Lorenz Hofmann (14)

Röthenbacher Schachtalent will hoch hinaus

Das königliche Spiel ist sein liebstes Hobby: Lorenz Hofmann vom Schachverein Lauf bei einer Partie im Verlagsgebäude der Pegnitz-Zeitung. Sein großes Ziel: FIDE-Meister werden. | Foto: Kirchmayer2018/05/Schach-Lorenz-Hofmann-SV-Lauf-Kopie.jpg

LAUF/RÖTHENBACH — Der Röthenbacher Lorenz Hofmann ist einer der besten Schachspieler des Landkreises, dabei ist er erst 14 Jahre alt. Für die Pegnitz-Zeitung hat er sich für ein Gespräch und eine Partie Schach mit Lokalredakteur Andreas Kirchmayer getroffen.

Der 14-Jährige ist einer der besten Schachspieler Bayerns in seiner Altersklasse. Mit einem sechsten Platz bei den Bayerischen U16-Einzelmeisterschaften, die während der Osterferien in Bad Kissingen stattfanden, hat er das erst vor knapp zwei Monaten wieder einmal unter Beweis gestellt. Drei Siege, drei Remis und nur eine Niederlage in sieben Spielen sind eine gute Bilanz. Am Ende war er punktgleich mit den auf den Plätzen zwei bis fünf liegenden Konkurrenten, nur Feinheiten verhinderten ein besseres Abschneiden. Als Freizeitspieler bin ich gespannt, wie lange ich gegen das große Talent vom Schachverein Lauf durchhalte.

Erst beim sechsten Zug unserer Partie im Verlagsgebäude der PZ schaut Lorenz erstmals etwas länger in die Stellung. Er hat mich mit den weißen Figuren anfangen lassen, hat auf 1. d4 symmetrisch geantwortet und in der Folge die Slawische Verteidigung gewählt (Zugreihenfolge zum Nachvollziehen ganz unten).

Lorenz ist es gewohnt, gegen Erwachsene anzutreten. Der Röthenbacher tritt für die Herrenmannschaft des Schachvereins Lauf in der Bezirksliga 1 an. Seine ELO-Zahl liegt bei 1899. Diese internationale Wertungszahl gibt die Spielstärke von Schachspielern an. Die hierzulande genutzte DWZ (Deutsche Wertungszahl) liegt bei 1916. „Könnte besser sein“, findet Hofmann. Schließlich hat er große Ziele. Er möchte irgendwann mal FIDE-Meister werden. „Es ist noch im Bereich des Möglichen, aber man muss da schon echt gut sein“, sagt der 14-Jährige. Nötig ist dafür eine Elo-Zahl von 2300.

Schach bleibt ein Hobby

Ein Idol hat Lorenz nicht, auch nicht den aktuellen Weltmeister Magnus Carlsen. Der 27-Jährige war ein Schach-Wunderkind, schon mit 13 wurde der Norweger Großmeister. Lorenz macht sich nicht verrückt. Schach ist und bleibt ein Hobby. Rund 20 Bücher über das königliche Spiel hat er zu Hause, aber er schlägt sie selten auf. „Vielleicht komme ich noch auf den Geschmack.“ Schaden kann es nicht, wenn er den Traum vom FIDE-Meistertitel verwirklichen möchte.

In unserer Partie übernimmt Lorenz schnell die Kontrolle über das Zentrum, obwohl er mit Schwarz eigentlich ein Tempo hinten dran ist. Wie nach dem Lehrbuch entwickelt er erst die Springer und dann die Läufer. Im neunten Zug schützt er seinen König mit einer Rochade.

Einen bestimmten Spielstil hat der Röthenbacher nach eigenen Angaben nicht. „Ich versuche, die Eröffnung zu überleben“, sagt er. Im Schach geht es sehr oft darum, wer nach den ersten zehn, fünfzehn Zügen besser in die Partie gefunden hat. Gerade bei zwei ähnlich starken Gegnern kann die Entwicklung der Figuren für den weiteren Spielverlauf entscheidend sein.

