PFT-Belastung am Birkensee

Infotafeln mit wenig Infos

Was sind Tenside, was sind Alkylsubstanzen – und wie wirken sie? Die Badegäste am Birkensee erfahren es vor Ort nicht.
Was sind Tenside, was sind Alkylsubstanzen – und wie wirken sie? Die Badegäste am Birkensee erfahren es vor Ort nicht. | Foto: Sichelstiel2018/06/birkensee-hinweisschild.jpg

RÖTHENBACH — Anfang Mai hatte das Landratsamt Nürnberger Land angekündigt, Infotafeln am Birkensee aufzustellen, um über die Schadstoffbelastung des Wassers aufzuklären. Rund einen Monat später, die Badesaison läuft längst auf Hochtouren, stehen provisorische Schilder an den Wegen zum See – viele Infos finden sich darauf nicht.

Wer am Birkensee eine Abkühlung sucht und nicht weiß, was Perfluorierte Tenside (PFT) oder gar Perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind, dürfte sich über die Schilder wundern, die seit einigen Tagen am Parkplatz nahe des beliebten Badegewässers stehen. Auf laminierten Zetteln steht dort ein zwei Sätze langer „Hinweis zur Gewässerbelastung“, der besagte Fachbegriffe enthält. Nähere Informationen, heißt es, gebe es auf der Internetseite des Landrats­amts.

Wer dann tatsächlich die Adresse in sein Smartphone eingibt, statt doch einfach ins Wasser zu springen, ist nicht viel schlauer. „Badeverbot nein, Badewarnung ja“ heißt dort, „erhöhte PFT/PFAS-Werte, mikrobiologisch einwandfrei“. Außerdem: „Das Schlucken von Wasser beim Schwimmen und Baden sollte vermieden werden.“

Die Abkürzungen werden erst hinter dem nächsten Link erläutert. Wobei diese Erläuterung – sie stammt vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen – zumindest solide Chemie- oder Biologie-Grundkenntnisse voraussetzt. Da ist von „oberflächenreaktiven Substanzen“ die Rede, von einer „hohe Persistenz in der Umwelt und in Organismen“ und von „vorläufigen toxikologischen Risikobewertungen“.

Badewarnung gilt noch immer

Um es auf den Punkt zu bringen: Im Birkensee wurde ein giftiger Stoff gefunden, ein Stoff, der im Tierversuch in hoher Konzentration Krebs auslöst. Die Werte im See sind laut Fachleuten zwar so niedrig, dass Badegäste mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts zu befürchten haben, aber mit letzter Sicherheit ausschließen lässt sich eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht (die Pegnitz-Zeitung berichtete mehrfach).

Deshalb hat das Landrats­amt, nachdem es 2015 zunächst ein Badeverbot verhängt hatte, im Jahr darauf eine sogenannte Badewarnung ausgesprochen. Sie gilt noch immer. Wörtlich hieß es im Mai 2016 von der Behörde, sie empfehle, „aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes, auf das Baden, Schwimmen und Tauchen im Birkensee bis auf Weiteres zu verzichten.“

Warum steht das nicht auf den Hinweisschildern, warum wird dort nicht einmal das Wort „Badewarnung“ erwähnt? Rolf List, Sprecher des Landratsamts, antwortet so: Man habe den Text „bewusst allgemein formuliert“, schließlich sollten die Schilder „ja längerfristig stehen bleiben“. Auf der Internetseite der Behörde stünden dann stets „detaillierte und aktuelle Infos sowie die aktuelle Einschätzung der Situation“. Noch Ende April hatte es das Landratsamt abgelehnt, überhaupt Schilder aufzustellen. Es fehle an einer „Normierung über den Informationsweg für Badegäste“.

Text kommt vom Landratsamt

Laut dem Röthenbacher Bürgermeister Klaus Hacker sollen die Zettel demnächst gegen permanente Metalltafeln ersetzt werden, „wir haben das jetzt einfach vorab aufgestellt, schließlich läuft die Badesaison“. Die Kommune ist „vollziehende Behörde“. Der Text wird auch künftig derselbe sein. Hacker: „Den gibt uns das Landratsamt vor.“

Probleme mit Perfluorierten Tensiden hat übrigens nicht nur der Landkreis Nürnberger Land. Auch in Düsseldorf gibt es mehrere stark belastete Seen, dort gilt ein Badeverbot. Die Düsseldorfer Stadtverwaltung hat laut Auskunft gegenüber der Pegnitz-Zeitung insgesamt zehn Verbotsschilder aufgestellt und zusätzlich drei Infotafeln. Auf ihnen finden sich Grafiken, die Auskunft über Messwerte geben. Außerdem stehen dort Kontaktdaten für Rückfragen. Ausführlich wird beschrieben, was Perfluorierte Tenside sind und wo sie verwendet werden.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel