Auftritt in der Karl-Diehl-Halle

„Bembers“ ließ es krachen

„Horch amol“: Der „Bembers“ hatte in Röthenbach fast ein Heimspiel. Elf Jahre hat er dort nämlich gelebt. | Foto: Jahn2018/05/bembers-rothenbach-diehl-halle-horch-amol.jpg

RÖTHENBACH — Kunst­spucker, Aggressions-Therapie, Alpina-Weiß-Überraschung: Der „Bembers“ lässt‘s krachen in der total ausverkauften Röthenbacher Karl-Diehl-Halle. Unter dem Titel „Best of – Mit Alles und Schaf“ präsentierte der fränkische Comedian das Beste aus fünf Jahren Hardcore-Comedy.

Harte Schale, weicher Kern – rein optisch wirkt der „Bembers“ mit seiner imposanten Figur und seiner Langhaarfrisur knallhart. Doch wer in der Nürnberger Südstadt aufgewachsen ist, meint Roman Sörgel, so der bürgerliche Name des Künstlers, muss abgehärtet sein, damit er furchtlos durchs Leben läuft. Bei näherem Kennenlernen entpuppt sich der „Närmbercher“, der außerdem elf Jahre in Röthenbach gewohnt hat, als sympathischer Typ mit dem Herz am rechten Fleck.

Vor keinem Thema zurückschreckend, erzählte „Bembers“ ungeniert und teilweise weit unter der Gürtellinie von alltäglichen Situationen aus seinem Leben. „Ey, horch amol“ stand auf seinem T-Shirt – und was seine Fans von dem Nürnberger Heavy-Metal-Anhänger zu hören bekamen, war ein dreistündiger Frontalangriff aufs Zwerchfell.

Wellness mit Priscilla

Imaginäre Partnerin ist seine Freundin Priscilla, die im „Närmbercher Glosschermverdel“ wohnt. Zum Geburtstag bekommt der Liebste von ihr einen Gutschein für einen Wellness-Urlaub in Baden-Baden, was ihn vor Freude „innerlich zerreißt“. Auf der Autobahnfahrt dorthin erdreistet sich ein BMW-Fahrer, mit Lichthupe bei Tempo 220 an „Bembers‘“ Stoßstange zu kleben und auch noch rechts mit Stinkefinger zu überholen.

Klar, dass der „Bembers“ sich dafür revanchieren muss. Dies gelingt ihm an der nächsten Raststätte, wo der Raser seinen BMW abgestellt hat. Mit zehn Liter Alpina-Weiß und zwei Liter Holzleim „verschönert“ er das Auto und sprüht die Radkästen noch mit Bauschaum voll. Dass er darüber eine Abdeckplane wirft, worauf er mit Farbe noch „Überraschung“ sprüht, quittiert das Publikum mit viel Applaus.

Ebenso das Erlebnis seines Besuchs in einer unerträglich heißen Sauna, wo der „Bembers“ besten Blick auf das Intimpiercing eines Mannes hat. Als dieser seine goldenen „Spießler“, „Kettler“ und „Ringler“ abmontiert, kommt dem „Bembers“ sein zuvor beim Griechen gegessenes Zaziki mit Gyros am Spieß wieder hoch.

Zwischendurch versteht er es glänzend, sich selbst aufs Korn zu nehmen. Zur schnelleren Heilung seines Po-Pickels verordnet der Arzt ihm nämlich Sonne. Da er aber in freier Natur kein Ärgernis erregen möchte, legt er sich lieber ins Solarium – und holt sich prompt einen noch schmerzhafteren Sonnenbrand.

Tattoo-Missverständnisse

Ganz nach dem Geschmack des Publikums war auch das Erlebnis beim Tätowierer: Um Visitenkarten zu sparen, sollte ihm in Großbuchstaben „Bembers“, von Beruf „Spezialist“, quer von Schulter zu Schulter eingestanzt werden. Als am Ende die komplette Visitenkarte den Rücken verunstaltet, ist der „Bembers“ durchgedreht. Um es mit gleicher Münze heimzuzahlen, knebelte er den „Stümper“ und schrieb „Oorschluuch“ auf dessen Rücken. Einen Grammatikfehler strich er mit roter Farbe durch und schrieb das richtige Wort darunter – „denn sonst wirst als Legastheniker abgschdembld“.

Zur Heilung seiner Aggressivität gibt’s für den „Bembers“ keine Tabletten. Auch eine Anti-Aggression-Therapie im Schwarzwald sagt ihm wenig zu, macht ihn nur noch aggressiver: „Soll ich mich etwa zum Brinkmann in die Klinik hocken, den ganzen Tag Schwarzwälder Kirsch­torte fressen und abends krieg ich Sacharin und ein Kännchen Hag serviert?“ Erst als der Arzt eine Therapie auf Jamaika verspricht, beruhigt sich „Bembers“ und meint: „Ey Alder, etz hast obber grod nu die ­Kurvn kriecht!“

Die lustigen Geschichten, die der studierte Grafik-Designer detailliert zum Besten gibt, fallen auch mal etwas deftiger aus, wie bei der letzten U-Bahn-Fahrt vom Hauptbahnhof zum Aufseßplatz. Als es darum geht, extreme Coolness gegenüber einem rüpelhaften Fahrgast aus Langwasser-Süd zu bewahren, dessen Kuddel-Attacke haarscharf an „Bembers“ vorbeigeht, zeigt sich der Franke äußert nachsichtig: „Ey Alder, ist ja der Hammer, was du so drauf hast, bist du Kunstspucker? Stell dir vor, du hättest mich getroffen, dann Alder wärst du Konfliktsucher. Aber dann …“

Zum Schluss sang ein restlos begeistertes Publikum mit „Bembers“ gemeinsam „Danke für diesen schönen Abend“.

N-Land G. Jahn
G. Jahn
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