Deshalb verbringen manche Spieler im Vorfeld von Partien viel Zeit damit, Stellungen vorzubereiten. Lorenz macht das wenig Spaß. „Schach besteht heute viel daraus, Varianten auswendig zu lernen. Das finde ich ein bisschen schade.“ Bei manchen Spielern sei der Fleiß ausgeprägter als die Kreativität.

Im 17. Zug mache ich dann einen fatalen Fehler. Ich nehme den Springer auf e4 mit meinem Springer, Lorenz schlägt mit dem d-Bauern zurück und hat eine Gabel. Er bedroht meinen übrigen Springer und einen Läufer gleichzeitig. Den Verlust einer der beiden Leichtfiguren kann ich nicht mehr verhindern und gebe auf. Gegen einen guten Spieler ist diese Stellung aussichtslos.

Konzentration ist im Schach mindestens so wichtig wie eine gute Vorbereitung. Ein Leichtsinnsfehler kann ab einem gewissen Level schon die sichere Niederlage bedeuten. „Am Anfang war ich auch unkonzentriert“, sagt Lorenz. Besser wird es mit der Erfahrung, tröstet mich der 14-Jährige.

Er besucht das Laufer Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium, aber das Klischee vom Schachgenie und Streber trifft bei ihm nicht zu. „Die Noten sind nicht so berauschend“, erzählt er. Neben dem Schach trainiert Lorenz mit seinen 1,95 Metern als Fußballtorwart in der C-Jugend des TSV Lauf mit. Doch die Punktspiele verpasst er meistens, denn am Wochenende finden zeitgleich die Schachpartien statt. „Schach bleibt mein liebstes Hobby, aber den Fußball brauche ich als Ausgleich.“

Frühe Erfolge

Zum Schach ist er durch Zufall gekommen. Mit sechs Jahren fand er Brett und Figuren zu Hause in einer Spielesammlung und machte gegen seine Mutter die ersten unkontrollierten Züge. Seine Eltern sind keine Schachspieler, also besuchte Lorenz einen Kurs in der Montessori-Grundschule in Lauf. Gegen den Wunsch seiner Mutter machte er bald bei einem Schulschachturnier an der Rudolfshofer Grundschule mit – sie befürchtete, dass er sich blamiert. Doch Lorenz wurde hier auf Anhieb Dritter und fand Gefallen an dem Spiel. Noch als Grundschüler trat er dem Röthenbacher und dann dem Laufer Schachverein bei. Eine Jugendmannschaft gab es nämlich nur in der Kreisstadt.

Lorenz lässt mich den 17. Zug wiederholen. Ich spiele nun vorsichtiger. Den Druck aufs Zentrum kann ich verringern, aber Schwarz hat das Läuferpaar, ein Vorteil in offenen Stellungen wie dieser.

Was er besonders gerne spielt? Italienisch. Die Eröffnung ist ein Klassiker, auf die Bauern auf e4 und e5 und die Springerzüge auf f3 und c6 folgt der Läuferzug auf c4. „Das habe ich als Erstes gelernt und damit habe ich die meiste Erfahrung“, sagt Lorenz. Auf dem Brett sei die Italienische Eröffnung aber selten, die Gegner erwidern auf seinen ersten Zug nämlich meistens nicht wie erhofft mit e5. Offene Spiele sind Lorenz lieber. Ihm komme es entgegen, wenn das Feld aufgeräumter ist und sich mehr Möglichkeiten ergeben, sagt er.

Im Schachverein Lauf zählt er seit ein paar Jahren zu den Besten. Vor zwei Jahren gewann er die Stadt- und Vereinsmeisterschaft, 2017 wurde er Vereinspokalsieger. Aktuell steht er im Finale. „Er spielt relativ viel, versucht alles mitzunehmen, was geht“, sagt André Simon, der für den SV Lauf die Pressearbeit macht. „Jugendliche haben oft Probleme, mit der Zeit umzugehen, das hat Lorenz gut im Griff.“ In Turnierspielen läuft die Uhr mit und sorgt für zusätzlichen Druck. Simon glaubt, dass Lorenz’ Traum vom FIDE-Meistertitel durchaus realistisch ist, wenn er sich nicht zu sehr ablenken lässt. Schwierig wird es auch nach der Schule, etwa bei einem Studium: „Schach ist zeitaufwändig“, sagt Simon.

