SV Schwaig verliert Tabellenführung

Rüsselsheim als Stimmungskiller

Libero Jonathan Schönhagen (Mitte) war für Gästetrainer Luis Emilio Ferradàs der beste Schwaiger. Die Niederlage konnte er aber nicht verhindern. | Foto: Siefker2018/01/SV-Schwaig-Volleyball-Zweite-Buli-Libero-Foto-Siefker.jpg

SCHWAIG — Die Freude über den ersten Platz währte nur eine Woche. Nach der 1:3-Niederlage (25:27, 25:21, 22:25 und 23:25) im Heimspiel gegen die TG 1862 Rüsselsheim ist der SV Schwaig die Tabellenführung in der Zweiten Bundesliga Süd bereits wieder los.

Die Spannung in der Hans-Simon-Halle war mit Händen greifbar: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte empfingen die Schwaiger als Zweitliga-Tabellenerste einen Gegner in der heimischen Gelben Halle, und dann ausgerechnet die TG aus Rüsselsheim. Drei Spiele gegen diesen Gegner – also alle zuvor – hatte der SVS bis dato nicht für sich entscheiden können, mehr Vorwarnung ging nicht.

Und das Spitzenspiel Erster gegen Vierter hielt, was es versprach: 330 Zuschauer wurden Zeuge eines Volleyball-Krimis auf höchstem Niveau, bei dem beide Teams fair, mit tollen Spielszenen und beeindruckenden Blöcken um Lufthoheit rangen. Die hoch motivierten Schwaiger gingen mit 7:3 in Führung, doch ehe sie sich versahen, lagen sie mit 8:9 zurück. Spätestens als sich das mit 15:18 und 19:22 fortsetzte, war allen klar: gegen Rüsselsheim gibt es erneut nichts geschenkt.

Doppelblock, Einsatzwille und Aufschläge der Gäste vom Main waren beispielhaft. Bei Schwaig zeigte Perica Stanic, wie im gesamten Spiel, Licht und Schatten. Die Aufschläge des Heimteams und die anfangs gewohnt brachialen Angriffe von Michal Dzierwa hielten den ersten Satz bis zum Schluss offen. Doch es reichte nicht. Nach 24:24 und 25:25 mussten die Gelbblauen den Startsatz nach knapp einer halben Stunde abgeben – zum fünften Mal in dieser Saison und zum überhaupt erst zweiten Mal in eigener Halle.

Starker zweiter Satz

Aufgeweckt und mit noch größerem Respekt gingen die Mannen von Trainer Jozef Janosik in den zweiten Satz. Auch dank der richtigen Einstellung klappte es jetzt besser: Nach 25 Minuten konnten die Schwaiger von einer knappen 7:6-Führung bis zum 12:6 sieben Punkte hintereinander erzielen. Die Rüsselsheimer taten sich in dieser Phase schwer und Schwaig gelang der 1:1-Satzausgleich. Die beiden Mannschaften präsentierten sich auf Augenhöhe, es war noch nicht auszumachen, welche an diesem Abend die Nase vorn haben würde.

Nach zwei weiteren umkämpften und bis zum Ende spannenden Sätzen war die Enttäuschung bei Schwaig groß. Trotz klasse Angriffsszenen von Tim Rosenow, Florian Tafelmayer, Mariusz Wacek und Christian Starosczik, trotz unermüdlicher Rettungsaktionen von Libero Jonathan Schönhagen, der „Most Valuable Player“ der Schwaiger wurde, trotz feiner Block-Aktionen des Außenangreifers Yannick Klement und trotz der Einwechslung des Zuspielers Wichard Lüdje, der neue Impulse am Netz geben sollte – es reichte erneut nicht gegen den Angstgegner aus Hessen.

Fehlt ein „Leader“?

SVS-Coach Jozef Janosik gab danach zu Protokoll, dass er in den engen Momenten einen Leader vermisst habe, einen auf dem Feld, der das Heft in die Hand nahm, seine Mitspieler mitriss, aufstachelte. Den Schwaigern war anzusehen – auch an der Körpersprache vor allem im schlauchenden vierten Satz, in dem sie ständig einem Rückstand hinterher liefen –, dass sie von der Kompaktheit und der Kondition der Gäste beeindruckt waren. „Wir mussten heute für jeden Punkt doppelt hart kämpfen“, zollte Janosik den Gästen Anerkennung, und auch Diagonalspieler Rosenow erkannte neidlos an: „Die waren ungeheuer stabil, und wir nur phasenweise.“ Es mangelte an Konsequenz im SVS-Team, am letzten Biss, am entscheidenden Quäntchen.

Unverdient war die vierte Saisonniederlage der Schwaiger und die dritte in eigener Halle nicht. Rüsselsheim gönnte sich in 98 Minuten keine längere Schwächephase. Die Positionen des Teams von Luis Emilio Ferradàs waren agil besetzt. Schwaigs Coach Janosik sagte nach der Pleite trotzig: „Spitzenreiter? Ich achte nie auf unsere Tabellenposition, wir schauen wie immer von Spiel zu Spiel. Und jetzt wischen wir uns den Mund ab und konzentrieren uns aufs nächste.“

Erster bleiben ist schwieriger, als Erster werden, das gilt für viele Sportarten und Ligen, auch die Zweite Volleyball-Bundesliga Süd. Lange hadern darf der SVS mit dem Absturz auf Rang drei – beide Verfolger gewannen ihre Spiele – nicht. Das Spitzenquartett liegt in Niveau und Punktezahl derart dicht beieinander, dass sich das Bild ohnehin rasch wieder ändern kann.

Am 20. Januar am Bodensee wollen die Schwaiger beim punktlosen Tabellenletzten VYS Friedrichshafen unbedingt punkten, denn am 27. Januar wartet schon das nächste Spitzenspiel – beim aktuellen Tabellenführer in Eltmann.

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