Schnaittacher vor Gericht

Psychisch krank statt radikal

Symbolfoto. | Foto: Fotolia2016/11/Gerichtsverhandlung.jpg

SCHNAITTACH/NÜRNBERG — Im Februar versetzte ein 33-Jähriger die Besucher einer Trauerfeier in Schnaittach in Angst und Schrecken, als er den Gottesdienst störte und Koranverse rezitierte. Nun musste er sich wegen anderer Straftaten vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten.

Es war ein früher Frühlingsmorgen im Jahr 2014. Zwischen den Gleisen 2 und 3 am Nürnberger Hauptbahnhof warteten einige Nachtschwärmer auf die erste S-Bahn nach Lauf. Unter ihnen Ari K. (Name geändert). Der Schnaittacher überredete zwei Frauen, ihm einen Hamburger zu spendieren. Dann schnorrte er einen Passanten um eine Zigarette an. Als dieser ablehnte, rastete K. aus: Er beschimpfte den Mann, es kam zum Streit. Am Ende schubste Ari K. seinen Gegner ins Gleisbett. Der brach sich dabei mehrere Finger und zog sich eine Gehirnerschütterung zu.

Wenige Wochen zuvor war Ari K. durch einen weiteren bizarren Auftritt aufgefallen: Er war in das Haus seiner Ex-Frau eingedrungen, ins Schlafzimmer geschlichen und hatte dort am Bett gewartet, bis der neue Partner der Frau wach wurde. Als dieser die Augen aufschlug, eröffnete ihm K., dass er ihn umbringen werde. Die Androhung setzte er zum Glück nicht in die Tat um.

Bis vor zwei Monaten war Ari K. auf freiem Fuß und verhielt sich unauffällig. Am 1. Februar betrat er dann aber mit dem Koran unter dem Arm eine Kirche in Schnaittach. Während die Gemeinde eine Trauerfeier abhielt, begann er arabische Verse zu rezitieren und den Pfarrer zu beschimpfen (hier geht es zum Bericht). Die Polizei nahm den Störenfried fest. Schnell stellte sich heraus, dass es sich nicht um einen radikalen Moslem, sondern um einen psychisch kranken und völlig verwirrten Mann handelte. Er wurde vorläufig in einer Fachklinik untergebracht.

Dort konnten die Ärzte dem 33-Jährigen helfen: Vor der 13. Strafkammer des Landgerichts machte Ari K. einen ruhigen, reflektierten und einsichtigen Eindruck. Es tue ihm leid, was passiert sei, er wolle seine Krankheit unbedingt in den Griff bekommen, versicherte er.

Die Richter verurteilten K. am Ende wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis. In diese Strafe wurde eine frühere Verurteilung des Amtsgerichts Hersbruck einbezogen. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Ulrich Flechtner ordnete außerdem die Unterbringung in der Psychiatrie an.

Beides wurde unter hohen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt. Ari K. muss sich unter anderem regelmäßig in der forensischen Ambulanz und bei einer Psychiaterin behandeln lassen und Anweisungen befolgen. Die Richter gehen davon aus, dass der 33-Jährige bei dieser engmaschigen Betreuung nicht mehr straffällig wird. Auch Staatsanwalt Bernd Zuber und Verteidiger Nils Junge hatten in ihren Schlussworten dafür plädiert, Strafe und Unterbringung zur Bewährung auszusetzen.

Über die Störung der Schnaittacher Trauerfeier wurde noch nicht verhandelt. Das Verfahren liegt derzeit noch bei der Staatsanwaltschaft.

N-Land Clara Grau
Clara Grau