Grundschulrektorinnnen sind skeptisch

Krankenschwestern an der Schule?

Das Kind ist krank, was nun? Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband möchte Schulkrankenschwestern einführen, Rektorinnen im PZ-Gebiet glauben aber, dass der Bedarf nicht groß genug ist. | Foto: Thinkstock/Philipimage2017/03/ThinkstockPhoto-schulkrankenschwester.jpg

NÜRNBERGER LAND — Eltern kennen das nur zu gut: Das Kind fiebert, der Chef macht Druck und es ist keine hilfsbereite Oma zur Stelle. Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) hat vor Kurzem vorgeschlagen, für solche Fälle „Schulkrankenschwestern“ einzustellen, die kranke Kinder in der Schule betreuen könnten. Die Rektorinnen der Grundschulen im PZ-Gebiet sehen dafür aber nicht wirklich Bedarf.

„Für eine ganze Stadt wie Lauf würde sich das vielleicht lohnen, für eine einzige Schule meines Erachtens nicht“, meint Martina Brix, Rektorin der Bertleingrundschule. Zwar hat sie beobachtet, dass mehr Kinder als früher krank in die Schule geschickt werden. „Die haben morgens gebrochen und kommen trotzdem, weil die Eltern unsichere Arbeitsstellen haben und nicht zu Hause bleiben können.“ Aber bis auf wenige Ausnahmen seien Mutter oder Vater notfalls telefonisch erreichbar, um ihre Sprösslinge wieder abzuholen.

Ist das nicht der Fall, werden die kranken Kinder im Sekretariat betreut oder in einer ruhigeren Ecke des Klassenzimmers „separiert“. Denn allein nach Hause dürfen die Kleinen nicht. Für den Notfall haben die beiden Hausmeister von Grund- und Hauptschule Ersthelferausbildungen. „Zusätzlich möchten wir demnächst an der Mittelschule Ersthelfer ausbilden.“, sagt Martina Brix.

Auch ihre Kollegin Petra Götz von der Grundschule Schwaig-Behrin­gersdorf glaubt, dass im Vergleich zu früher mehr kranke Kinder in die Schule kommen. Denn sogar im relativ reichen Schwaig müssen meist beide Eltern arbeiten. Trotzdem hält sie Schulkrankenschwestern nicht für notwendig. „Da hätten wir ganz andere Bedürfnisse, zum Beispiel Lehrer für Differenzierungsstunden.“ Außerdem müsse man sich schon fragen, ob Schule alles übernehmen könne, sogar die Betreuung kranker Kinder.

Im Regelfall reichen nach Götz‘ Meinung die zehn Tage pro Jahr aus, die Mütter oder Väter rein rechtlich zu Hause bleiben dürfen, wenn ein Kind krank ist. Außerdem seien Kinder, die heim möchten, weil es ihnen nicht gut geht, eher die Ausnahme. „Manchmal reicht beruhigen und beobachten“, weiß die Schulleiterin. Für solche Fälle steht in Schwaig ein Krankenzimmer zur Verfügung, die Sekretärin oder die Rektorin selbst nehmen sich dann unbürokratisch der „Patienten“ an.

Dass sich die Situation von Schule zu Schule unterschiedlich darstellt, glaubt Vera Zippe von der Grundschule in Diepersdorf. „Hier im ländlichen Bereich ist das kein großes Problem, weil einige Mütter tagsüber zu Hause oder zumindest gut vernetzt sind. In den Städten ist das sicher anders.“

Prinzipiell steht sie aber auf dem Standpunkt: „Wenn es irgendwie möglich ist, gehört ein krankes Kind nach Hause.“ Bei der Betreuung könnten zum Beispiel „Leihgroßeltern“ helfen, wenn sonst niemand verfügbar ist. In der Diepersdorfer Schule hat bei Bedarf ein „Bufdi“ vom Bundesfreiwilligendienst ein wachsames Auge auf die kränkelnden Kinder, bis die Eltern kommen.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger