat Erwin Haubner sah sich bestätigt. Er habe die Sache von Anfang an für überflüssig empfunden. „Danke für den Antrag“, meinte er in Richtung CSU, „endlich ist die Einsicht da.“

Andrea Kreitmeier-Kallert (CSU) war der Ansicht, dass man das eingesparte Geld sinnvoll einsetzen kann. Helga Schiel (Grüne) machte deutlich, dass sie die Ziele von slowcity nach wie vor positiv beurteile, aber eine Mitgliedschaft mache wenig Sinn, wenn nichts umgesetzt werde. Auch sie sprach sich dafür aus, die Ziele des Klimabündnisses zu verfolgen.

Auf das Klimabündnis möchte Werner Ecker die Dinge nicht beschränken. Vielmehr sollte man das Leitbild der Gemeinde, das man sich gegeben habe, mit Leben erfüllen.

„Wir wollten nichts schlecht reden, der Antrag war sachlich zu behandeln“ resümierte Bernd Ernstberger und stellte fest, dass sich manche Erwartungen eben nicht erfüllt haben. Ihm tue der Austritt aus einem Verein, in dem es um hehre Ziele gehe leid, aber letztendlich sehe er für die Bürger keine Vorteile. Für einen Verbleib bei slowcity sprach sich nur Monika Brandmann aus.

In Konsequenz dieser Entscheidung wird die Gemeinde auch die Mitgliedschaft bei der Deutschen Steinkreuzforschung, der Altnürnberger Landschaft, dem Landesverein für Heimatpflege und der Schutzgemeinschaft deutscher Wald kündigen. Der Beschluss erfolgte einstimmig.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl