Speikern feierte 28. Hopfenfest

Rund ums grüne Gold

Hopfenbauer Gerhard Merkl nahm Besucher des Hopfenfestes mit auf sein Feld und erklärte die Ernte. | Foto: Schuster2017/09/hopfenfest-merkel-feld.jpg

SPEIKERN — Zum 28. Mal fand im Neunkirchener Ortsteil Speikern das weit über die Landkreisgrenze hinaus bekannte Hopfenfest statt. Den Gästen bot sich ein buntes Programm rund um das „grüne Gold“.

Franz Semlinger, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Neunkirchen, der das Fest organisiert, hatte sich mit seinen rund 100 Helfern einiges einfallen lassen. Ein besonderes Highlight war der Auftritt der „Glen Regnitz Pipe Band“, die in Uniform mit Schottenrock schottische Volkslieder auf ihren Dudelsäcken spielten.

Die „Glen Regnitz Pipe Band“ war zu Gast in Speikern. Franz Semlinger (links, rotes T-Shirt), Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, freute sich. | Foto: Schuster2017/09/hopfenfest-sem-schottenmusik.jpg

Beim traditionellen Hopfenzupfwettbewerb zeigte sich, wer mit der Pflanze aufgewachsen ist. Innerhalb von zwei Minuten mussten möglichst viele Dolden in einem Eimer gesammelt werden. Mit 194 Gramm war Irenius Jurovski aus Speikern der Sieger, dicht dahinter folgte Thomas Ramsenthaler mit 181 Gramm, Werner Häberlein aus Hohenstein belegte den dritten Platz.

Die 76-jährige Hildegard Gramann war gerade erst von einem Aufenthalt im Krankenhaus zurück und machte mit 135 Gramm einigen jüngeren Konkurrenten etwas vor. Als es noch weit verbreitet war, den Hopfen mit der Hand zu ernten, war sie in Weißenbach immer mit dabei, erzählte sie.

Auch Gerlinde Hofmann aus Neunkirchen erinnerte sich. „Bis vor 56 Jahren habe ich in Rabenshof gelebt. Wir hatten unsere Hopfenfelder nahe Hinterhof und ich kann mich noch gut an den Stangenhopfen erinnern. Wir mussten als Kinder auch mit anpacken“, so die 75-Jährige.

Werner Wolf, Direktor am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth, hat als Bub mit seinen Geschwistern noch jede einzelne Dolde auf dem Feld aufgelesen. „Für uns war die Hopfenernte über zwei bis drei Wochen die wichtigste Arbeit im ganzen Jahr“, berichtete der Ottensooser. Das änderte sich erst, als die Familie 1962 eine Hopfenpflückmaschine beschaffte.

Bis zu zwölf Euro Ertrag pro Kilo

Wolf erklärte den Gästen, welche Sorten in der Region angebaut werden. Unter den rund 20 unterschiedlichen Anbausorten befindet sich auch die weit verbreitete Hopfensorte „Hersbrucker Spät“. So vielseitig die Sorten sind, so unterschiedlich ist auch der Erlös nach der Ernte – zwischen sechs und zwölf Euro je Kilogramm beziffert Werner Wolf den finanziellen Ertrag. Dafür will der Hopfen auch jeden Tag seinen Herren sehen, so das Sprichwort.

Das „grüne Gold“ konnte im Rahmen des Speikerner Hopfenfestes auch gekauft werden. | Foto: Schuster2017/09/hopfenfest-hopfenverkauf.jpg

Den Hersbrucker Spät pflückte auch der Hopfenbauer Gerhard Merkl, allerdings maschinell. Besucher des Hopfenfestes konnten mit ihm auf der Ladefläche zu einem seiner Felder fahren. Dort erklärte der Speikerner ausführlich den Vorgang der Ernte. Nicht nur für die Kinder war diese Fahrt ein Erlebnis zum Anfassen, denn Merkl fuhr in das Feld und zeigte hautnah, wie das automatische Abreißen der Reben funktioniert. Dabei standen die interessierten Gäste noch auf dem Ladewagen.

Danach ging es in den Hof, um die weitere Verarbeitung des „grünen Goldes“ zu demonstrieren. Dort warf Merkl seine Pflückmaschine aus dem Jahr 1973 an und mit lautem Getöse schluckte der Apparat die Reben, bis am Ende nur noch die Hopfendolden herauskamen. Bis zu 20 Pflücktage ist das Monstrum im Einsatz. Aufgrund des Alters bleiben Defekte an der Elektrik oder der Mechanik nicht aus. Über eine neue Maschine denkt er derzeit aber nicht nach.

Freude über gutes Wetter

Acht Hektar Hopfen werden am Ende der Saison abgeerntet sein. „Das gute Wachstumswetter beschert uns fränkischen Hopfenbauern eine optimale Qualität“, sagte der Hopfenbauer. Eine Garantie, dass das Wetter auch in den kommenden Jahren passt, gebe es aber nie, so Merkl. Nur noch zwölf Hopfenpflanzer sind im heimischen Anbaugebiet, das weit über das Schnaittachtal und Hersbruck hinausgeht, aktiv.

Landrat Armin Kroder erzählte in seinem Grußwort von seinen Erlebnissen beim Bierbrauen. „Auf die richtige Temperatur und Zeit kommt es an.“ Kroder hatte seinen ersten Kontakt zum Hopfen als junger Bursche bei seinen Großeltern in Simonshofen, daheim in Neunkirchen hatten die Eltern keinen Hopfen mehr, den er mit pflücken hätte müssen.

Die Neunkirchener Bürgermeisterin Martina Baumann freute sich mit dem Verein, weil es das Wetter gut mit der Veranstaltung meinte. Regen blieb in Speikern aus und zum Ende des Festes spitzte sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor.

Im Speikerner Hopfenmuseum konnten alte Gerätschaften rund um den Anbau des „grünen Goldes“ bestaunt werden. Da das Schnaittachtal fest mit der Herrschaft am Rothenberg verbunden war, hatten die Vereinsmitglieder die Sonderausstellung „Die Herrschaft am Rothenberg – der Stachel im Fleisch der Nürnberger“ im hinteren Teil der Scheune aufgebaut.

Sehr zufrieden mit der Veranstaltung waren nicht nur die Organisatoren, sondern auch die Betreiber der Stände. Hier konnte man einem Korbmacher über die Schulter schauen und Geflochtenes erwerben oder an anderer Stelle Holzartikel, wie Rechen oder Schemel, kaufen. Als Stammgast unter den Ausstellern war das Hexenstübchen aus Großbellhofen ebenfalls vertreten.

Zu Gast in Speikern waren auch zahlreiche Bulldogs. Während der Besuch der „Bulldoghelden Glatzenstein“ angekündigt war, kamen andere Traktoren, die vorher in Happurg an einem Treffen teilnahmen, spontan vorbei und nutzten die Rast zur Stärkung für die Heimfahrt.

Auf www.n-land.de/fotos gibt es eine Bildergalerie mit Eindrücken vom Hopfenfest.

N-Land Udo Schuster
Udo Schuster