Entspanntes Festival bei Hormersdorf

Punkrock auf dem Lande

Da ging der Punk ab: Ausgelassen feierten die Festival-Gäste vor der Bühne am Hohen Kreuz bei Hormersdorf (links). | Foto: Schuster2017/07/konrad-festival-tanzende-menschen.jpg

HORMERSDORF — Beim KNRD Festival in der Nähe des Schnaittacher Ortsteils Hormersdorf wechselten sich am Wochenende im Stundentakt 15 Bands aus sieben Ländern auf der Bühne ab. Eine friedliche Punk-rock-Party, bei der nicht nur ausgeflippte Typen sich selbst feierten, sondern auch Gäste aus der Umgebung ihren Spaß hatten. Die Organisation lag in den Händen des gleichnamigen Vereins, der seine Wurzeln in der ehemaligen Laufer Band „Konrad 48“ hat.

Bereits zum sechsten Mal fand das Konrad-Festival beim Laufer Naturfreundehaus am Hohen Kreuz statt. Zwei Tage brachten die Bands aus halb Europa sowie „Get Dead“ aus USA den Punkrock aufs Land. Das gut besuchte und organisierte Festival wurde durch die Bank von allen hoch gelobt: Ob Bands oder die Besucher, alle waren begeistert von der familiären Atmosphäre, bei der auch der hautnahe Kontakt zu den Musiker kein Problem ist. So holte zum Beispiel ein Gitarrist einen Luftgitarre spielenden Fan auf die Bühne, drückte ihm sein echtes Instrument in die Hand und ließ ihn für ein paar Minuten „machen“, erkannte jedoch schnell, dass nur schräge Töne über die Anlage schallten.

Foto: Udo Schuster2017/07/konrad-festival-darko.jpg

Die Jungs von „Darko“ aus England, die europaweit mit ihrem Melodic-Hardcore-Punk touren, feierten ihr Debüt in Hormersdorf bereits vor fünf Jahren. Und das Festival im idyllischen Frankenland hat es ihnen bis heute angetan. Sie selbst bezeichnen es als ihr Highlight in jedem Jahr. Dass hierbei auch neue Freundschaften geschlossen und alte gepflegt werden, versteht sich von selbst.
Aus der niederländischen Provinz Nordbrabant war zum ersten Mal die Band „March“ zum Konradfest gekommen. Frontfrau Fleur dominierte hier nicht nur wegen ihrer Körpergröße, sondern auch mit gekonnten Gitarrenriffs. Die vier Musiker der Band waren von der Landschaft restlos begeistert und übernachteten im Zelt. „Not on Tour“, so der Name der israelischen Band, sowie „Pears“ aus den USA waren die Highlights in den lauen Abendstunden am Freitag.

„Ohne die Laufer Naturfreunde geht es nicht“, betonte der Vorsitzende Andi Eckert vom Verein KNRD Fest und bedankte sich ausdrücklich stellvertretend bei Kurt Bauer, dem Chef der Naturfreunde am Hohen Kreuz. Der Verein will regionalen sowie internationalen Talenten eine Bühne bieten und so zur Belebung der Punkrock-Szene beitragen. Dabei wird stets Wert auf eine angemessene Bezahlung der Bands gelegt und nie gewinnorientiert gearbeitet. Dieses Non-Profit-Denken gefiel auch den Gästen, die meist verantwortungsbewusst mit dem anfallenden Müll umgingen.

Nicht jedem Besucher gefiel alles, was die Bands an Eigenkompositionen auf ihrer Setlist hatten. In diesem Fall konnte man sich in den hinteren Bereich zu leiseren Tönen zurück ziehen. Dort traf man zum Beispiel Otmar Will aus Hormersdorf. Der 81-Jährige (!) war wie alle Jahre zu Fuß zum Fest gekommen. Aber auch junge Familien waren unter den Besuchern, etwa Familie Mardersteiner aus der Gegend um Neumarkt mit ihrem historischen VW Bus. Sie hatten ihren knapp einjährigen Sohn dabei. Selbstredend setzten sie dem Filius einen kindgerechten Gehörschutz auf.

Eine besondere Aufgabe hatte Marc Hlusiak, der stellvertretende Vorstand des Vereins. Er übernahm den nicht immer leichten Job des Schiedsrichters beim traditionellen „Flunkyball“. Ein besonderes Lob bekamen die Organisatoren von einer jungen Frau, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Letztes Jahr konnte ich nicht mitkommen, weil es kein behindertengerechtes WC gab“, sagt die Besucherin aus Baden-Württemberg. „Diese Jahr habe ich bei Konrad nachgefragt und es wurde eigens wegen mir eine geeignete Toilette geordert. Es ist sehr selten, dass man so viel Hilfsbereitschaft bei einem Festival erfährt“. Auch aus dem Schnaittachtal traf man Gäste.

Die Dieselaggregate liefen bis in die späte Nacht auf Hochtouren und versorgten die Musikanlage und alles, was sonst mit Strom betrieben wurde. Einige Gäste nächtigten in der lauen Sommernacht auf der Wiese oder im Zelt. Lange Gespräche mit interessanten Menschen sowie neue Freunde finden und Spaß haben, stand dabei im Mittelpunkt.

Mit über 40 Helfern stemmte das Konrad-Team die komplette Organisation rund um das kleine, aber feine Musikfestival. Die Laufer Naturfreunde halfen dabei kräftig mit und sorgten mit einem Weißwurstfrühstück für gute Laune nach einer langen Nacht, die mit einem Wermutstropfen endete. Wegen Lärmbelästigung durch die Musik hatte sich ein Bürger bei der Polizei beschwert. Um auch für die Zukunft ein gutes Miteinander zu erhalten, wurde das Festival dann nach Mitternacht beim Auftritt der letzten Band abrupt beendet. Die Stimmung der Gäste sank kurzzeitig auf den Nullpunkt, jedoch akzeptierten die Besucher die Entscheidung der Organisatoren. „Jeder kennt irgendwie jeden und genau das macht dieses Konradfest so einmalig“, sagt Florian Deglmann, der frühere Gitarrist bei Konrad 48.

N-Land Udo Schuster
Udo Schuster