Informationsveranstaltung zum Netzausbau in Schnaittach

Stromtrasse über Häuser?

Landrat Armin Kroder, Referent Jürgen Rupprecht und Moderator Matthias Grobleben in Schnaittach. | Foto: Dorn2017/01/Infoveranstaltung-Stromtrassen-Monstertrassen-foto-dornLandrat-Kroder-Referent-Rupprecht-Moderator-Grobleben.jpg

SCHNAITTACH — Das komplexe Thema, wie neue Leitungs-Trassen zur Stromversorgung von Nord nach Süd geführt werden sollen, erhitzt seit Jahren die Gemüter auch im Raum Schnaittach, Ottensoos und Altdorf. In letzter Zeit wird die Angelegenheit ruhiger behandelt, denken doch viele, dass mit der Erdverkabelung der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) die Probleme gelöst wären. Doch diese Ruhe könnte trügerisch sein, wie Bürger­initiativen des Nürnberger Landes „gegen überdimensionierten Netz­ausbau“ bei einer Veranstaltung im Badsaal in Schnaittach feststellten.

Petra Kraus, die Vorsitzende der BI Schnaittach, wünscht sich eine sachliche Information zum Thema einerseits und zu einer Form der regenerativen Energiegewinnung, der Stromerzeugung mittels Photovoltaik andererseits. So viel vorweg: Dieser Wunsch geht an diesem Abend in Erfüllung, wozu auch die ruhige, sachliche Moderation durch Matthias Grobleben von der BI Altdorf beiträgt.

Landrat Armin Kroder und Schnaittachs Bürgermeister Frank Pitterlein betonen beide, dass das Thema „P44mod“ weiterhin hochaktuell sei und dass die betreffenden Maßnahmen immer auch dem Ausbau des europäischen Stromversorgungsnetzes dienen. P44mod ist die Bezeichnung für die Hochspannungsleitung, die etliche Ortschaften in der Metropolregion überspannt, und deren Aufrüstung von 220 kV auf 380 kV. Hierfür würden deutlich höhere Masten – bis zu 75 Meter – erforderlich. Dagegen wenden sich die BI nicht nur des Nürnberger Landes, die diese Aufrüstung für unnötig und bezüglich der dezentralen Versorgung mit regenerativen Energien (Energiewende) für kontraproduktiv halten.

Pitterlein führt aus, dass ihm ein bürger- und naturfreundlicher Netz­ausbau am Herzen liege. Die Kommune stehe in Kontakt mit dem Netzbetreiber TenneT, wo sie u.a. dafür geworben habe, dass die BI in den Dialog einbezogen werden. Er sei gegen eine Aufrüstung der über den Ort führenden Leitung zulasten der Bürger, sieht diesen Punkt durch die gesetzlich festgeschriebene Abstandsregelung zur Bebauung aber im Netzentwicklungsplan (NEP) geregelt. Dieser Plan wird in einigen Wochen vorliegen. Gegen die Überbauung bewohnter Gebiete unterstütze er die BI nachdrücklich.

In das selbe Horn, wenn auch mit leichter Akzentverschiebung, stößt auch Armin Kroder. Ihm sei eine Diskussion mit offenem Visier wichtig. Er vergleicht die Strom- mit der Wasserversorgung und kommt zu dem Ergebnis, dass es keine gute Politik wäre, eine schlechte Versorgung abzuschaffen, um sie durch eine ähnlich schlechte zu ersetzen.

Er sei für die Energiewende in der ursprünglichen Form, also durch regenerative Energien. Dadurch werde die Energieversorgung für den industrieorientierten Landkreis aber nicht vollständig gewährleistet sein; es bedürfe zusätzlicher Lösungen. Wenn der Netzausbau komme, müssen die Beteiligten eine verträgliche Lösung finden. Zu berücksichtigen sei, dass auch der Bund Naturschutz, die BI und die N-Ergie als regionaler Versorger sich aus unterschiedlichen Interessenlagen gegen den Netzausbau stark machen.

Im Anschluss stellt Jürgen Rupprecht dar, warum die HGÜ den überdimensionierten Netzausbau nach sich ziehe: „Im Verbund mit anderen Trassen, die ebenfalls von 220 kV auf 380 kV hochgerüstet werden sollen, stellen diese Trassen die Ausfallsicherung für die HGÜ dar und werden europäischen Strom variabler Herkunft transportieren.“

Hier widerspricht Rupprecht auch dem Schnaittacher Bürgermeister, weil aus seiner Sicht die Abstandsregelung eben nicht im Gesetz, sondern in den Begründungen zu finden ist und deswegen keine normative Kraft hat. Außerdem stelle die LEP Landesrecht dar, das durch die Bundesnetzplanung als Bundesrecht gebrochen werden könne. Er zieht als Fazit, dass die BI weiterhin aufmerksam bleiben müssen.

Energieexperte Michael Vogtmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) in Franken stellt im Anschluss, auf eine diesbezügliche Aussage von Landrat Kroder eingehend, die Photovoltaik als eine Möglichkeit, selbst Energie zu gewinnen und damit die Netze zu entlasten, dar. Seine Beispiele variieren unterschiedliche Anlagen- und Speichervarianten mit den derzeitigen Kosten, denen er die staatliche Förderung gegenüberstellt.

Aus seinen Ausführungen ließ sich etwas pauschaliert entnehmen, dass sich eine Photovoltaik-Anlage heutiger Technik und bei der derzeitig garantierten Förderung nach etwa 20 Jahren amortisiere und danach Gewinne abwerfe.

Der gesamte Vortrag ist für Interessierte, die eine derartige Anschaffung überlegen, mit den technischen und auch finanziellen Fakten unter www.stromautobahn.de im Internet zu finden.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn