B 8 Anwohner wollen Lärm begrenzen

Bürgerinitiative fordert Tempo 30 und Blitzer

Stop-and-go im Berufsverkehr auf der B 8 in Ochenbruck mit 24 000 Fahrzeugen am Tag. In den Nachtstunden und in Zeiten mit weniger Verkehr klagen Anwohner über hohe Lärmbelastung, weil Pkw und Lkw zu schnell durch den Ort fahren, deshalb fordern sie Tempo 30. Foto: Markus Rauh2019/02/Schwarzenbruck-BI-B8.jpg

OCHENBRUCK/PFEIFFERHÜTTE – „Der Druck im Kessel wächst.“ So beschreibt Achim Hofmann die Befindlichkeit der B-8-Anwohner in Ochenbruck und Pfeifferhütte. Die Bundesstraße als Verbindung der Metropolregion Nürnberg mit der Oberpfalz ist zwischenzeitlich mit täglich 24 000 Fahrzeugen eine der am höchsten belasteten Straßen in ganz Bayern. Bei ihrer Forderung nach Tempo 30 hoffen die Bürger, dass sich die Behörden jetzt bewegen. Man habe zwar schon einiges erreicht, sagt BI-Sprecher Hofmann. Insgesamt sei die Situation aber „ziemlich verfahren“.

Umgesetzt wurde unter anderem die Forderung der Bürgerinitiative nach einer Verkehrszählung und nach einer Installierung von Geschwindigkeits-Anzeigen in Ochenbruck und Pfeifferhütte. Außerdem gibt es inzwischen eine interfraktionelle Projektgruppe B 8. Die wurde auch auf Anstoß der BI wieder zum Leben erweckt, nachdem sie sich vor 16 Jahren aufgelöst hatte, weil damals offenbar kein Interesse mehr am Thema bestand. „Unmittelbar an der B 8 wohnt doch kaum noch jemand“, so das damalige Argument in der Gemeinde.

Nicht im Verkehrswegeplan

Das mag ein Grund für das Versäumnis gewesen sein, eine Umgehung für Ochenbruck und Pfeifferhütte in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. Im aktuellen Plan, der bis 2030 gilt, ist eine solche Umgehung jedenfalls nicht vorgesehen. Für die hiesigen B 8 Anlieger heißt das: Bevor sich in Sachen Umgehung oder Untertunnelung etwas bewegt, werden Jahrzehnte ins Land gehen. Das ist aus Hofmanns Sicht das Verfahrene an der ganzen Situation.
Hoffnungslose Lage?
Ist die Lage also hoffnungslos? Nicht ganz. Die Mitglieder der Bürgerinitiative freuen sich beispielsweise darüber, dass die noch vor Jahren als lächerlich abgetane Tunnellösung nun doch als eine realistische Möglichkeit ins Blickfeld gerät. Was für Reichenschwand an der B 14 möglich ist, muss doch auch in Ochenbruck realisierbar sein, sagen sie. Allerdings ist Reichenschwand in den aktuellen Verkehrswegeplan aufgenommen, Schwarzenbruck nicht. Bürgermeister Bernd Ernstberger verweist da auf die Möglichkeit von Sonderprogrammen. Wenn Schwarzenbruck dann bereits Zahlen und Pläne für Tunnel und Umgehungsvarianten parat hat, könnte es unter Umständen schnell gehen, sagt Ernstberger. Reiner Dresel und Achim Hofmann registrieren das mit einer gehörigen Portion Skepsis. Die beiden BI-Sprecher befürchten, dass Tunnellösung, Umgehungsvarianten und Sonderprogramme nur Beruhigungspillen für die ungeduldig gewordenen Bürger sind.

Kein hohes Unfallrisiko?

Ungeduldig sind die Leute nach Darstellung von Dresel und Hofmann auch deshalb, weil einige ihrer Forderungen, die auf eine Reduzierung des Verkehrslärms zielen, bisher abgelehnt wurden. Etwa der Wunsch nach Installierung stationärer Blitzer. Während das Landratsamt im Frühjahr 2018 noch Zustimmung signalisiert habe, sagt Dresel, sei dann auf Nachfrage des Bürgermeisters bei der Polizei eine ablehnende Stellungnahme vom Polizeipräsidium Mittelfranken gekommen. Tatsächlich erläutert Polizeirat Werner Bauer in seiner Stellungnahme für das Präsidium, dass die Voraussetzung für den Aufbau stationärer Geschwindigkeitsmessanlagen ein besonders hohes Verkehrsaufkommen und ein hohes Unfallrisiko ist. Beides sei weder in Ochenbruck noch in Pfeifferhütte gegeben. Darüber können Dresel und Hofmann nur den Kopf schütteln. 24 000 Fahrzeuge am Tag – mehr geht an Verkehrsaufkommen nicht, sagen sie. Und Unfälle gebe es häufig auf der B 8.
Auch die ablehnende Haltung der Behörden in Sachen Tempo 30 auf der B 8 ärgert die Mitglieder der Bürgerinitiative. Zumindest in den Nachtstunden sollte auf der Bundestraße in Ochenbruck und Pfeifferhütte eine Tempo-30-Regelung gelten, fordern sie. Weil dann die Rollgeräusche deutlich geringer seien als bei Tempo 50, an das sich in den Nachtstunden ohnehin kaum jemand halte. Tempo 30 auf einer Bundesstraße sei grundsätzlich nicht möglich, hielten die Behörden der Bürgerinitiative wiederholt entgegen. Das stimmt inzwischen nicht mehr. Auf der B 26 in der Spessartgemeinde Laufach hat man ein nächtliches Tempolimit auf 30 eingeführt, außerdem im Laufacher Ortsteil Frohnlach sogar Tempo 30 auf der B 26 auch tagsüber.

Diskussion um Ortsschilder

Die Bürgerinitiative Albtraum B 8 bleibt also am Thema dran. Für die Stoßzeiten morgens, nachmittags und am frühen Abend hat sich deren Forderung sowieso erledigt: Schneller als Tempo 30 kann man dann ohnehin nicht fahren. Auch die Forderung nach einer Versetzung der Ortsschilder vor Ochenbruck wies die Straßenverkehrsbehörde in Lauf zurück.
Dort erläuterten die Verantwortlichen, dass die Ortsschilder ohnehin schon weit außerhalb der Ortsgrenze aufgestellt seien. Eigentlich müssten sie viel weiter Richtung Ort gerückt werden. Von Feucht aus kommend um rund 400 Meter. Das Ortsschild stünde dann irgendwo vor der OMV-Tankstelle. Alles sehr merkwürdig aus Sicht der BI und kaum nachvollziehbar. Deshalb denken die Mitglieder der Bürgerinitiative darüber nach, Landrat Armin Kroder direkt anzusprechen. Ein Besuch beim Landrat ist deshalb ein Punkt auf der To-Do-Liste der BI in diesem Jahr. Darüber hinaus werden ab April jeden letzten Montag im Monat wieder Fahrrad-Corsos durch Ochenbruck rollen, jedesmal unter einem anderen Motto: Lärm, Tempo 30, Radwege und andere Themen. Und am 30. September plant die Bürgerinitiative eine weitere Informationsveranstaltung in der Bürgerhalle.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten