Eisdiele bestand 40 Jahre

Eis-Familie Russo sagt „Arrivederci“

Die Familie Russo im Jahr 2001: Mauro. Gianluca, Salvatore, Floriana und Giovanni Russo. | Foto: PZ-Archiv2018/02/eis-familie-russo.jpg

RÖTHENBACH (bu) — Generationen von Röthenbachern haben hier ihren Eiskaffee getrunken oder sich durch 18 verschiedene Sorten Eis probiert, jetzt endet eine Ära: Nach 40 Jahren hat die Familie Russo ihre Eisdiele in der Rückersdorfer Straße aus gesundheitlichen Gründen verkauft. Der Nachfolger steht schon in den Startlöchern.

Alles begann 1978: Da eröffnete der 27-jährige Salvatore Russo, gebürtiger Sizilianer und bis dato bei Schaeffler in Herzogenaurach beschäftigt, einen kleinen Eisverkauf neben dem heutigen Standort an der Rückersdorfer Straße. Gerade einmal sechs Sorten gab es in der Eisvitrine, die Rezepturen entwickelte Salvatore Russo gemeinsam mit seinem Schwager. „Schon damals war das Eismachen seine große Leidenschaft“, erzählt der jüngste Sohn Gianluca. Ein „ehrliches“, handgemachtes Eis sollte es sein, mit der Reduzierung auf die Hauptzutaten Milch, Zucker, Vanille und Früchten. Pflanzliche Fette oder künstliche Aromen kamen bei Salvatore Russo nicht in die (Eis-)Tüte.

Zunächst war noch eine Pizzeria angegliedert. In den 80er-Jahren erfolgte die Vergrößerung der Eis­vitrine auf 18 Sorten. 1995 schließlich wurde die Eisdiele so umgebaut, wie sie die Röthenbacher bis vor kurzem kannten: mit einem Straßenverkauf sowie Sitzplätzen drinnen und draußen und 24 verschiedene Arten Eis.

An der Eisdiele in der Rückersdorfer Straße prangt bereits ein neuer Schriftzug. Im März soll die Wiedereröffnung sein. | Foto: Buchner-Freiberger2018/02/eisdiele-russo-roth-zu.jpg

Von Anfang an war das Eiscafe ein Familienunternehmen. Salvatore Russo kümmerte sich hauptsächlich um die Herstellung der Eissorten, unterstützt wurde er im Service von seiner Ehefrau Floriana sowie den Söhnen Giovanni, Mauro und Gianluca. „Die Eisdiele war für uns das zweite Zuhause“, erinnert sich Gianluca Russo, heute 27 Jahre alt. Nach der Schule seien die Freunde hier vorbei gekommen, „es war schön, als Familie zusammensein zu können“. Besonders genossen haben die Russos den Kontakt mit den Gästen. „Manche sind seit 1995 fast jeden Tag gekommen“, sagt Gianluca Russo. Da nahm die Familie auch in Kauf, dass es in heißen Sommermonaten keinen freien Tag und schon gar keinen Urlaub gab. „Und wir haben selbst natürlich auch viel Eis gegessen.“

Erhalten hat sich bis zuletzt Salvatore Russos Eis-Philosophie, die Konzentration auf wenige, klassische, dafür handgemachte Sorten. „Mein Vater hat jedes Ei von Hand getrennt und aufgeschlagen. Das machen heute nur noch wenige“, so ­Gianluca Russo. Im Herbst allerdings musste der 66-jährige Salvatore Russo die Eisdiele aus gesundheitlichen Gründen früher zusperren als geplant. Über den Winter erfolgte dann schweren Herzens die Entscheidung für den Verkauf. Die drei Söhne gehen beruflich andere Wege. Es habe zahlreiche Interessenten gegeben, lässt Gianluca Russo durchblicken. Man wollte die Eisdiele auf jeden Fall in gute, erfahrene Hände geben. Mit Antonio Rizieri aus Kümmersbruck bei Amberg sind die Russos, die privat in Röthenbach wohnen bleiben, überzeugt, einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. Nach einem Umbau ist die Wiedereröffnung im März geplant.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger