Nach 19 Jahren in der Marktgemeinde

Pfarrer Römischer verlässt Schnaittach

Blick über Schnaittach: Am Enzensteiner Kreuz war Pfarrer Römischer auch häufiger mit seinem katholischen Amtskollegen Konrad Ringl, der 2015 gestorben ist.
Blick über Schnaittach: Am Enzensteiner Kreuz war Pfarrer Römischer auch häufiger mit seinem katholischen Amtskollegen Konrad Ringl, der 2015 gestorben ist. | Foto: Schuster2017/05/pfarrer-romischer-glatzenstein-us.jpg

SCHNAITTACH — Der evangelische Pfarrer Wilfried Römischer verlässt am 1. Juni nach fast 19 Jahren seelsorgerischer Tätigkeit Schnaittach und wechselt in die Oberpfalz nach Floss im Dekanat Weiden.

„Ich liebe meinen Beruf, der für mich im wörtlichen Sinn auch eine Berufung ist“, sagt der Pfarrer, den im Markt alle schätzen, egal welcher Konfession sie angehören. Vor allem die Vielfalt der zwischenmenschlichen Begegnungen mache ihm Freude, so der 55-jährige Römischer. Er fühle sich auf diese Weise bereichert und beschenkt. Und auch deshalb stehe nun ein Wechsel seines Wirkungskreises an.

Römischer ist in und mit der Landwirtschaft des elterlichen Betriebs in Neuendettelsau aufgewachsen. Bereits nach der Konfirmation arbeitete der gebürtige Mittelfranke in der evangelischen Jugendarbeit mit. Zu dieser Zeit entstand auch der Wunsch in ihm, diese Tätigkeit beruflich zu ergreifen. Es folgte das Studium der Theologie in Neuendettelsau, Kiel, Tübingen und Erlangen. 1990 erhielt er eine erste Vikarstelle in Egloffstein. Gemeinsam mit seiner Frau Dorothea Römischer und der damals zweijährigen Tochter ist die Pfarrfamilie 1998 von Würzburg-Heidingsfeld nach Schnaittach gekommen. 1999 erblickte die zweite Tochter bereits im neuen Wirkungskreis um Schnaittach das Licht der Welt.

Nach Egloffstein, Glashütten und Heidingsfeld sind die Kirchengemeinden in Schnaittach und schließlich auch Osternohe „meine große Liebe geworden“, sagt der Geistliche. Und weiter: „In allem Auf und Ab habe ich immer wieder erlebt, welche Ausstrahlung eine Kirche haben kann, wenn Menschen Christsein entdecken und auf das setzen, was sie verbindet.“

Römischer bilanziert: „Ich habe Menschen begleitet bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und im Abschiednehmen, bei Geburtstagsfeiern und am Krankenbett. In den vergangenen Jahren ist uns in der Begegnung und Begleitung von geflüchteten Menschen eine neue Verantwortung zugewachsen. Gerade hier waren mir die Kontakte mit anderen Helfern über den Tellerrand unserer Kirchengemeinde hinaus ein großer Gewinn.“

Jeder dürfe Nähe oder Distanz zur Kirchengemeinde für sich selbst bestimmen, doch er habe stets dazu eingeladen, „sich auf das Evangelium von Jesus einzulassen und kleine Schritte des Vertrauens im Alltag zu probieren – sich wieder zu versöhnen, eigene Verletzungen zu überwinden, zu vergeben, Vergebung zu empfangen, sich etwas zuzutrauen und eigene Gaben zu entfalten“.

Die Gottesdienste in Schnaittach hat Römischer nach eigener Aussage so gestaltet, dass sie zwar Formen von Gegenwartskultur enthielten, aber auch genug Kontrast zum Alltag zeigten: „Wir lobten Gott mit klassischen Chorälen, aber auch mit zeitgenössischen Pop- und Rockrhythmen, mit Anspiel, Interviews, Filmclips und mit dem Klang der Stille und Meditation.“

Unter seiner Pfarrzeit hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. So hat beispielsweise die Technik einen festen Platz in den Gottesdiensten gefunden, zur Mitfinanzierung der Jugendarbeit wurde eine Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach installiert.

Lange Haarpracht

Zur Person des Pfarrers gibt es auch viel zu berichten, was nicht alltäglich im Seelsorgedienst zu erleben war. Dass Römischer im Gottesdienst selbst zur Gitarre griff, war dabei eher unspektakulär. Außergewöhnlich hingegen sein Versprechen, sich für einen bestimmten Spendenbeitrag bei „Brot für die Welt“ die Haare wachsen zu lassen. Nach insgesamt vier Jahren hatte er eine richtig lange Haarpracht, auf die manch einer stolz gewesen wäre. Und so predigte Römischer als Pfarrer mit Pferdeschwanz von der Kanzel.

Gespannt ist der Pfarrer nun auf die neue Kirchengemeinde in Floss. Mit ihren 1700 Gemeindegliedern ist sie kleiner als Schnaittach-Osternohe und deutlich ländlicher. Insgesamt gehören 35 Dörfer zur Gemeinde.

Die evangelischen Gemeinden Schnaittach und Osternohe mit dem Dekan Werner Thiessen hingegen laden zum Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Wilfried Römischer am Sonntag, 21. Mai, um 9 Uhr in Osternohe und um 15 Uhr in der Schnaittacher Christuskirche ein.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel
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