Gankino Circus im Dehnberger Hof Theater

Schräg aus Dietenhofen

Gankino Circus riss das Publikum hin mit einer Mischung aus Volksmusik, Kabarett und skurilen Geschichten. | Foto: Krieger2018/10/Gankino-Circus-DHT.jpg

DEHNBERG — Nicht jede öde Jugend in der von Gott verlassenen Einöde eignet sich zur Aufarbeitung. Worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen, wusste schon Wittgenstein. Für Ralf Wieland, Johannes Sens, Maximilian Eder und Simon Schorndammer gilt das defintiv nicht: Es wäre jammerschade, würden die Jungs von Gankino Circus der Menschheit ihre Wirtshausgeschichten vorenthalten.

Im Dehnberger Hof Theater brachten die Musiker aus Dietenhofen bei Ansbach das Publikum gehörig in die Gänge. Folk, Klezmer, Punk, Rock´n Roll und Sirtaki im 11/8 Takt (Gankino), dazu auf die Spitze getriebene erzählerische Endlosschleifen von Aufenthalten im Gasthaus „Zur heiligen Gans“ — die zweieinhalbstündige Mischung aus Musik und Kabarett ist schräg, witzig und echt lässig.

Dabei beginnt der Abend harmlos: Hinter einem 50er Jahre Brillen-Kassengestell versteckt, erzählt Gitarrist Ralf Wieland, wie es dazu kam, dass die Vier die Welt mit Volksmusik und Gschichtla beglücken.

„Wir hatten eine schöne Jugend und die wollen wir mit euch aufleben lassen.“ Brav greifen die Musiker zu den Instrumenten, die ersten Takte erklingen, Volkweisen, Polka. Die Blaskapelle, in der sie seit der Kindheit in dem kleinen Kaff zusammen spielen, lässt grüßen.

Liebesschlager mit zwei Zeilen

Doch dann geht es auf einmal Schlag auf Schlag: „Hat sich denn der Wirt erhängt, weil er uns kein Bier ausschenkt“, lautet die Hymne der fränkischen Wirtshausblutsbrüder. „Marie Marie“ schmachtet Schlagzeuger Johannes Sens ins Mikro. Der Liebesschlager hat nur zwei Zeilen Text. Wozu viele Worte machen. Akkordeonist Maximilian Eder klopft neben der Quetsche auf Knochen und keinen wunderts. Leben und Tod sind nunmal nah beinander in der Provinz. Und Wirt Charly für immer in den Herzen der Vier.

Trotzdem gut, dass die Jungs ihr Dietenhofener Soziotop irgendwann verließen und nach Ansbach fuhren, das bringt neuen Stoff auf die Bühne wie etwa den Bohrmaschinen-Sirtaki, von Ralf Wieland auf der Gitarre gehämmert und vom Publikum frenetisch gefeiert.

Auch der Opa von Klarinettist Simon Schorndanner konnte sich eines Tages nicht mehr halten, nachdem ein schwarzer GI in der Gans seine himmelblaue Fender auspackte und besorgte sich in der Stadt ein englisches Wörterbuch: Der „westmittelfränggische Rock’n’Roll“ war erfunden. Wie der geht, zeigt die Band im DHT und tobt sich dabei richtig aus. Es gäbe noch viele Geschichten zu erzählen von diesem Abend, zum Beispiel die von Florian Silbereisen und dem Fränkischen Flieger. Besser ist: Hingehen, schauen, zuhören, wirken lassen.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger