Rückersdorfer Familienbetrieb hat geschlossen

In der Bäckerei Fick bleibt der Ofen aus

Christine Fick und ihre Eltern Sinaida und Friedrich (von links) in der Backstube, wo Friedrich Fick 1955 als 14-Jähriger seine Lehre begann. | Foto: Buchner-Freiberger2019/01/backerei-fick-ruck-christine-sinaida-friedrich1.jpg

RÜCKERSDORF — Wieder gibt es eine alteingesessene Familienbäckerei weniger: Friedrich und Sinaida Fick haben aus Altersgründen zum 31. Dezember 2018 ihren Laden samt Backstube an der Rückersdorfer Hauptstraße geschlossen. Seit 1826 hatte an dieser Stelle der Traditionsbetrieb existiert, der den Rü­ckersdorfern vor allem wegen seiner „Kipfle“ in Erinnerung bleiben wird.

Friedrich Fick ist 77, seine Frau Sinaida sogar 88 Jahre alt. Zwar wurden sie von Tochter Christine und einem Gesellen unterstützt, doch zuletzt spielte vor allem die Gesundheit von Friedrich Fick nicht mehr mit. Der heiße Sommer hatte ihm arg zugesetzt, Anfang Dezember fiel dann aber relativ kurzfristig die Entscheidung zur Geschäftsaufgabe.

Als 14-Jähriger hatte Friedrich Fick 1955 die Bäckerlehre bei seinem Vater begonnen, „einen Tag nachdem ich aus der Schule gekommen bin“, erinnert er sich. Schon als Bub hatte er regelmäßig in der Backstube aushelfen müssen, außerdem in der Landwirtschaft, die damals noch zum Betrieb gehörte. Sechs Bäckereien gab es zu dieser Zeit in Rü­ckersdorf, „und alle hatten gut zu tun“, weiß Friedrich Fick. Später machte er seine Meisterprüfung. 1969 heiratete er seine Frau Sinaida, die als Vertriebene aus Wolhynien kam, einem Gebiet in der heutigen West-Ukraine.

Für sie war die Arbeit im Laden erst einmal gewöhnungsbedürftig. „Ich wollte beruflich alles machen, nur nicht verkaufen“, erzählt Sinaida Fick schmunzelnd. 1970 übernahm Friedrich Fick den Betrieb, der von seinem Urgroßvater gegründet worden war, komplett vom Vater.

63 Jahre lang hieß es für ihn: früh aufstehen. Oder besser: mitten in der Nacht. Unter der Woche ging das Licht in der Backstube spätestens um 2.30 Uhr an, am Wochenende schon um 23.30 Uhr. „Ich habe immer geschaut, dass ich abends um acht ins Bett bin, und habe mich dann meistens über Mittag nochmals ein bisschen hingelegt“, erzählt Friedrich Fick. Und seine Tochter Christine, die in den letzten Jahren voll im Betrieb mitarbeitete, meint lachend: „Schlafstörungen kenne ich nicht. Bäcker können immer und überall schlafen, wo eine Couch steht.“

Viele Jahre lang brachte Friedrich Fick Brot und Brötchen sogar direkt zu seinen Kunden an die Haustür, mit einem Rucksack auf dem Rücken. Trotz seines Arbeitspensums engagierte er sich in Posaunen- und Kirchenchor sowie in der Feuerwehr.

Fick‘sche Spezialität waren die „Kipfle“, Brötchen mit spitz zulaufenden Ecken, für die jede Menge Handarbeit nötig war. Zwischen 100 und 400 davon wurden jede Nacht in der Backstube produziert. Ein „Renner“ waren außerdem die Wickinger“-Brötchen aus Vollkornteig. Für ihr Brot setzten die Ficks vor allem auf einen ordentlichen Sauer­teig, „denn der macht den guten Geschmack“. Trotzdem probierten sie im Lauf der Jahre auch Fertigmischungen für ihre Produkte aus, „weil es den Kunden geschmeckt hat“, wie Sinaida Fick sagt.

Seit 1826 gab es an der Rückersdorfer Hauptstraße die Bäckerei der Familie Fick. Nun ist der Laden geschlossen | Foto: Buchner-Freiberger2019/01/backerei-fick-gebaude-aussen2.jpg

Auch bei den Maschinen ging man mit der Zeit, nur noch ein Rührgerät in der Backstube stammt von 1950, „und das funktioniert immer noch“. Allerdings war die Backstube nicht klimatisiert, vor allem im Hitzesommer 2018 hatte man deshalb öfter mal Probleme mit den Teigen, erzählt Tochter Christine Fick.
Zuletzt sei unter der Woche weniger los gewesen im Laden, „das Geschäft hat sich mehr aufs Wochenende verlagert, wenn zum Beispiel samstags fürs große Familienfrühstück eingekauft wurde“.

Sie selbst kann als Quereinsteigerin den Betrieb nicht weiterführen, dafür bräuchte sie einen Meisterbrief. Mit Fremdpersonal, das zudem schwierig zu bekommen sei, lohne sich das Geschäft nicht mehr. Was mit dem Laden passiert, wissen die Ficks zurzeit noch nicht. Er ist räumlich eng mit den privaten Räumen verzahnt, will man den Bereich vermieten, müsste man ihn baulich besser abtrennen. In der Bäckerinnung Nürnberg sind derzeit noch 23 familiengeführte Bäckereien in der Stadt und auf dem Land organisiert.

Wo sie künftig ihre Brötchen und ihr Brot kaufen, müssen sich die Ficks noch überlegen. „Das schmeckt alles nicht so richtig“, meint Sinaida Fick. So lange sie noch ihre Vorräte aufbrauchen müssen, bäckt ihr Mann die Brötchen für den Eigenbedarf weiter selbst.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger