Gemeindezentrum in Röthenbach fertig

Ramadan in neuen Räumen

Links der riesige Gemeinschaftsraum, rechts Muezzin Osman Boz, Vorsitzender Recep Calik und Vorbeter Mehmet Ali Sarö (von links) in der neuen Moschee2014/06/84745_ramadanmoscheeroethgebetsraum1_New_1403942464.jpg

RÖTHENBACH — Heute beginnt für die Muslime der Ramadan. Für die türkisch-islamische Gemeinde in Röthenbach ist der Fastenmonat in diesem Jahr etwas ganz Besonderes, denn erst seit zwei Wochen ist ihr neues Begegnungszentrum an der Bahnhofstraße mit der Moschee im Mittelpunkt endgültig fertig geworden.

Die Wände schmücken hunderte, in der Türkei handgefertigte Kacheln mit blauen Ornamenten. Ein riesiger goldener Leuchter hängt von der Decke, die wiederum mit kunstvollen arabischen Schriftzeichen bemalt ist, den 99 Namen Gottes. „Das hat ein deutscher Maler mit einer Schablone gemacht“, erzählt Recep Calik, der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Röthenbach. Der beeindruckende Gebetsraum im ersten Stock ist der Mittelpunkt und zugleich das Schmuckstück des neuen Gemeindezentrums. Zwei Jahre wurde daran gebaut, allein sechs Monate dauerte die Ausmalung der Decke.

Immer noch ein vergleichsweise kurzer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass der Verein mehr als 15 Jahre nach einem passenden Grundstück in Röthenbach suchte. Ja, man sei jetzt sehr stolz, meint Calik erleichtert, doch der 1,7 Millionen Euro teure Neubau sei für die Gemeinde auch ein finanzieller Kraftakt. Das Geld kam fast ausschließlich durch Spenden der rund 425 Mitglieder zusammen, nicht nur Türken, sondern auch Menschen aus Mazedonien, dem Iran oder Afrika. Was noch fehlt, sind zusätzliche Parkplätze, dafür will man noch ein weiteres Grundstück gegenüber kaufen.

Ab heute wird es in dem Gebäude, zu dem auch ein großer Gemeinschaftsraum sowie Freizeit- und Unterrichtsräume gehören, so richtig voll. Denn die Muslime feiern 29 Tage lang Ramadan. Der Fastenmonat erinnert an die Überlieferung des Koran von Allah an seinen Gesandten Mohammed in den Jahren 610 bis 632. Er richtet sich nach dem Mondkalender, daher verschiebt er sich jedes Jahr um zehn Tage nach vorne. Von Sonnenaufgang bis -untergang nichts essen oder trinken, wie schafft man das? „Es ist nicht leicht, aber machbar“, sagt Recep Calik. Kranke, Schwangere, Kinder oder Menschen, die schwer arbeiten, müssen sich nicht in Verzicht üben. „Meine Kinder fasten zum Beispiel nur einen Tag am Wochenende, so werden sie langsam an den Ramadan gewöhnt“, erzählt der 36-Jährige, der als Baby nach Deutschland kam. Und wer bei Diehl am Hochofen stehe, müsse natürlich trinken. Manche Gemeindemitglieder nehmen deshalb extra für Ramadan Urlaub, weiß Calik.

Durch das Fasten soll man sich näher bei Allah fühlen, aber auch zu den Menschen, die nichts haben. Deshalb geht es im Ramadan um mehr als um den bloßen Verzicht auf Nahrung. „Man soll auch nicht rauchen, nicht lästern, nicht streiten und auf unnötige Zeitverschwendung verzichten“, erklärt Recep Calik. Gleichzeitig werden Spenden für Bedürftige gesammelt, denn wer im Ramadan Gutes tut, wird reich belohnt, so heißt es.

Die meisten Muslime blicken dem Fastenmonat voller Vorfreude entgegen. Nicht zuletzt wegen des Gemeinschaftsgefühls, speziell nach Sonnenuntergang, wenn beim Fastenbrechen alle zusammen essen. Die türkisch-islamische Gemeinde in Röthenbach hat dafür eigens einen Koch engagiert, der jeden Abend für 450 Menschen das Essen zubereitet. Geschlemmt wird aber auch dann nicht. „Meistens isst man nur eine Suppe oder etwas Leichtes, weil sonst der Magen überfordert wäre“, sagt Calik. Den Ende des Fastenmonats markiert das dreitägige Ramadan-Fest, an dem man sich gegenseitig besucht.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger