„DenkFabrik“ mit vielen Ideen

Gemeinsam für Röthenbacher Feste

Dicht umlagert waren die insgesamt vier runden Tische, an denen die Teilnehmer ihre Ideen äußern konnten. Hinten links (mit Brille und grauem Sakko) Moderator Michael Kniess. | Foto: Buchner-Freiberger2019/01/denkfabrik-stadtfest-blumenfest-roth6.jpg

RÖTHENBACH — Wie können das Röthenbacher Blumenfest und das Stadtfest wieder attraktiver werden? Was tun gegen den „Helferschwund“? Und warum sind beide Feste so wichtig für die Stadt? Bei einer „DenkFabrik“ in der Karl-Diehl-Halle wurden für diese Fragen eine ganze Reihe von Lösungsvorschlägen erarbeitet. Es wurde engagiert, phasenweise sehr kritisch diskutiert.

Nachdem sich beim Stadtfest im letzten Jahr viele Lücken in der Budenzeile auftaten und einige Vereine zudem ankündigten, sich nicht mehr mit einem Motivwagen am Blumenfest zu beteiligen (die PZ berichtete mehrfach), hatte die CSU-Stadtratsfraktion den Antrag gestellt, nach Möglichkeiten zu suchen, die beiden Traditionsfeste wieder attraktiver zu machen. SPD-Stadträtin Ull­rike Knoch hatte daraufhin eine „Ideenwerkstatt“ angeregt, zu der die Stadt nun am Montagabend in die Karl-Diehl-Halle lud. Nicht nur – wie sonst oft üblich – Vertreter politischer Parteien oder Vereinsvorsitzende waren gekommen, sondern insgesamt rund 150 Röthenbacher, denen „ihre“ Feste am Herzen liegen, die aber auch mit einigem nicht einverstanden sind, wie sie ganz klar sagten.

An vier runden Tischen konnten die Teilnehmer – unter der Regie von Michael Kniess und anderen Moderatoren – ihre Ideen einbringen, die anschließend auf Zettel an Stellwände geheftet wurden. Dabei kristallisierten sich schnell Tendenzen heraus. Nicht mehr zeitgemäß ist für die meisten etwa die Jury-Bewertung der Blumenfestwagen. „Als kleiner Verein ackert man, freut sich über das Motiv und landet dann trotzdem nur auf Rang 22. Das ist einfach frustrierend“, fasste eine Teilnehmerin die vorherrschende Meinung zusammen. Ein Lösungsvorschlag war es, nur noch die Plätze eins bis drei zu bestimmen. Auch eine Smartphone-App, mit der die Besucher ihren Favoriten wählen können, wurde ins Gespräch gebracht.

Den Termin am letzten August-Wochenende, eigentlich eine „heilige Kuh“, finden viele wegen der Ferienzeit und der Konkurrenz durchs Nürnberger Volksfest ungeeignet. Angeregt wurde, das Blumenfest samt Kirchweih auf Ende Juli oder Anfang August vorzuziehen. Die Dahlien aus Holland wären zu diesem Zeitpunkt wohl schon weit genug, wie Bürgermeister Hacker auf Nachfrage der PZ meinte. Auch über eine räumliche Verlegung der Kirchweih, zurück auf den „Alten Festplatz“ im Pegnitzgrund, wurde diskutiert. Ein weiterer Vorschlag ging dahin, Studenten der Nürnberger Kunstakademie in die Gestaltung der Motive einzubinden oder potenzielle Wagenbauer durch „Schulungen“ besser zu unterstützen.

Generell mehr Musik für den Festzug – nicht nur klassische Kapellen – wünschen sich viele. Umstritten dagegen die Idee, das Blumenfest nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. „Eine schöpferische Pause täte gut“, meinen die einen, „das wäre der Tod des Festes“, fürchten die anderen. Auch der oft geäußerte Wunsch, Blumenfest und Stadtfest organisatorisch zu „entkoppeln“, sei in der Praxis nicht so leicht umzusetzen, meint Klaus Hacker. Bisher dürfen Vereine nämlich nur dann eine Bude am Stadtfest betreiben und damit Einnahmen generieren, wenn sie sich am Blumenfest beteiligen.

Auch für das Stadtfest hatten die Teilnehmer Anregungen und Wünsche. An einem zentralen Ort wie dem Luitpoldplatz oder der Breiten Straße soll es stattfinden und nicht mehr entlang der Rückersdorfer Straße. Dort gebe es zu viele Lücken, die in den letzten Jahren mit gewerblichen Standbetreibern aufgefüllt wurden, „und die haben nur Ramsch“, kritisierte eine Besucherin. Mehr Angebote für Jugendliche und für Familien wünschen sich die meisten. Man könne zum Beispiel die Schulen in Form von Aufführungen mit einbeziehen.

Überhaupt, die junge Generation: Die geht oft lieber auf andere Kirchweihen in der Umgebung. Um die Jugendlichen wieder mehr an die Röthenbacher Feste zu binden, wurde unter anderem vorgeschlagen, soziale Medien wie Instagram stärker für die Werbung zu nutzen. Vereine sollen sich beim Stadtfest eine Bude teilen oder beim Blumenfest einen Wagen gemeinsam bauen können, wenn die Helfer nicht ausreichen. Auch mehr Live-Bands und Programm-„Highlights“ (zum Beispiel eine Feuershow) stehen für das Stadtfest auf der „Wunschliste“ oder die Unterstützung durch den Bauhof beim Auf- und Abbau der Buden.

Was passiert nun mit all diesen Ideen? Sie sollen gesammelt und weiter diskutiert werden, voraussichtlich im Vereinskartell, wie Bürgermeister Hacker sagte. Er hatte zu Beginn der Veranstaltung betont, dass man beide Feste „unbedingt weiter haben wolle“. Einiges, wie zum Beispiel den Bewertungsmodus, könne man vielleicht schon heuer umsetzen. Nachdrücklich forderte am Ende ein Besucher aus Renzenhof, dass der Denkprozess fortgesetzt wird. „Nicht, dass das hier alles umsonst war.“

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger