Ausbildungsplatzbörse Röthenbach

Schüler und Firmen profitieren

Sumitomo Demag aus Schwaig ist wie viele heimische Firmen bei der Ausbildungsplatzbörse mit einem Stand vertreten. | Foto: Kirchmayer2018/10/Ausbildungsplatzborse-Sumitomo-kir.jpg

RÖTHENBACH (kir/abe)— Auch bei ihrer 21. Ausgabe erfreut sich die Röthenbacher Ausbildungsplatzbörse in der Karl-Diehl-Halle größter Beliebtheit. Was seitens der Stadt in den 1990er Jahren als Service vor allem für Schüler begann, ist heute umso mehr bei Firmen angesagt.

„Bis letztes Jahr konnte ich mir die Azubis raussuchen“, sagt Werner Kreuz. Der 57-Jährige ist der Geschäftsführer von Kreuz Bad und Heizung in Schnaittach. Weil diesmal aber ein Auszubildender im letzten Moment noch abgesagt hat, ist Kreuz erstmals bei der Röthenbacher Ausbildungsplatzbörse mit einem Stand vertreten. Er lobt das Konzept der Veranstaltung. Die Hemmschwelle für die Jugendlichen, sich bei Firmen zu informieren, sei einfach geringer, wenn man von Stand zu Stand gehen könne.

Die Schnaittacher Firma ist einer von 62 Arbeitgebern, die in der Karl-Diehl-Halle und in einem daneben aufgebauten Zelt um Lehrlinge werben. Das ist ein neuer Rekord, sagt Bastian Streitberger von der Wirtschaftsförderung der Stadt, der die Veranstaltung organisiert. Jährlich kämen rund 2000 Schüler, um sich an zwei Tagen auf 1000 Quadratmetern Fläche über die Firmen zu informieren. Vormittags seien vor allem Schulklassen da, so Streitberger, nachmittags eher einzelne Jugendliche mit ihren Eltern.

Erstmals dabei: Der Schnaittacher Sanitärbetrieb Kreuz, im Bild Geschäftsführer Werner Kreuz, im Gespräch mit Organisator Bastian Streitberger. | Foto: Kirchmayer2018/10/Ausbildungsplatzborse-Kreuz-Streitberger-kir.jpg

Für dutzende Firmen aus dem Landkreis und darüber hinaus ist die Röthenbacher Ausbildungsplatzbörse längst ein fester Termin. Selbst die Weltmarke Mercedes Benz, deren nächste Standorte in Nürnberg und Fürth sind, ist seit vielen Jahren dabei. „Viele haben Scheu, sich bei großen Unternehmen zu bewerben“, glaubt Niklas Schumacher, der bei Mercedes eine Ausbildung macht und in Röthenbach vor Ort ist. Und Schülern falle es leichter, sich bei fast Gleichaltrigen über die Ausbildung zu informieren, als bei Erwachsenen, ergänzt eine Ausbilderin.

„Vor 21 Jahren mussten wir die Betriebe noch anrufen. Damals herrschte hier in der Region ein Überangebot an Auszubildenden“, sagt Röthenbachs Bürgermeister Klaus Hacker. Es sei mühsam gewesen, interessierte Betriebe zu finden. „Heute rufen die Firmen selbst an, da sie durch den Mangel an neuen Arbeitskräften auf die Anwerbung von Azubis über solche Messen angewiesen sind“, sagt Hacker. Auch für die Schüler habe die Messe nach wie vor einen großen Nutzen. Sie könnten sich gut über Arbeitgeber informieren und sich überlegen, was die berufliche Zukunft bringen soll.

Gut für das Image

Auch für die Stadt sei die Azubi-Messe ein großer Gewinn. „Diese Veranstaltung stärkt das Image der Stadt Röthenbach und macht sie zu einer Unternehmerstadt“, so Hacker. Röthenbach lässt sich die größte Ausbildungsplatzbörse im Landkreis mehr als 10 000 Euro kosten, sagt Bastian Streitberger. Eine Standgebühr für die Firmen gibt es keine.

„Wer noch nicht weiß was er machen will, kann sich hier hilfreiche Beispiele anschauen“, sagt Yasmin Djouban. Die 13-jährige Lauferin besucht die achte Klasse der Bertleinschule. Unter anderem informiert sie sich über mögliche Ausbildungen und deren Abläufe bei den Ständen der Diepersdorfer Bolta und der Bundeswehr.

Schlüpfen diese Mädchen für ihre Ausbildung in Uniform? Die Bundeswehr zeigt seit Jahren Präsenz in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle. | Foto: Beck2018/10/Ausbildungsplatzborse-Bundeswehr-Beck.jpg

Hannah Schrüfer aus Rollhofen besucht die Mittelschule Schnaittach und wählte dort den technischen Zweig. „Meine Eltern haben beide technische Berufe und ich hatte schon immer Spaß am Basteln und technischem Zeichnen. Mein letzter Adventskalender bestand aus Einzelteilen eines Elektro-Autos, das ich dann zusammen gebaut habe.“ Die Achtklässlerin erkundigt sich an den Ständen von Sembach, Bolta und Aldi über mögliche Ausbildungen. Kommende Woche beginnt ihr Praktikum bei Sembach und auf der Azubi-Messe nutzt sie die Möglichkeit, sich noch einmal genau über diese Firma zu informieren.

Mustafa Kurt besucht die Azubi-Messe zusammen mit seiner siebten Klasse der Laufer Bertleinschule. Der Zwölfjährige sieht seine Zukunft bei der Polizei. „Ich möchte einen Beruf mit Aktion und Bewegung und auf keinen Fall im Büro“, erzählte der junge Laufer. Im Foyer der Karl-Diehl-Halle kann er sich sowohl bei der Landes- als auch bei der Bundespolizei informieren.

Alle Real- und Mittelschulen aus dem Landkreis werden von Röthenbach im Vorfeld über die Börse informiert, etliche schicken ihre Klassen in die Karl-Diehl-Halle. Peter Müller, der Rektor der Röthenbacher ­Realschule am fränkischen Dünenweg in unmittelbarer Nachbarschaft zur Halle, kann sich mit seinen Schützlingen die Anfahrt sparen. Für alle Schüler in den aktuell fünf neunten Klassen sei die Börse eine Pflichtveranstaltung, so Müller.

„Die Schüler sollen aber nicht nur rumgehen und Kugelschreiber einsammeln“, sagt der Schulleiter. Sie bekommen Arbeitsaufträge, müssen etwa bestimmte Informationen beschaffen. An welchen Ständen sie sich informieren, können sich die Schüler aber heraussuchen. Bei den achten und zehnten Klassen komme es auf die Lehrer an. „Optimal“ findet Müller die Veranstaltung, „wir können uns nichts besseres vorstellen“. Er lobt besonders die Vielfalt der Arbeitgeber.

Daniel Simpson aus Lauf ist als Auszubildender im zweiten Jahr für Speck Pumpen auf der Messe. Der 18-Jährige absolvierte 2017 ein Praktikum bei der Neunkirchener Firma und freute sich über die gute Teamarbeit und die entspannte Atmosphäre. Nun lernt er dort Fachlagerist. „Hier können wir zuverlässige Arbeitnehmer finden. Es gibt viele Schüler, die die Messe als Zwangsbesuch sehen, da es ein Schulausflug ist. Trotzdem werden sie hier auf neue Arbeitsbereiche stoßen, die sie dann auch interessieren“, ist Daniel überzeugt.

Armin Sollfrank ist im dritten Lehrjahr bei Diehl und lernt dort Industriekaufmann. „Es macht einen guten Eindruck, wenn man die möglichen Bewerber persönlich anspricht. Viele sind unentschlossen, wie es nach der Schule weitergehen soll. Hier können sie sich ein Bild machen“, erzählt der 18-Jährige.

Am morgigen Donnerstag findet die Röthenbacher Ausbildungsplatzbörse nochmals von 9 bis 14 Uhr statt. Hier geht es zur Bildergalerie der Veranstaltung.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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