Großeinsätze in der Schnaittacher Fröschau

Ständig falscher Alarm in der Asylunterkunft

Viel Feuerwehr, aber kein Feuer: am Mittwoch vor dem ehemaligen Gasthof Kampfer.
Viel Feuerwehr, aber kein Feuer: am Mittwoch vor dem ehemaligen Gasthof Kampfer. | Foto: Schuster2017/03/kampf-gest.jpg

SCHNAITTACH — Für die Anwohner der Schnaittacher Fröschau ist es fast schon ein gewohntes Bild: Ein Heer an Einsatzkräften rückt vor der Asylbewerberunterkunft im früheren Gasthof Kampfer an. Doch es brennt nicht. Nur Essen qualmt auf dem Herd, stellen die aus bis zu sieben Orten alarmierten Feuerwehrleute fest. Fünf solcher Einsätze gab es im vergangenen Jahr, am Freitag kamen zwei weitere hinzu. Gestern dann der nächste falsche Alarm. Wie kann das sein, wer trägt die Kosten?

Der Schnaittacher Feuerwehrkommandant überlegt nicht. „Wir fahren, wenn es schellt“, sagt Norbert Schlicht. Binnen zehn Minuten waren am Freitagabend  30 Einsatzkräfte vor Ort, schätzt Frank Pitterlein, der Bürgermeister der Marktgemeinde. Und das, obwohl die Ehrenamtlichen inzwischen schon ahnen, dass sie umsonst ausrücken, wenn sie hören, wohin die Einsatzfahrt geht: zum früheren Gasthof Kampfer.

Die Bewohner der Unterkunft – laut Landratsamt Nürnberger Land rund 75 Asylbewerber – werden nicht zentral verpflegt, sie bereiten sich ihr Essen selbst zu. „Neu angekommene Familien kommen nicht immer mit der Technik der Herde zurecht“, sagt Pitterlein. Wenn beim Kochen etwas mehr Rauch aufsteigt oder wenn jemand sein Essen vergisst, dann springt der über Rauchmelder gesteuerte Hausalarm an. „Entweder die Bewohner selbst oder Nachbarn rufen daraufhin die Feuerwehr“, so Schlicht.

„Der Rauch war schon weg“

Sechsmal war das im vergangenen Jahr ihm zufolge der Fall, nur einmal brannte es dabei tatsächlich in der Küche. Am Freitag mussten die Einsatzkräfte gleich zweimal ausrücken. „Als wir gekommen sind, war der Rauch schon weg“, so Schlicht. Gestern dann erneut ein falscher Alarm. Der Schnaittacher Kommandant will das nicht kommentieren, er sagt nur: „Jede Einsatzfahrt ist eine potenzielle Gefährdung.“

"Der Rauch war schon weg", sagt der Kommandant über die beiden Einsätze am Freitag. Das Bild entstand am frühen Nachmittag, abends mussten die Ehrenamtlichen dann erneut ausrücken.
„Der Rauch war schon weg“, sagt der Kommandant über die beiden Einsätze am Freitag. Das Bild entstand am frühen Nachmittag, abends mussten die Ehrenamtlichen dann erneut ausrücken. | Foto: Schuster/PZ-Archiv2017/03/kampfer-einsatz.jpg

Der Disponent in der Nürnberger Leitstelle, der den Notruf entgegennimmt, entscheidet darüber, wie viele Fahrzeuge sich auf den Weg machen. „Am Freitagnachmittag ist die ganze Kavallerie ausgerückt“, bestätigt Schlicht. Das heißt: sieben Feuerwehren inklusive der Drehleiter aus Lauf, Polizei, Notarzt und Rettungsdienst sowie ehrenamtliche Verstärkung vom Roten Kreuz aus Altdorf und Hersbruck. Sogar der Notfallseelsorger wurde alarmiert.

Bürgermeister Pitterlein rechtfertigt diesen Aufwand: „Hier zählt der Sicherheitsgedanke.“ Der einstige Gasthof als Altbau mit zum Teil verschachtelten Treppenhäusern sei in Sachen Brandschutz ein „sehr sensibles Objekt“. Im Ernstfall müsse die Feuerwehr sofort mit ausreichenden Kräften vor Ort sein, „nichts ist schlimmer als mit der Kübelspritze zum Waldbrand anzurücken“. Pitterlein kann verstehen, dass Ehrenamtliche angesichts der Häufung an Alarmierungen frustriert sind, aber dies sei immerhin „eine gute Übung“.

Betreiber kann zur Kasse gebeten werden

Weil der Markt Schnaittach eine entsprechende Satzung hat, kann der Betreiber der Unterkunft, ein Unternehmer aus Oberbayern, zwar
theoretisch zur Kasse gebeten werden, doch praktisch sind die Hürden dafür hoch. Die Marktgemeinde muss nachweisen, dass der Alarm entweder vorsätzlich oder grob fahrlässig ausgelöst wurde beziehungsweise eine Fehlfunktion vorliegt. Dann gilt pro Feuerwehrmann ein Stundensatz von 24 Euro. „Ein- oder zweimal“, sagt der Bürgermeister, habe man im vergangenen Jahr eine Rechnung an den Betreiber geschrieben.

Auch damals brannte es nicht: die Hedersdorfer Feuerwehr im Frühjahr 2016 vor dem einstigen Gasthof.
Auch damals brannte es nicht: die Hedersdorfer Feuerwehr im Frühjahr 2016 vor dem einstigen Gasthof. | Foto: Schuster/PZ-Archiv2017/03/kampf-apr.jpg

Technische Maßnahmen, etwa die Installation von Zeitschaltuhren an den Herden, blieben hingegen offensichtlich ohne Erfolg. Der Schnaittacher Kommandant will jetzt einen erneuten Anlauf unternehmen. So könnten die Rauch- durch Wärmemelder ergänzt werden. Ein Treffen mit dem Hausmeister ist geplant.

Das Landratsamt, das die Asylbewerber in Schnaittach unterbringt und dafür bezahlt, sieht sich nicht in der Verantwortung für die vielen Feuerwehreinsätze.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel