Dramatik wider Willen

Schwaiger Volleyballer mühen sich zu Sieg gegen Aufsteiger Gotha

Mehr gefordert als gedacht war der SV Schwaig gegen die Aufsteiger Blue Volleys Gotha. Hier prüft Gästespieler Marcel Herrmann (li.) den Schwaiger Block mit Christian Starosczik und Christian Schwabe (re.). | Foto: Santemiz2018/10/2018-09-29_Volleyball_SV-Schwaig_Blue-Volleys-Gotha_0076_Z-bea.jpg

SCHWAIG — Die Zweitliga-Volleyballer des SV Schwaig rangen – unerwartet erst nach zähem und spannendem Kampf – die Blue Volleys Gotha mit 3:1 nieder (25:17, 19:25, 25:18, 28:26). In den letzten beiden Sätzen taten sie sich gegen den Aufsteiger besonders schwer.

Es war gleichsam symptomatisch: Die Anzeigetafel, die seit dem Umbau der Hans-Simon-Halle im Oktober 2011 aus unerfindlichen Gründen immer vorm Start eine 1:0-Führung für die Gäste auswies, sie stand diesmal – aus ebenso unerfindlichen Gründen – korrekt auf 0:0. Das deutete schon an, dass sich an diesem 29. September zwei Zweitligateams 94 Minuten lang auf Augenhöhe gegenüber stehen und dass nichts automatisch gehen würde – auch wenn die Gastgeber anfangs ihrer Favoritenrolle gerecht wurden und den Thüringern wenn auch nicht davoneilten, so doch über 4:3, 11:8 und 20:13 zumindest Grenzen aufzeigten.

Ohne den genesenden Michal Dzierwa waren die Mittelfranken immerhin in Stammbesetzung angetreten – zum ersten Mal vor heimischem Publikum. Nach dem vorherigen Sieg in Mimmenhausen wollte sich der SVS am Aufsteiger aus Gotha schadlos halten. So der Plan, nicht nur von Coach Milan Maric.

Unerwartet im Rückstand

Doch die nur 190 Zuschauer staunten; denn bereits im zweiten Durchgang zeigten die Angereisten, was in ihnen steckt: Neun Mal lagen die Schwaiger mit fünf und sieben Mal mit sechs Punkten hinten. Da war trotz mitreißenden Ballwechseln: kein Durchkommen, keine Wende. Es halfen auch die brachialen Hiebe des späteren MVP, Christian Schwabe, nichts, und auch nicht die von Mittelblocker Christian Starosczik – die Gothaer kämpften mit voller Breit­seite, waren wie im Rausch und spürten: Da geht was! Völlig verdient errangen sie nach 24 Minuten den 1:1-Satzausgleich.

Die Körpersprache der Gastgeber signalisierte da eher eine gewisse Beißhemmung, und ein auf der Gegenseite top inspirierter, ehemaliger Erstliga-Spieler (Gothas Nr 3, Marcel Herrmann) verzögerte es: Mit Ach und Krach nur setzten sich die Gelbblauen über 5:5, 10:10, 15:12 und 19:15 zum 2:1 durch. Mit in diesem dritten Satz beinahe vermurkster Blockarbeit machte der SVS die Gäste eher stark. Immerhin, auf beiden Seiten galt: Da war ein Kampfeswille um jeden Zentimeter, der sich auch in den vierten Satz zog. Zur Freude aller Fans wollten sich die Blue Boys nämlich so gar nicht unterkriegen lassen, und die Schwaiger rangen um Selbstfindung.

Das vierte Viertel musste daher die Entscheidung bringen. Und das hieß selbst aus regeltechnischen Gründen mehr als nur, ob es für einen SVS-Sieg reichen –, oder ob beide doch noch in den Tiebreak würden gehen müssen, in welchem wiederum alles vorstellbar wäre (selbst eine Schwaiger Niederlage). Die Thüringer jedenfalls entpuppten sich als kaum zu knackende Truppe, die an diesem Abend mit solchem Drive agierte, dass ihnen schlussendlich so mancher einen Tabellenpunkt gegönnt hätte.

Doch die Gelbblauen hatten eigene Vorstellungen. Ihr Sideout und ihr trotziger Block stabilisierten sich von Mal zu Mal; da wurden noch die unmöglichsten Bälle aus den entferntesten Ecken gefischt. Das Gewimmel zog sich 7:11, 13:13 und 17:16 fesselnd dahin, bis es ab dem 22:22 zum Showdown kam. Drei Mal folgte noch ein nervenaufreibender Pari-Stand (24:24, 25:25 und 26:26); erst beim schlussendlichen 28:26 war den Gastgebern der Volleyballgott hold. Aufatmen, Jubelschreie, der zweite SVS-Sieg in Folge, hoch auf Tabellenplatz fünf. Dass indes niemand – auch nicht der Vizemeister – gegen einen Aufsteiger „einfach so“ gewinnen kann, das hatten die Thüringer bewiesen; sie waren nur konsterniert angesichts ihrer leeren Hände – kein Punkt aus Schwaig. Aber stolz erhobenen Hauptes.

Lob für beide Teams

SVS-Trainer Maric hatte am Schluss denn auch lobende Worte für die Gäste, und natürlich auch für seine Jungs: „Es war spitze, wie unsere Truppe gerade im dritten und vierten Satz nochmal zurückkam und sich doch durchsetzte“. Gerade die gute Mixtur aus jungen und erfahrenen Akteuren, so Maric, zeichne Gotha aus und mache sie für deren künftige Spiele zum schwierigen Gegner.

Nun, ein eben solchen werden die Mittelfranken am nächsten Wochenende besuchen, es geht nach Fellbach. Am 20. Oktober dann hoffen die Fans in Schwaig wieder auf ein ebenso packendes Duell: Gast ist dann Mainz-Gonsenheim.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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