Kriminalstatistik 2016 der Laufer Polizei

Hanf bis Heckenschütze

Die Bereitschaftspolizei sucht den Straßenrand nahe des Schnaittacher Autohofs ab. Von der Aktion erhofft sich die Ermittlungskommission „Polo“ zusätzliche Spuren, die zu dem Heckenschützen führen. | Foto: Schuster2016/09/heckenschutze-autohof-grossbellhofen.jpg

NÜRNBERGER LAND — Die Schüsse auf zwei Autos zwischen Schnaittach und Großbellhofen im vergangenen September stellen die Polizei weiterhin vor ein Rätsel. Dieser ungelöste Fall findet sich in der Kriminalstatistik 2016 wieder, die in der Laufer Polizeiinspektion vorgestellt wurde. Dabei ging es unter anderem auch um häufige Einsätze in Asylunterkünften.

In Schnaittach war es der Aufreger: Am Samstagabend, 24. September, feuerte jemand zwischen Großbellhofen und dem Schnaittacher Autohof auf zwei vorbeifahrende Autos. Verletzt wurde dabei niemand, doch die Polizei nahm den Vorfall sehr ernst. Ermittelt wurde wegen zweifachen versuchten Mordes gegen Unbekannt. Zwar waren etliche Polizisten zur Spurensuche im Einsatz, die Ermittlungskommission „Polo“ wurde gebildet und ein Experte stellte nach, von wo die Schüsse abgefeuert worden sein könnten. Aber aufgeklärt wurde das Verbrechen nicht. Obwohl es sich um einen zweifachen versuchten Mord handelt, wird er in der Kriminalstatistik nur als ein Fall gezählt.

Auffällig im Zahlenwerk: Einsätze in Asylbewerberunterkünften. 214 Fälle kamen 2016 zusammen, im Schnitt etwa vier pro Woche. Im Vorjahr waren es mit 160 deutlich weniger gewesen. Bei der Polizei erklärt man sich die vielen Einsätze damit, dass die Heime im Vorjahr gut gefüllt waren und es dadurch öfter zu sozialen Spannungen kam. Häufig weite sich ein Streit zwischen zwei Personen aus, weil sich Mitglieder der jeweiligen Nationalität einmischen. Aus diesem Grund rückt die Polizei bei Streits in Asylunterkünften jedes Mal mit mehr als nur einer Streife an. „Der Personenkreis ist nicht unbedingt polizeifreundlich“, drückt es Polizeihauptkommissar Harald Zenker, der stellvertretende Ermittlungsgruppenleiter der Laufer Dienststelle, aus.

Ein Fall im Januar 2016 beschäftigte sogar sechs Streifen, also zwölf Beamte.  In der Notunterkunft in Schwaig wurde der Polizei ein Streit gemeldet. Als die Beamten dort ankamen, handelte es sich zwar nur um eine verbale Auseinandersetzung. Doch standen sich Personengruppen mit Eisenstangen in den Händen gegenüber. Die Polizei konnte schlichten. „Das sind zeit- und arbeitsintensive Einsätze“, sagt Zenker – auch, weil sich Streitigkeiten oft in den Abendstunden ereignen und dann weniger Beamte im Dienst sind. Laut Thomas Scheuring, der noch bis Ende dieses Monats probeweise die Laufer Polizei leitet, seien die Zahlen aber seit Ende 2016 wieder rückläufig.

Eine Steigerung ist bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen festzustellen. Waren es 2015 noch 39 Fälle im Bereich der Laufer Inspektion, lag der Wert 2016 bei 57. Das ist eine Steigerung von etwa 46 Prozent. Ein großer Teil davon liegt laut Polizei im Bereich häuslicher Gewalt. Harald Zenker glaubt, dass das am veränderten Anzeigenverhalten der Betroffenen liegt. Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden, meldeten sich mittlerweile viel häufiger als früher bei der Polizei. In der Statistik tauchen dann auch Fälle aus früheren Jahren auf. Zenker glaubt nicht, dass die gestiegenen Werte damit zu tun haben, dass heute mehr Streits eskalieren.

Die Zahl der Diebstähle ist hingegen gesunken: von 832 Fällen im Jahr 2015 auf 643 Fälle im vergangenen Jahr. „Das ist ein bayernweiter Trend“, so Thomas Scheuring, der Polizeichef auf Zeit. Unter Diebstähle fallen auch die Einbrüche in Wohnungen, die von 89 auf 46 zurück gegangen sind, davon 16 in Lauf und sieben in Schnaittach (die PZ berichtete ausführlich zu diesem Thema).

Besonders fette Beute machte ein Täter am 30. Januar 2016 im Laufer Stadtteil Rudolfshof. Aus einem Haus stahl er zwei Tresore, die rund 60 000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von 150 000 bis 250 000 Euro enthielten. Dank eines DNA-Treffers am Tatort sitzt mittlerweile ein Verdächtiger aus Litauen in Untersuchungshaft.

Gestohlen wurde nicht nur aus Wohnungen. Schlagzeilen machte der missglückte Banküberfall in Rudolfshof im Februar. Der unbekannte Täter drückte in der dortigen Sparkasse mehrfach mit seiner Pistole ab, es löste sich aber kein Schuss. Er flüchtete ohne Beute mit einem Fahrrad. Die Polizei glaubt, dass der gleiche Täter für weitere Überfälle auf Sparkassen in Nürnberg zwischen 2013 und 2016 verantwortlich ist. Von ihm fehlt jede Spur.

Spektakulär war auch der Fall einer Angestellten des Laufer Schmuck­unternehmers Thomas Sabo. Die 29-Jährige hatte über zehn Monate lang Ware mitgehen lassen, um sie übers Internet zu verkaufen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 160 000 Euro. Noch höher ist der Wert von acht Endoskopen und zwei Prozessoren, die Mitte August aus dem Laufer Krankenhaus gestohlen wurden. Wert: 250 000 Euro. Laut Polizei steht der Diebstahl mit einer bundesweiten Serie im Zusammenhang, die Spur führt nach Osteuropa.

Eine versuchte vorsätzliche Tötung taucht auch in der Kriminalstatistik auf. Es handelt sich um die Frau, die im Jugendamt im Landratsamt in Lauf gedroht hatte, Mitarbeiter der Behörde anzuzünden. Die Frau stand wegen elffachen versuchten Mordes vor Gericht, wurde aber wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft und Unterbringung in einer ­psychiatrischen Klinik verurteilt (die PZ berichtete ausführlich). In der Kriminalstatistik steht der Straftatbestand, wegen dem ermittelt wurde. Das heißt, dass die Statistik auch nach anderslautendem Urteil nicht geändert wird.

Eine weitere Tücke der Auswertung: Da es sich um eine sogenannte Auslaufstatistik handelt, tauchen dort jene Fälle auf, die im vergangenen Jahr von der Polizei an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurden – ungeachtet davon, wann sich das Verbrechen ereignete.

Stark gestiegen sind die Betäubungsmitteldelikte, und zwar von 109 Fällen im Jahr 2015 auf 242 ein Jahr später. Das ist eine Zunahme von 122 Prozent. „Das liegt an den eifrigen jungen Beamten“, so die Erklärung von Harald Zenker. Es habe vermehrt Personenkontrollen an Orten gegeben, die als Treffpunkte von Drogenkonsumenten bekannt seien. 187 Mal handelt es sich nur um Drogenbesitz, also keinen Handel, Schmuggel oder Anbau. 127 und damit die meisten Fälle betreffen den Wirkstoff Cannabis. Viermal wurde auch Heroin gefunden.

Plantage mit 30 Hanfpflanzen

Eine Hanfplantage mit 30 Pflanzen flog im Juli 2016 auf. Bei Oberndorf (Simmelsdorf) brachten Jäger die Polizei auf eine professionelle Aufzuchtanlage. In der Folge wurden Wohnungen durchsucht, Drogen und ein großer Geldbetrag gefunden.

Gestiegen sind auch die Sachbeschädigungen vor allem im öffentlichen Raum. Darunter fallen auch Graffiti. Vier junge Sprayer hat die Laufer Polizei seitdem festgenommen. Sie sollen jeweils für mehrere Straftaten verantwortlich sein.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer
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