Abschied vorprogrammiert

Und er weiß, dass Lorenz’ Zukunft vermutlich nicht in Lauf liegt. „Ich hoffe, dass er bleibt“, sagt Simon, aber wenn sich der 14-Jährige wie erhofft entwickelt, wechselt er vielleicht schon in wenigen Jahren nach Nürnberg, wo es größere und erfolgreichere Vereine gibt. „Falls ich eine höhere Spielstärke erreichen sollte, wird es vermutlich nicht anders gehen“, sagt Lorenz.

„Alles ausgeglichen“, kommentiert er nach dem 27. Zug. Einen offensichtlichen Fehler habe ich nicht mehr begangen. Einige Figuren, darunter die Dame und beide Türme, konnte ich abtauschen, ohne dabei arg in Bedrängnis zu geraten. Mit den Bauern und meinen Springern stehe ich defensiv gut. Die Bauernstruktur ist im Endspiel geschlossen. Das sollte mir mit den Springern gegen Lorenz’ Läuferpaar eigentlich entgegenkommen. Ist nun vielleicht ein Remis drin? Ich tausche ab – aber zum falschen Zeitpunkt, analysiert Lorenz im Anschluss. Ich hätte die Springer auf dem Feld behalten müssen. Nach dem 43. Zug zeichnet sich ab, dass mein isolierter Bauer im Zentrum nicht mehr zu halten ist. Ich gebe auf.

Für Lorenz war die Partie bei der Pegnitz-Zeitung ein besonderes Spiel. Zwar ist er viel stärkere Gegner gewohnt, aber es ist sein erstes Interview. Deswegen war er nervöser als sonst, gibt er im Nachhinein zu. Schwer zu erkennen war die Aufregung nicht. Den ersten Bauern, den er vom Brett genommen hat, lässt er während des Spiels unentwegt nervös durch die Finger gleiten wie ein Pokerspieler seine Chips.

Die Zugfolge der Partie

Die Stellung nach dem 43. Zug, in der PZ-Redakteur Andreas Kirchmayer die Partie gegen Lorenz Hofmann verloren gibt.2018/05/Schach-Endstellung-nach-43.-Zug.jpg

 

1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.c4 c6 4.e3 e6 5.Sc3 Sbd7 6.Le2 Ld6 7.0-0 b6 8.cxd5 exd5 9.a3 0-0 10. Dc2 Lb7 11.Ld2 Te8 12.Ld3 Tc8 13.Sg5 h6 14.Sf3 c5 (14. Sxf7 Kxf7 15. Lg6+ wäre ein Tausch zweier Leichtfiguren gegen Turm und f-Bauer. Lorenz glaubt, Schwarz steht im Anschluss besser) 15.Tfe1 Se4 16.Lc1 Sdf6 (17.Sxe4 ist ein fataler Fehler. Schwarz antwortet mit dxe4. Sein Bauer bedroht jetzt einen Läufer und einen Springer gleichzeitig, eine sogenannte Gabel. Das heißt, Weiß verliert eine Qualität ohne Kompensation. Weiß gibt auf. Das Spiel wird mit einem alternativen Zug forgesetzt.

17.dxc5 Txc5 18.Ld2 De7 19.Tac1 T8c8 20.Db1 Sxd2 21.Sxd2 Lb8 22.Sf3 (Stellung im Foto) a6 23.Sa4 Txc1 24.Txc1 Txc1+ 25.Dxc1 Dc7 26.Dxc7 Lxc7 27.Sd4 g6 28.f4 Se4 29.Lxe4 dxe4 30.Kf2 Kf8 31.h3 Ke7 32.g4 Kd6 33.f5 g5 34.Sc3 b5 35.b4 Ld8 36.Kg3 Lf6 37.Sce2 Ld5 38.Kf2 Lc4 39.Sc3 Ld3 40.Ke1 Le5 41.Kd2 Lg3 42.Sce2 Lxe2 43.Kxe2 Le5. Weiß gibt auf.
Auf Dauer ist entweder der Bauer auf a oder auf e nicht mehr zu retten, auch ein Abtausch der beiden Leichtfiguren bringt nichts.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer